Die Spionage-Affäre rund um den Zweitligisten FC Southampton hatte im Mai ganz England erschüttert. Der Klub aus dem Süden des Landes wurde kurz vor Saisonende die Chance auf den Aufstieg in die Premier League entzogen, weil ein Mitarbeiter aus dem Analyse-Team des Klubs dabei erwischt wurde, wie dieser – hinter einem Baum versteckt – heimlich das Training von Gegner Middlesbrough gefilmt hatte.
Spionage-Affäre: Deutscher Coach Eckert erhielt Morddrohungen!
Deutscher Coach erhielt Morddrohungen
Da dies gegen die Regularien der EFL (English Football League) sprach und kein Einzelfall war, wurde das Team des deutschen Trainers Tonda Eckert aus dem Aufstiegsrennen gestrichen und mit einem Abzug von vier Punkten für die anstehende Saison 2026/27 belegt.
Eckert berichtet von Morddrohungen
In einem Interview mit dem kicker sprach Eckert über die schwierigen Tage und Wochen rund um die Affäre und gab zu, schlimme Drohungen erhalten zu haben.
„Nach der EFL-Entscheidung bekam ich viele Nachrichten, auch von Trainern aus England und aus der Bundesliga. Auch von bekannten Kollegen, mit denen ich vorher nie persönlichen Kontakt hatte. Natürlich tat das gut in so einer Situation. Es gab aber auch schwierigere Momente“, erzählte der gebürtige Berliner ehrlich.
„Die Welle war riesig. Darauf wird man nicht vorbereitet. Ich bin kaum in sozialen Netzwerken aktiv, was in dieser Situation hilfreich war. Trotzdem fanden Menschen Wege, mir Drohungen zukommen zu lassen“, berichtete der Coach.
Auf die Frage, ob Eckert Morddrohungen erhalten habe, antwortete er: „Ja, das konnte auch nicht mehr ohne Polizei ablaufen. Ich möchte nicht auf Details eingehen, nur so viel: Mir wurde empfohlen, nicht mehr selbst zu fahren, sondern hinten im Auto zu sitzen. Das war sehr schwierig.“
Trainer des FC Southampton berichtet von schlaflosen Nächten
Die Situation nach der verpassten Chance, in die Premier League aufzusteigen, war eine, „auf die kein Trainerkurs vorbereitet. Keine Ausbildung erklärt dir, wie du reagierst, wenn du aus Sicherheitsgründen plötzlich auf der Rückbank sitzen sollst. Es war, wie gesagt, sehr schwierig.“
Eckert offenbarte, dass er schlaflose Nächte durchgemacht habe. „Als Cheftrainer bin ich für eine Entscheidung verantwortlich, die wir sehr bereuen. Die Konsequenzen hätten für den Verein und die Mannschaft kaum härter sein können. Dann kommt eine öffentliche Wucht, auf die einen nichts vorbereitet“, führte er aus.
Eckert kannte entscheidende Regel nicht
Die EFL hatte im Jahr 2019 einen Passus eingeführt, in dem es heißt: „Kein Verein darf in den 72 Stunden vor einem Spiel direkt oder indirekt das Training eines anderen Vereins beobachten oder versuchen zu beobachten.“ Eine Regel, die Eckert nicht kannte, wie er zugab.
„Ich wusste es nicht, nein. Ich habe es aber autorisiert, deshalb liegt die Gesamtverantwortung bei mir. Gerade in England sind in der Rolle des Managers viele Aufgaben gebündelt. Die Entscheidung war falsch und hatte riesige Folgen für Spieler, Fans und den Verein […]. Es wäre meine Pflicht gewesen, sie zu kennen“, räumte er jetzt ein.
Southampton startet mit Minuspunkten
Trotz aller Vorkommnisse ist Tonda Eckert weiterhin Cheftrainer des FC Southampton und will mit den „Saints“ wieder um den Premier-League-Aufstieg mitspielen. „Es hätte viele legitime Möglichkeiten gegeben, auf das Saisonende anders zu reagieren. Die Rückendeckung vom Eigentümer, Sportdirektor und von der Mannschaft bedeutet mir enorm viel.“
Am 16. August beginnt für Eckert und Southampton die neue Championship-Saison mit einem Auswärtsspiel in Watford. Aufgrund des Punktabzugs werden die „Saints“ als Tabellenletzter in die Saison starten, das Ziel bleibt dennoch der Aufstieg. „Die Spieler haben gezeigt, wozu sie fähig sind. Ein großes Gerüst der Mannschaft ist geblieben, viele Schlüsselspieler haben sich klar zum Verein und zu unserem Weg bekannt. Das kann uns eine Stärke geben, die wir brauchen werden.“