Deutsche Fußballfans bringen Juan Bernat vor allem mit einer Sache in Verbindung: der Brandrede von Uli Hoeneß. Auf der legendären Wut-Pressekonferenz des FC Bayern im Oktober 2018 polterte der Funktionär über Bernat, er habe in Sevilla „einen Scheißdreck“ gespielt. Hoeneß bezog sich dabei auf das Viertelfinal-Hinspiel der Champions League, das Bayern trotz eines durchwachsenen Auftritts und einem 0:1-Rückstand letztendlich 2:1 gewann.
Odyssee eines Hoeneß-Sündenbocks
Der Abgang war besiegelt und Bernat wechselte noch im selben Jahr zu Paris Saint-Germain. Von PSG wurde er 2023 an Benfica Lissabon und 2024 an FC Villarreal ausgeliehen, bevor er im Januar 2025 fest zum spanischen Erstligisten wechselte. Nur zwölf Tage später wurde der Vertrag wieder aufgelöst und der Linksverteidiger wechselte bis Saisonende zum Liga-Konkurrenten FC Getafe.
Bernat erfolgreich, aber umstritten
Im Sommer 2014 wa Bernat von seinem Jugendklub FC Valencia zum FCB gewechselt und hatte an der Säbener Straße einen Fünfjahresvertrag unterschrieben. Bereits im August 2014 feierte er sein Debüt im Supercup gegen Borussia Dortmund. In den folgenden Jahren kam der Linksverteidiger auf 76 Bundesligaeinsätze und erzielte dabei drei Tore.
Zwar sammelte er mit den Bayern zahlreiche Titel - darunter vier deutsche Meisterschaften, einen DFB-Pokal-Sieg und drei Supercup-Erfolge –, doch seine individuelle Leistung wurde nicht immer positiv bewertet. Ein Wendepunkt war das Champions-League-Viertelfinal-Hinspiel gegen den FC Sevilla im April 2018. Bernat wurde in diesem Spiel für eine schwache Leistung kritisiert und Vereinspräsident Hoeneß nahm ihn öffentlich ins Visier.
Hoeneß machte den Spanier für das Beinahe-Ausscheiden verantwortlich. Er erklärte, an diesem Abend sei entschieden worden, Bernat abzugeben, weil er dem Verein „fast die ganze Champions League gekostet hätte“. Bernat reagierte darauf gelassen und betonte seine Dankbarkeit gegenüber dem Verein und den Fans für die vier Jahre, die er in München verbracht hatte.
Die ungewöhnlich scharfe Kritik aus der Vereinsführung ließ Bernats sportliche Verdienste in den Hintergrund rücken. Sein Standing im Klub war damit endgültig beschädigt und der Wechsel zu PSG im Sommer 2018 für beide Seiten die richtige Entscheidung. Mit einer Ablösesumme von lediglich fünf Millionen Euro verkaufte der FC Bayern einen Spieler, der trotz seiner Titelgewinne letztlich zum Sündenbock wurde.
Bernats Transfer-Chaos
In Paris erhielt Bernat einen Dreijahresvertrag. Der Spanier etablierte sich als zuverlässiger Linksverteidiger und überzeugte mit starken Leistungen, insbesondere in der Champions League. Dort erzielte er wichtige Treffer gegen Top-Klubs wie FC Liverpool, Manchester United und Borussia Dortmund. In der Saison 2019/20 erreichte PSG das Champions-League-Finale, wo er ausgerechnet auf seinen Ex-Klub Bayern München traf. In dem Geisterspiel in Lissabon unterlag PSG mit 0:1 – für die Münchner war es der sechste Titel in der Königsklasse.
2020 nahm seine Karriere eine dramatische Wendung: Er erlitt einen Kreuzbandriss, wurde dreimal operiert und fiel über ein Jahr aus. Der Defensivspieler verlängerte Anfang 2021 seinen im Sommer auslaufenden Vertrag um vier Jahre bis 2025. Erst im Oktober 2021 kehrte er nach seiner Verletzung auf das Spielfeld zurück, konnte aber nie wieder längerfristig an seine frühere Form anknüpfen. Er absolvierte insgesamt 89 Ligaspiele für PSG. Mit den Parisern gewann er drei französische Meisterschaften, zwei Pokalsiege und zahlreiche weitere nationale Titel.
Vom Champions-League-Finale in den Abstiegskampf
Im September 2023 entschied sich PSG, Bernat für eine Saison an Benfica Lissabon auszuleihen. Der Wechsel war eine logische Konsequenz: Nach seiner langen Verletzungspause und der starken Konkurrenz auf der Linksverteidigerposition – insbesondere durch Nuno Mendes – war seine Perspektive in der französischen Hauptstadt begrenzt. Doch auch in Portugal lief es nicht wie erhofft: Verletzungsprobleme und mangelnde Spielzeit führten dazu, dass der 31-Jährige in der gesamten Saison nur auf sieben Einsätze kam.
Nach einer kurzen Rückkehr in die französische Hauptstadt wurde er im August 2024 an FC Villarreal ausgeliehen. Während seiner Leihe an die Spanier trennten sich die Wege von Paris Saint-Germain und Bernat im Januar 2025 – und das aus einem kuriosen Grund: PSG löste den Vertrag auf, um Platz für die Leihe von Randal Kolo Muani zu schaffen.
Hintergrund war eine FIFA-Regelung aus dem Jahr 2022, die das Horten von Spielern verhindern und die Entwicklung junger Talente fördern sollte. Laut dieser Vorschrift darf ein Klub seit Juli 2024 maximal sechs Profispieler gleichzeitig ausleihen oder verleihen. Da die französischen Hauptstädter dieses Limit bereits erreicht hatte, musste ein Spieler den Verein verlassen, um Kolo Muani an Juventus Turin verleihen zu können.
Durch die Auflösung des Vertrags wechselte Bernat am 22. Januar 2025 dauerhaft zu Villarreal. Zuvor hatte der Verteidiger lediglich zwölf Pflichtspiele für das „Gelbe U-Boot“ bestritten und konnte sich nicht als Stammspieler behaupten.
Zwölf Tage nach dem Wechsel folgte die Kehrtwende: Beide Seiten einigten sich auf eine vorzeitige Vertragsauflösung. Spanische Medien spekulierten, dass der Klub aus wirtschaftlichen Gründen und wegen der sportlichen Perspektive umdisponierte.
Gelingt Bernat ein Neuanfang in Getafe?
Noch am selben Tag der Vertragsauflösung, am Deadline Day, unterschrieb Bernat beim FC Getafe – eine kuriose Entwicklung, die jedoch bei genauer Betrachtung Sinn ergibt.
Nach der überraschenden Trennung kommentierte die Presse, dass Bernats Wechsel zu Getafe seinen Wunsch widerspiegeln würde, endlich wieder mehr Spiele bestreiten zu dürfen und dadurch seine Karriere zu stabilisieren.
Bereits einen Tag nach seinem Wechsel gab er im Viertelfinale der Copa del Rey gegen Atlético Madrid sein Debüt für den FC Getafe. Er stand in der Startelf und spielte die vollen 90 Minuten, konnte die klare 0:5-Niederlage aber nicht verhindern. Dennoch ließ er sich nicht entmutigen und unterstrich nach der Partie seinen Fokus auf die kommende Herausforderung in der Liga: „Das Hauptziel ist der Klassenerhalt.“ In LaLiga spielte er die erste Partie für seinen neuen Klub ebenfalls von Anfang an und konnte mit seinem Team gegen Deportivo Alavés wichtige drei Punkte einfahren.
Für den 31-Jährigen bedeutet der Wechsel zu Getafe nach Stationen bei Topklubs wie dem FC Bayern und PSG einen deutlichen Rückschritt. Verletzungen hatten seine Karriere gebremst und nun kämpft er mit seinem Team gegen den Abstieg. Doch dass er sofort in die Mannschaft integriert wurde und keine Anpassungszeit benötigt hat, spricht für seine Qualität. Mit seiner Erfahrung und spielerischen Klasse kann er für Getafe eine echte Bereicherung sein – vor allem, wenn er fit bleibt. Ob er sich dauerhaft als Leistungsträger etabliert, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.