Arda Güler hat es bislang nicht geschafft, bei Real Madrid wirklich anzukommen. Im dritten Ligaspiel in Folge blieb der 19-Jährige ohne eine einzige Spielminute. Auch in den beiden Champions-League-Duellen gegen Manchester City kam er nicht zum Einsatz.
Wann reißt Gülers Geduldsfaden?
Dabei hatte Trainer Carlo Ancelotti den jungen Türken noch vor knapp einem Jahr in höchsten Tönen gelobt. „Er ist ein großes Talent. Nur ein großes Talent kann so einen Spielzug sehen. Es macht nichts, dass er nicht getroffen hat. Für uns ist das ein Tor“, sagte der Italiener nach dem La-Liga-Spiel gegen CA Osasuna, bei dem Güler einen Schuss von der Mittellinie aus an die Latte gesetzt hatte.
Doch viele solcher Momente gab es seitdem nicht mehr. Ancelotti gab immer wieder zu verstehen, dass angesichts des jungen Alters des Mittelfeldspielers keine Eile besteht und man Geduld aufbringen müsse.
Seit seinem Wechsel im Sommer 2023 von Fenerbahce für 20 Millionen Euro Ablöse kommt der Türke nur unregelmäßig zum Einsatz. In dieser Saison sind es in La Liga 606 Spielminuten in 16 Einsätzen, meist von der Bank. Seine Bilanz: Ein Tor und drei Vorlagen.
Der enorme Konkurrenzkampf im Mittelfeld von Real macht es ihm schwer. Auch Verletzungen warfen ihn zurück, die Hinrunde in der Saison 23/24 verpasste er sogar komplett.
Mesut Özil ist ein Fan von Güler
Einer, der ebenfalls ein Shootingstar war und in der Türkei enorme Aufmerksamkeit erhielt, ist Mesut Özil. Der Weltmeister von 2014 hatte bei Fenerbahce in der Saison 21/22 noch kurzzeitig mit dem Youngster zusammengespielt und sieht viele Parallelen zu sich selbst.
„Ich sehe viel von mir selbst in Arda Güler. Man muss mehr tun, um Talente wie ihn zu schützen“, sagte Özil in einem Interview mit TRT Spor.
Bei der spanischen Marca zeigte der Ex-Profi Verständnis für Gülers schwierige Situation bei den Königlichen. Er betonte, dass Gülers Situation besonders herausfordernd sei, weil ein fußballbegeistertes Land wie die Türkei große Hoffnungen in ihn setzt.
„Jeder kennt sein Talent, daher will ich ihn nicht zu sehr loben und unter Druck setzen. Seine Situation ist nicht so einfach zu handhaben“, erklärte der Ex-Real-Spieler.
Der 36-Jährige verweist auf andere Talente, die sich trotz anfänglicher Schwierigkeiten durchgesetzt haben. So bekam Martin Ödegaard einst bei Real Madrid ebenfalls kaum Spielzeit.
„Falls es nicht klappt (bei Real), dann kann er sich Fälle wie den von Ödegaard anschauen, der sich einen Weg geschaffen hat. Jeder hatte ihn kritisiert, als er als Junger nicht spielte. Aber einige Jahre später ist er der Leader bei Arsenal, einem anderen großen europäischen Klub“, erklärte Özil.
Real Madrid denkt offenbar über Leihe nach
Auch der ehemalige Real-Spieler Nuri Sahin zeigte sich in seiner Zeit als BVB-Coach begeistert von Güler und sagte der Süddeutschen Zeitung sogar: „Das ist keiner, bei dem man sagen muss: den muss man erst heranführen. Nein, der ist schon so weit.“
Doch die Realität sieht aktuell anders aus: Bislang konnte sich Güler noch nicht durchsetzen und kommt kaum zum Zug.
Dass die Galaktischen mit jungen Talenten Geduld haben können, zeigten sie bei Spielern wie Vinicius Junior und Rodrygo. Laut spanischen Medienberichten denkt die Vereinsführung der Königlichen aber zumindest über eine Leihe im Sommer nach, schließlich braucht Güler mehr Spielzeit.
Ob er diese am Sonntag beim Duell mit den Tabellenelften FC Girona (ab 16.15 Uhr im LIVETICKER) erhält, ist fraglich. Da Real Madrid zwei Punkte hinter Tabellenführer Atlético Madrid liegt, ist im Moment wenig Zeit für Experimente.