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Alonsos Erbe bei Real Madrid: Böse Zungen nennen ihn "Marionette"

Böse Zungen nennen ihn „Marionette“

Nach dem Aus von Cheftrainer Xabi Alonso setzt Real Madrid auf eine interne Lösung. Álvaro Arbeloa hat sich im Klub einen guten Ruf als vielversprechender Coach erarbeitet. Dem allmächtigen Florentino Pérez soll aber auch ein anderer Faktor wichtig sein.
Xabi Alonso ist nicht länger Trainer von Real Madrid. Der Verein gibt ein offizielles Statement heraus.
Nach dem Aus von Cheftrainer Xabi Alonso setzt Real Madrid auf eine interne Lösung. Álvaro Arbeloa hat sich im Klub einen guten Ruf als vielversprechender Coach erarbeitet. Dem allmächtigen Florentino Pérez soll aber auch ein anderer Faktor wichtig sein.

Nach nur 232 Tagen ist die Amtszeit von Xabi Alonso als Cheftrainer von Real Madrid schon wieder Geschichte. Mitten in der Saison verkündete der spanische Topklub am Montagabend per Pressemitteilung den Paukenschlag.

Acht Minuten später legten die Königlichen eine zweite Meldung nach und teilten mit, dass der frühere Profi Álvaro Arbeloa, der zuletzt die zweite Mannschaft trainiert und einst mit Alonso zusammengespielt hatte, das Starensemble übernimmt.

Ironischerweise ist es erst etwas mehr als einen Monat her, dass Alonso genau dieses Szenario öffentlich skizziert hatte. „Ich glaube, dass Álvaro in Zukunft Trainer von Real Madrid werden könnte. Ich finde, er macht seine Sache sehr gut“, betonte der 44-Jährige damals bei einer Pressekonferenz über seinen engen Freund und langjährigen Weggefährten.

Real Madrid: Alonsos Vorhersage tritt ein

Dass der von Alonso beschriebene Fall nun bereits Mitte Januar - und damit nur etwas mehr als ein halbes Jahr nach seinem eigenen Amtsantritt - eintreten würde, dürfte Alonso zu diesem Zeitpunkt kaum erwartet haben.

Ganz überraschend kam der Schritt bei genauerem Hinschauen aber nicht. Hinter den Kulissen hatten sich bei Real seit Wochen Unruhe und Spannungen aufgebaut. Im Verein setzte sich schließlich die Ansicht durch, dass eine Trennung vom früheren Leverkusener Meistertrainer für beide Seiten die sinnvollste Lösung sei.

Mit Arbeloa setzt Real nun einmal mehr auf eine interne Lösung. Anders als Alonso, der den Umweg über Real Sociedad und Bayer Leverkusen nahm, wird der 42-Jährige direkt aus den eigenen Reihen befördert. Präsident Florentino Pérez hofft dabei auf einen ähnlichen Effekt wie einst bei Zinedine Zidane.

Macht es Arbeloa wie Zidane?

Der französische Superstar hatte nach seiner aktiven Laufbahn bei Real zunächst als Coach der zweiten Mannschaft fungiert, ehe er ab 2016 Toni Kroos und Co. dreimal in Folge zum Champions-League-Titel führte.

Die Marca taufte Arbeloa daher prompt als „neuen Zidane“. Immerhin hat der ehemalige Außenverteidiger, der mit Spanien an der Seite von Alonso Welt- und Europameister wurde, seit 2020 im Nachwuchsbereich der Königlichen deutliche Akzente gesetzt.

Insgesamt 151 Siege aus 200 Spielen fuhr Arbeloa als Jugend- und B-Team-Trainer ein, rechnet die Sportzeitung AS vor. Reals Zweitvertretung übernahm er jedoch erst im vergangenen Sommer, parallel zu Alonsos Antritt bei den Profis.

Moderner Coach mit enger Beziehung zu Mourinho

Im Umfeld des Vereins wird Arbeloa als moderner Coach gesehen. Er fällt unter anderem durch seine fortschrittliche Herangehensweise, etwa den Einsatz von Drohnen für Aufnahmen im Training, auf.

Entscheidend geprägt wurde Arbeloa durch José Mourinho, der eher für defensive Stabilität als für offensives Spektakel bekannt ist. Als Spieler pflegte er eine enge Beziehung zum damaligen Real-Trainer.

Das verdeutlichten auch Mourinhos Worte bei Arbeloas Abschied 2016: „Ich habe für Arbeloa ausschließlich Worte des Danks übrig. In meinen 16 Jahren als Trainer befindet er sich mit Sicherheit auf dem Podium der wichtigsten Spieler, mit denen ich gearbeitet habe.“

Erfahrungen bei Real als Vorteil?

Als große Pluspunkte bei Arbeloas neuem Engagement als Cheftrainer gelten zudem seine Nähe zu mehreren aktuellen Profis und seine Erfahrung als ehemaliger Spieler der Königlichen.

„Er kennt den Verein und zwar sehr gut, weil er seit Jahren Teil der Institution ist“, zeigte sich Real-Ikone Jorge Valdano bei Movistar hoffnungsvoll. Auch sieht der Argentinier seinen Draht zu Alonso als Vorteil: „Er kennt Xabi, sodass er sicherlich über alles, was in der ersten Mannschaft passiert, bestens informiert ist.“

Der wohl entscheidende Unterschied zu Alonso liegt allerdings im Verhältnis zu Reals Präsidenten. Laut der Sport habe Alonso mit seinem Ruf als „technokratischer Trainer mit sehr ausgeprägten taktischen Ideen, die über den Spielern standen“ bei Florentino Pérez für Unmut gesorgt.

Alonsos täglicher Umgang mit den großen Stars sowie angebliche interne Spannungen und Meinungsverschiedenheiten - unter anderem mit Vinícius, Jude Bellingham und Federico Valverde - sollen dem Boss missfallen haben.

Nur eine „Marionette“ von Real-Präsident Pérez?

Arbeloa hingegen wird von der Sport als „eine ‚Marionette‘ in den Händen von Florentino Pérez“ bezeichnet. Pérez soll überzeugt sein, dass der neue Trainer seinen Vorgaben folgt, den Stars größere Freiheiten lässt und ihm interne Konflikte erspart. Große taktische Experimente, die für Unruhe sorgen könnten, werden unter Arbeloa demnach nicht erwartet.

Ohnehin lassen die öffentlichen Diskussionen um eine „schwierige“ Kabine den Spanier kalt. „Das ist nichts, was mich sonderlich beunruhigt“, erklärte Arbeloa auf seiner Antrittspressekonferenz: „Wir haben einen Kader mit großartigen Spielern, die alle sehr nette Jungs sind. Niemand ist mehr daran interessiert, Titel zu gewinnen, als die Spieler selbst.“

Klar ist jedoch: Einfach wird die Aufgabe nicht. Arbeloa verfügt bislang über keine Erfahrung als Coach im Elitefußball, während sich Real mitten in einer Saison befindet, die von mangelnder Kontinuität und einer vermehrt negativen Dynamik geprägt ist.

Machbare Aufgaben zum Amtsantritt

Neben der jüngsten Pleite im Supercup gegen Barcelona liegt Real in der Liga vier Punkte hinter dem großen Rivalen zurück. Hinzu drohen in der Champions League als Tabellen­siebter die Playoffs.

Der Start wirkt auf dem Papier dennoch dankbar für den neuen Cheftrainer. Am Mittwochabend steht im Pokal die erste Bewährungsprobe an: Im Achtelfinale geht es auswärts gegen Balompié Albacete, aktuell 17. der zweiten Liga.

Am Samstag empfängt Arbeloas Team dann den Tabellen­vorletzten UD Levante im Bernabéu, ehe am Dienstag in der Königsklasse die AS Monaco gastiert.

Arbeloa: „Solange Madrid mich will“

Einen Patzer in den ersten Spielen darf sich Arbeloa aber kaum erlauben, sonst könnten die neu entfachten Hoffnungen in Madrid ebenso schnell wieder verfliegen.

Unabhängig davon sieht sich der Alonso-Nachfolger nicht als Interims­lösung: „Ich bin seit 20 Jahren hier und werde bleiben, solange Madrid mich will. Hier bin ich zu Hause, so empfinde ich es.“

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