Als Celta Vigo am 27. Spieltag das bittere Gegentor zum 1:2 gegen Real Madrid kassierte, stand Ilaix Moriba schon nicht mehr auf dem Platz. Der 23-Jährige war in der 91. Minute ausgewechselt worden, nachdem er im Mittelfeld viel gearbeitet und Real lange Zeit wenig Raum gelassen hatte.
Ihn wollte Eberl nicht mehr haben - SPORT1
Ihn wollte Eberl nicht mehr haben
Drei Minuten nach Moribas Auswechslung war es ausgerechnet sein vorheriger Gegenspieler Federico Valverde, der einen abgefälschten Schuss zum Lucky Punch in die Maschen jagte (90+4).
Etwas symptomatisch kann diese Szene durchaus gesehen werden: Denn der ehemalige Leipziger Ilaix Moriba hat sich nach Jahren enttäuschter Erwartungen inzwischen zu einem gestandenen Sechser in der spanischen LaLiga gemausert.
Bei Celta Vigo ist das einstige Supertalent aus der berühmten Barca-Akademie „La Masia“ Stammspieler und einer der wichtigsten Bausteine im System von Trainer Claudio Giraldez. In allen 28 Ligaspielen kam Moriba zum Einsatz, 19-mal davon in der Startelf.
Der 16-Millionen-Wechsel nach Leipzig floppte
Dabei schien Moribas Karriere schon deutlich früher auf dem Weg nach ganz oben zu sein. 2021 galt der Guineer, der auch die spanische Staatsbürgerschaft besitzt, als eines der größten Talente Europas – körperlich robust, technisch versiert und mit großem Entwicklungspotenzial.
Mit 17 Jahren feierte er sein Debüt in der Profimannschaft des FC Barcelona und erzielte anschließend in 14 Ligaspielen ein Tor. Sein Können blieb auch in Deutschland nicht unbemerkt: Schließlich überwies RB Leipzig 16 Millionen Euro nach Barcelona, um sich die Dienste des Youngsters zu sichern.
Doch bei den Sachsen konnte sich Moriba nicht durchsetzen, weder unter Jesse March noch unter Domenico Tedesco. Lediglich zwei Bundesligaspiele bestritt der Mittelfeldmann in drei Jahren bei den Roten Bullen. Auch zwei Leihgeschäfte zurück in die Heimat – zum FC Valencia und FC Getafe – brachten keine Wende. Moriba war unglücklich.
„Wir wollen keinen Spieler, der nicht in Leipzig sein will“, stellte der damalige RB-Sportdirektor Max Eberl klar. Unter Leipzig-Coach Marco Rose war das Kapitel dann endgültig Geschichte. Rose lobte zwar das Talent des Mittelfeldspielers, sagte aber auch unmissverständlich: „Es wird richtig schwer für ihn.“
Neues Kapitel für Ex-Leipziger: „Habe meinen Platz gefunden“
Der dritte Abstecher in die LaLiga hat nun gefruchtet. Seit 2024 steht Moriba im Kader von Vigo, in seiner ersten Saison noch auf Leihbasis und als Ergänzungsspieler – doch jetzt hat der 1,85 Meter große Sechser den Durchbruch geschafft und kann seine Box-to-Box-Qualitäten regelmäßig zeigen.
Seinen Wechsel zu Leipzig bereut Moriba im Nachhinein klar: „Ich habe einen Fehler gemacht, als ich Barça verließ. Ich war sehr jung und stand unter großem Druck. Irgendwann dachte ich, alles wäre vorbei“, zitierte ihn seine Beraterfirma AS1 im vergangenen Jahr.
„Ich habe hier meinen Platz gefunden“, erklärte Moriba Ende Dezember gegenüber der spanischen Sportzeitung AS mit Blick auf Celta Vigo. Besonders die Rolle seines Trainers Giraldez hob der 23-Jährige hervor: „Er hat mir mental und im Hinblick auf mein Selbstvertrauen sehr geholfen.“
Große Chance in der Europa League und Comeback im Nationalteam
Insgesamt wirkt Moriba stabiler, glücklicher und sportlich gefestigter als in seinen Jahren nach der Barca-Zeit. Mit Vigo steht der Guineer auf Platz sechs der Tabelle und in der Europa League hat das Team nach einem 1:1 im Hinspiel gegen Olympique Lyon gute Chancen, ins Achtelfinale einzuziehen.
Das Rückspiel, bei dem Moriba wieder eine Schlüsselrolle einnehmen wird, steigt am Donnerstag (18.45 Uhr im LIVETICKER) in Lyon. „Diese Mannschaft ist in der Lage, sich zu behaupten, egal ob sie sich wohlfühlt oder nicht. Lyon wird uns auf dem Platz regelrecht vernichten müssen, um uns aus dem Wettbewerb zu werfen“, blickte er voraus.
Und noch eine besondere Aufgabe erwartet Moriba in Kürze: Nach anderthalb Jahren Abwesenheit gehört der Mittelfeldspieler erstmals wieder zum Kader der guineischen Nationalmannschaft für die anstehende Länderspielpause.
Seine Pause nach seinem bislang letzten Einsatz im September 2024 gegen Tansania hatte er bewusst gewählt, um sich voll auf seine Entwicklung im Verein zu konzentrieren – eine Entscheidung, die sich nun auszahlt.