Mitspieler gehen aufeinander los, Vize-Kapitän Federico Valverde landet im Krankenhaus, Ohrfeigen-Vorwurf gegen Antonio Rüdiger, Millionen Fans wollen Superstar Kylian Mbappé einfach nur weghaben – bei Real Madrid brennt es gerade an allen Ecken und Enden.
Bei Real Madrid regiert das Chaos - kommen Mourinho und Haaland?
Ein Imperium implodiert
Vorläufiger Höhepunkt: Das über mehrere Tage ausgetragene Duell Valverde vs. Aurélien Tchouaméni, das am Freitag mit der Vereinsmitteilung endete, der Nationalspieler Uruguays habe sich ein Schädel-Hirn-Trauma zugezogen.
Real Madrid: Eklat zwischen Valverde und Tchouaméni nur die Spitze des Eisbergs
„Die Nerven liegen blank“, bilanziert Real-Insider Miguel Gutierrez im Gespräch mit SPORT1: „Die Stimmung ist schlecht, einer schiebt dem anderen den Schwarzen Peter zu.“
Dass ausgerechnet Valverde und Tchouaméni aneinandergeraten sind, überrascht Gutierrez nicht. „Die beiden mögen sich nicht, das zeigt diese Szene ganz klar. Möglicherweise hat es vorher schon gekracht und das war jetzt der Höhepunkt.“ Dass es innerhalb eines solchen Topteams so weit kommen konnte, zeigt für den Experten vor allem eines: „Das Ökosystem ist total durcheinandergewirbelt.“
Real-Insider: Es fehlt ein Anführer wie Sergio Ramos
Naturgemäß wimmelt es in der Real-Kabine nur so vor Weltstars, teils schwierigen Charakteren. Was fehlt? „Sie haben nicht diesen Kapitän, diesen Anführer, der auch mal auf den Tisch haut und für Ordnung sorgt“, stellt Gutierrez klar: „So wie es früher Sergio Ramos war.“
Den berüchtigten Innenverteidiger, der nicht von ungefähr den Stempel „Rambo“ verpasst bekam, könne man „für vieles kritisieren, er war manchmal überhart – aber diese Figur fehlt jetzt bei Real: der große Chef, der große Anführer.“
Auch prägende Figuren der vergangenen Ära wie Luka Modric und Toni Kroos seien nie ersetzt worden, moniert Gutierrez. Das Ergebnis: Real wird nicht nur die zweite Saison in Serie ohne einen einzigen Titel beenden, sondern versinkt immer mehr im Chaos.
Real-Stars werden als Käfigkämpfer verspottet – Fans wollen Mbappé loswerden
Die Duelle zwischen Valverde vs. Tchouaméni sowie Rüdiger vs. Carreras (die Rüdiger-Seite wies gegenüber SPORT1 die Behauptung zurück, es habe eine Ohrfeige gegeben) sind längst ein gefundenes Fressen für die Meme-Fabriken auf Social Media, Reals Stars werden eher als Käfigkämpfer verspottet statt als Galactios gefeiert.
Zu allem Überfluss zog dann noch der verletzte Mbappé den Zorn des Anhangs auf sich, weil er statt Reha lieber die Freizeit mit seiner Schauspielerin-Freundin Ester Expósito genoss und zuletzt erst zwölf Minuten vor Anpfiff der Partie bei Espanyol Barcelona wieder in Spanien landete. „Das haben ihm viele Fans übel genommen. Weil die Meinung ist: wenn er verletzt ist, dann muss er auch in Madrid bleiben und sich behandeln lassen. Stattdessen war er tagelang weg“, berichtet Gutierrez.
Eine erboste Petition, dass Mbappé verkauft werden soll, unterstützen bis zum Freitagnachmittag schon fast 50 Millionen Fans. Es passt ins Bild dieser Saison, dass Mbappé sportlich zwar liefert. Aber: „Von den Toren ist er überragend, da gibt es keinen Besseren in Europa“, sagt Gutierrez, „aber es hat nichts gebracht. Er kam zu Real, um die Champions League zu gewinnen – stattdessen ist jetzt PSG die beste Mannschaft in Europa. Das ist natürlich ein Tiefschlag.“
„Mimosen“ unter den Spielern gegen Alonso – kommt zur Strafe jetzt Mourinho
Gutierrez geht bei Real ein und aus, ist regelmäßig am Trainingsgelände und berichtet, Mbappé sei ein Spieler gewesen, „der Alonso nicht hat fallen lassen. Er stand hinter ihm. Das Training hat ihm auch gefallen.“
Besagter Xabi Alonso, im Sommer von Bayer Leverkusen gekommen und als Trainer-Heilsbringer gefeiert, wurde bekanntlich schon nach rund einem halben Jahr wieder gefeuert. Auch das ist Teil dieser Chaos-Saison bei Real. Denn die Stars waren an Alonsos Aus nicht ganz unschuldig, munkelt man.
„Viele im Umfeld sagen heute: es war ein großer Fehler, Xabi Alonso zu entlassen. Man hätte ihm dieses Jahr geben müssen“, erzählt Gutierrez: „Ich glaube, dass viele Spieler ihm gegenüber nicht korrekt waren. Es gibt eine Geschichte, die zwar nicht bestätigt ist, die man sich aber erzählt: Xabi Alonso wollte vor bestimmten Auswärtsspielen einen Tag früher hinfliegen. Und darüber haben einige Spieler gemotzt und wollten das nicht. Da sieht man schon so ein wenig die Mimosen bei den Spielern.“
Für diese Art von Spielern könnte es schon bald sehr ungemütlich werden, glaubt man den Gerüchten. Denn der Name José Mourinho schwebt nun seit geraumer Zeit wieder über Real – ein autoritärer Trainer, der die aktuell völlig aus dem Ruder laufende Kabine der Königlichen wieder in den Griff bekommen könnte, meint auch der Insider: „In gewissen Bereichen ja. Vor dem haben sie Respekt. Er kommt aus der Kategorie harter Hund.“
Transfer-Knall mit Haaland im Sommer?
Eine Rückkehr von Mourinho wäre schon ein echter Hammer – nach Einschätzung von Experte Gutierrez braucht es einen solchen aber auch noch auf dem Transfermarkt.
„Es kann gut sein, dass ein ganz großer Name kommt. Real muss einen ganz großen Namen präsentieren. Bei allem Respekt: wenn du einen Álvaro Carreras bringst oder Dean Huijsen, dann sagen die Leute: „ja, ok.“ Aber du brauchst einen Namen, wo die Leute mit der Zunge schnalzen.“
Ein solcher wäre mit Sicherheit Erling Haaland von Manchester City. „Dieser Name geistert hier nicht nur durch die Medien, sondern wird auch bei den Fans diskutiert“, berichtet Gutierrez: „Das ist einer, wo die Leute sagen: DAS wäre doch einer für Real Madrid! Sie haben ja auch seit Jahren keinen Mittelstürmer. Der Name Haaland wird immer wieder thematisiert.“
Muss Valverde jetzt sogar gehen?
Auf der anderen Seite könnte es auch einen krachenden Abgang geben – dann nämlich, wenn es die Bosse nach dem Eklat zwischen Valverde und Tchouaméni nicht bei der saftigen Geldstrafe in Höhe einer halben Million Euro belassen. „Es wird auch spekuliert: Wenn beide nicht zusammen funktionieren – dann muss einer den Verein verlassen“, verrät Insider Gutierrez.
Und dann müsste Valverde gehen, ist er sich sicher. „Er ist natürlich auch ein Spieler der 100-Millionen-Riege. Da ginge eigentlich nur PSG oder einer der großen englischen Klubs. Bayern kann ich mir nicht vorstellen.“
Klar ist: Real steht nach einer chaotischen Saison auch ein wilder Transfer-Sommer ins Haus. „Alaba wird nicht verlängert, was passiert mit Rüdiger? Es sieht danach aus, dass Kapitän Carvajal nicht verlängert wird. Die Transfers, für die sie diese Saison 170 Millionen insgesamt ausgegeben haben, haben bisher nicht so funktioniert“, fasst Gutierrez zusammen und kommt auf ein weiteres Stress-Thema zu sprechen: „Bei Vini ist auch die Geschichte: In einem halben Jahr kann er verhandeln. Das ist eine Komponente, die Real Kopfzerbrechen bereitet: Warum hat er noch nicht verlängert? Worauf warten die? Was ist da los? Ein Abgang von Vinicius wäre für Real eine Katastrophe.“
Und zu guter Letzt gibt es noch eine kuriose Randnotiz, die Reals bisherige Saisonbilanz passend abrundet: Eine Nachbarschaftsvereinigung rund um das Estadio Santiago Bernabéu macht aktuell wegen der Lärmbelästigung mobil, will unter anderem verhindern, dass es in Addition zu den Real-Spielen auch noch Konzerte in der Arena gibt. Gutierrez fasst es passend so zusammen: „Es gibt bei Real Madrid so viele Baustellen, das ist Wahnsinn.“