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Ein Gigant kehrt aus der Versenkung zurück

Die Rückkehr der tief Gefallenen

Deportivo La Coruna ist zurück in LaLiga. Nach acht Jahren des Leidens ist der ehemalige Meister und Champions-League-Halbfinalist in Feierlaune.
Deportivo La Coruna kehrt in La Liga zurück. Damit dürfen sich die spanischen Fußballfans in der kommenden Saison auf ein einstiges Schwergewicht freuen.
Deportivo La Coruna ist zurück in LaLiga. Nach acht Jahren des Leidens ist der ehemalige Meister und Champions-League-Halbfinalist in Feierlaune.

Nach acht Jahren, oder auch 2.947 Tagen und 309 Liga- und Playoff-Spielen hat die Leidenszeit von Deportivo La Coruna ein Ende gefunden. Am vorletzten Spieltag der zweiten spanischen Liga feierte der einstige Gigant am Sonntag durch einen 2:0-Sieg bei Real Valladolid die vorzeitige Rückkehr in La Liga. Der insgesamt zwölfte Aufstieg der Klubhistorie stellte zugleich den Rekord von Betis Sevilla ein.

Es ist die endgültige Auferstehung eines Traditionsklubs aus der Versenkung, die selbst Real Madrid zu Glückwünschen veranlasste. Darüber hinaus titelte die Marca: „SuperDépor ist zurück – und zwar im großen Stil.“

Drei Punkte bei noch zwei verbleibenden Spielen benötigte der Klub aus der Hauptstadt der autonomen Region Galicien im Nordwesten Spaniens, um die Rückkehr perfekt zu machen. Zu einem Finale in der kommenden Woche wird es nun jedoch nicht mehr kommen. Stattdessen beobachteten in Valladolid rund mitgereiste 6.000 Fans, wie Deportivo zielstrebig den ersten Matchball verwandelte.

„Nach allem, was wir durchgemacht, gekämpft und ausgehalten haben … hat diese Mannschaft es verdient. Und der Verein ebenso, genau wie alle Fans“, meinte Verteidiger Sergio Escudero.

La Coruna an der Spitze Spaniens

La Coruna und das spanische Oberhaus? Vor allem jüngeren Fußballfans dürfte dies außergewöhnlich vorkommen. Doch in den 2000er-Jahren gehörte der Klub zu den größten des Landes.

Begonnen hatte der Aufstieg von Deportivo 1988 mit der Ankunft des damaligen Vereinsbosses Augusto Cesar Lendoiro, der aus dem verschuldeten Abstiegskandidaten in der zweiten Liga binnen weniger Jahre wieder einen Erstligisten machte.

In dieser Zeit lockte Deportivo Stars wie Rivaldo (1996-1997), den späteren Bayern-Star Roy Makaay (1999-2003), Joan Capdevilla (2000-2007) oder Filipe Luís (2006-2010) in den Nordwesten Spaniens nach Galicien.

Die große Sensation gelang La Coruna pünktlich zur Jahrtausendwende. Damals feierte man die bis heute einzige Meisterschaft in La Liga. Spätestens damit zählte Deportivo zu den treibenden Kräften des spanischen Fußballs.

In den Folgejahren setzte sich der Verein in der Spitzengruppe des spanischen Fußballs fest und sorgte auch in Europa für Aufsehen. 2004 spielte man sich bis ins Halbfinale der Champions-League. Dabei drehte man unter anderem einen 1:4-Rückstand gegen die AC Mailand.

In der Runde der letzten Vier war allerdings Schluss, reichte ein 0:1 in der Endabrechnung gegen den späteren Champion FC Porto um Trainer José Mourinho doch nicht zum Weiterkommen. Es war der bislang letzte große Erfolg, den der Verein aus der spanischen Küstenstadt verbuchen konnte.

Erst Fahrstuhlmannschaft, dann der tiefe Fall

So steil der Aufstieg von La Coruna war, so tief war später aber auch der Fall. Deportivo entwickelte sich nach und nach zu einer Fahrstuhlmannschaft. 2011 und 2014 stieg der Klub ab und in der folgenden Saison direkt wieder auf.

Diese Hoffnung dürfte sich auch im Jahr 2018 nach dem dritten Abstieg aus der Erstklassigkeit breitgemacht haben – doch es kam deutlich schlimmer. Der Verein stürzte 2020 in die dritte Liga ab und verschwand damit zunächst einmal völlig in der Versenkung. 

Besonders bitter: Seinerzeit mussten sie von der Couch aus ihren Abstieg verfolgen. La Coruna konnte das Spiel am letzten Spieltag gegen CF Fuenlabrada aufgrund von zu vielen Corona-Fällen nicht antreten und sich aufgrund der Ergebnisse der Konkurrenten rechnerisch nicht mehr retten.

In der dritten Liga gehörte Deportivo zwar stets zur Spitzengruppe, schaffte allerdings erst im vierten Jahr die Rückkehr in Liga zwei. Letztes Jahr landete der Klub dort noch auf dem 15. Platz, übertraf in dieser Saison jedoch den eigenen Zeitplan. Der eigentliche Plan besagte, spätestens nach vier Jahren in der zweiten Liga den Sprung in La Liga zu schaffen – letztlich dauerte es nur zwei Jahre.

Der Mann hinter dem Aufstieg

Die Schlüsselfigur des Erfolgs ist der spanisch-venezolanische Milliardär Juan Carlos Escotet, der seit 2024 Präsident und Mehrheitseigner von La Coruna ist.

Die AS schreibt über den Klub-Boss beispielhaft: „Der Aufstieg ist der Triumph eines neu aufgebauten Klubs, geführt von Juan Carlos Escotet, der in der Lage war, die Zahlen zu ordnen, zu investieren und das zu regenerieren, was er einst als ‚das kaputteste Unternehmen, das ich je gesehen habe‘ bezeichnete.“

Auch Marca betonte, Escotet habe dem Klub „wirtschaftliche Stärke, soziale Stabilität und vor allem Modernität verliehen“. Dies zeige sich neben dem sportlichen Erfolg auch durch eine wachsende Anzahl an Fans und Mitgliedern.

Seit seinem Amtsantritt machte Escotat keinen Hehl aus seinen Zielen und Träumen für den Verein. Öffentlich sprach er von der Rückkehr ins Oberhaus und sogar nach Europa. Bei den Fans ist er derweil auch wegen seines außergewöhnlichen Auftreten beliebt. Bei mehreren Auswärtsspielen war der Präsident mitten im Auswärtsblock statt auf der Ehrentribüne.

Der unglaubliche Rückhalt der Fans von La Coruna

Dass La Coruna während der vielen Jahre im „Fußball-Schlamm“ weiter auf seine leidensfähigen Fans zählen konnte, wird in spanischen Medien als weiterer X-Faktor für die Rückkehr ins Oberhaus genannt.

„Deportivo ist zurück dort, wo der Verein aufgrund seiner Titel und vor allem seiner goldwerten Fanbasis hingehört“, schrieb Marca. Die AS betonte zudem, dass der Wert der Fans „über Titel, Geld oder große Namen hinausgeht, denn dieser unerschütterliche Glaube war in der Primera RFEF derselbe wie jetzt beim Geschmack des Erfolgs“.

Trainer Antonio Hidalgo – er selbst wurde während der Pressekonferenz von seiner Mannschaft mit Champagner begossen – meinte nach dem Spiel am Sonntag: „Es waren harte Monate, aber auch schöne – wegen der Unterstützung der Menschen. Ich stelle mir vor, wie es in A Coruna gerade aussieht. Sie sollen uns erwarten – wir sind gleich da und feiern gemeinsam.“

Eine frenetische Party mitten in der Nacht

Trotz stürmischen Bedingungen und Regen ließen sich die Fans dazu nicht zweimal auffordern. Rund 3.000 Anhänger erwarteten die Mannschaft laut Angaben der Polizei bei ihrer Ankunft in der Hafenstadt gegen 4 Uhr in der Nacht, um gemeinsam zu feiern.

Die Party soll sich in der kommenden Saison auch in La Liga fortgesetzt werden, auch wenn die Erwartungshaltungen in den verschiedenen Generationen der Fans wohl unterschiedlich aussehen dürften.

„Die älteren Anhänger träumen von der vom Präsidenten versprochenen Rückkehr in den Europapokal, die Generation dazwischen davon, ihren Klub wieder unter den Großen Spaniens zu sehen und nicht dauerhaft gegen den Abstieg kämpfen zu müssen. Die Jüngsten hingegen wollen einfach nur wenigstens ein Jahr lang genießen – wohlwissend, dass sie zugleich die realistischsten sind“, blickte Marca voraus.

Am Sonntag geht es für La Coruna allerdings zunächst um die Meisterschaft. Dafür benötigt es aber einen eigenen Sieg, sowie einen Ausrutscher von Tabellenführer Racing Santander. Derzeit beträgt der Rückstand zwei Punkte.