Es war ein folgenschwerer Aussetzer, als Eduardo Camavinga im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Bayern zunächst Harry Kane foulte, anschließend den Ball mitnahm und sich in der Schlussphase eine Gelb-Rote-Karte abholte.
Geht Camvingas Albtraum weiter?
Geht Camavingas Albtraum weiter?
Der Franzose leitete damit nicht nur das Bayern-Comeback ein, das zum Aus von Real Madrid in der Königsklasse führte, sondern auch einen Albtraum, aus dem er bis heute nicht erwachen konnte.
Vor dem Duell mit dem FC Girona Anfang April hatte Real-Trainer Álvaro Arbeloa noch die Einsatzzeiten von Camavinga herausgestellt und betont: „Ich halte ihn für wichtig – für mich und für den Verein.“
Camavinga bei Real verdrängt und ausgepfiffen
Bis heute war die Partie gegen den abstiegsbedrohten Klub aus La Liga jedoch die letzte, bei der Camavinga in der Startelf stehen sollte. Es folgten der Tiefschlag nach Einwechslung gegen den FC Bayern und drei weitere Kurzeinsätze in der Liga. Seinen Stammplatz verlor er unter anderem an den erst 18 Jahre alten Thiago Pitarch.
Inzwischen scheint der Druck auf den Mittelfeldspieler bei Real ins Unermessliche zu steigen. Beim 2:1-Sieg gegen Deportivo Alavés – das erste Spiel nach dem Bayern-Drama – wurde Camavinga 27 Minuten vor Schluss eingewechselt und von den eigenen Fans im Bernabéu gnadenlos empfangen.
Bei seiner Einwechslung und weiteren Ballaktionen wurde Camavinga hörbar ausgepfiffen. Doch nach dem Abpfiff versteckte er sich nicht, ging eine Runde durch das Stadion und schien sich erneut bei den Fans zu entschuldigen.
„Du musst viel Persönlichkeit haben: Was Camavinga am Schluss mit den Fans gemacht hat, ist herausragend“, lobte die spanische Zeitung As. Doch die Anfeindungen im Netz blieben vor und nach der Partie groß. Zahlreiche Anhänger forderten bereits einen Verkauf des französischen Nationalspielers, der noch bis 2029 unter Vertrag steht.
WM-Aus? Camavingas Albtraum droht sich fortzusetzen
„Drama um Camavinga“, betitelte die As inzwischen die aktuelle Situation und schrieb: „Er ist sich des Klimas aus Enttäuschung und Ernüchterung bewusst, das ihn umgibt, ebenso wie der Tatsache, dass dies leistungsmäßig die schwächste Saison seiner Karriere war.“
Mit 40 Einsätzen und 2.019 Spielminuten gehört Camavinga zwar weiterhin zu den meisteingesetzten Spielern der Madrilenen. Das Vertrauen konnte er jedoch nur noch selten zurückzahlen.
„Der Druck hat seinen Tribut gefordert. Sein Spiel, einst souverän und brillant, ist unpräzise geworden. Fehler im Passspiel, Unsicherheiten bei der Entscheidungsfindung und ein ständiges Gefühl der Unsicherheit haben ihn zu einem Schatten des Spielers gemacht, der er einst war“, schrieb die spanische Marca und bezeichnete den Platzverweis gegen den FC Bayern als „Höhepunkt einer negativen Dynamik, die sich schon seit Monaten hinzieht“.
Auch in der Nationalmannschaft war der 2002 in einem angolanischen Flüchtlingslager geborene Camavinga zuletzt eher außen vor. Während der Länderspielpause im März bleib er gegen Brasilien ohne Einsatz und konnte auch nach einer Einwechslung gegen Kolumbien nicht überzeugen.
Laut dem französischen Fußballprogramm Téléfoot ist eine Nominierung für die WM 2026 derzeit alles andere als sicher. Dem Bericht nach plant Didier Deschamps fünf Mittelfeldspieler mit in die USA, Mexiko und Kanada zu nehmen. Mit Aurélien Tchouaméni, Warren Zaire-Emery, Adrien Rabiot, Manu Koné und N’Golo Kanté sollen aber eben auch mindestens fünf Spieler vor Camavinga stehen.
„Seine Formkurve der letzten Monate spricht gegen ihn. Verletzungen und wenig Einsatzzeit unter Trainer Arbeloa haben ihn im Rennen um einen Platz im Aufgebot für die USA zurückgeworfen. Selbst eine mögliche Kadererweiterung auf 26 Spieler garantiert ihm keinen Platz“, schrieb auch die As.
Weiter verwies man in Spanien darauf, dass Deschamps seit längerer Zeit kein großer Unterstützer von Camavinga sei. Bei der EM 2024 stand der Real-Star nur einmal in der Startelf und war auch bei der WM 2022 überwiegend als Linksverteidiger eingesetzt worden. Dort waren zuletzt jedoch Theo Hernández und Lucas Digne gesetzt.
Camavinga will sich durchbeißen
In den letzten vier Saisonspielen steht Camavinga nun gehörig unter Druck und muss sich sowohl für die Nationalmannschaft als auch auf Klubebene beweisen. Nach der Verletzung von Arda Güler fehlt Real dann eine weitere Option im Mittelfeld, was Camavinga wieder mehr Spielzeit verschaffen könnte.
Obwohl sich die Abgangsgerüchte hartnäckig halten und zahlreiche Interessenten bereitstehen sollen, will sich Camavinga offenbar aber über den Sommer hinaus bei Real zurückkämpfen. „Trotz Wechselgerüchten ist für ihn klar: Er will bleiben – und zwar, indem er überzeugt“, schrieb die As.
Rückhalt genießt Camavinga dabei offenbar immer noch in der Kabine. Bei Canal+ blickte er zuletzt auf eine besondere Geste von Superstar Kylian Mbappé nach dem Patzer in der Champions League zurück.
Mbappé? „Das hat ihn berührt“
„Er kam morgens zu mir und umarmte mich ganz fest“, sagte Camavinga und führte aus: „Er ist eigentlich keiner, der viele Umarmungen verteilt – auch wenn wir uns in Frankreich schon öfter umarmen. Aber das war eine Umarmung, bei der man gemerkt hat, dass er versteht, was ich durchmache, dass er Mitgefühl hat. Ich glaube, das hat ihn berührt.“
Ob diese Unterstützung jedoch ausreicht, um auch die Verantwortlichen von einem Verbleib zu überzeugen, bleibt fraglich. „Er weiß, dass sein Name auf dem Transfermarkt ist und dass die Chancen bei einem Verein wie Real Madrid nicht unbegrenzt sind“, schrieb die Marca.
Im nächsten Spiel könnte Camavinga direkt auf größtmöglicher Bühne zurückschlagen. Am Sonntag (21 Uhr) empfängt der FC Barcelona Real zum „Clásico“. Für die Königlichen geht es neben ganz viel Prestige dann auch um eine minimale Restchance im Kampf um die Meisterschaft.