An den Fans soll es nicht gelegen haben. Frenetisch empfingen die Anhänger des FC Girona den Mannschaftsbus vor dem Estadi Municipal de Montilivi. Wenige Stunden später stand Fans wie Spielern endlose Leere ins Gesicht geschrieben.
La Liga: Ein "vergiftetes Bonbon" bringt sie endgültig zur Strecke
Das unsanfte Ende eines Höhenflugs
Nach einem 1:1 im letzten Spiel der Saison gegen Elche ist der FC Girona am Samstag aus der ersten spanischen Liga abgestiegen. Nachdem der Verein letztes Jahr noch in der Champions League gestartet war, endet mit dem Abstieg vorerst eine wilde Reise in der zweiten Liga.
Elche bleibt der Angstgegner des FC Girona
In einem eng gedrängten Tabellenkeller sind die Katalanen damit der unglückliche Verlierer. Ein Punkt fehlte zum rettenden Ufer. Zwei Punkte lagen am Ende zwischen Platz 13 und 19. Mit einem Sieg wäre Girona gerettet gewesen.
So richtig nah war man dem Sieg gegen Elche aber nie. Sinnbildlich für eine schwache Saison: Erst in der Nachspielzeit der ersten Hälfte gelang den Katalanen der erste Torschuss. Die Mannschaft um Thomas Lemar (vormals Atlético Madrid), Axel Witsel (u.a. BVB), Donny van de Beek (u.a. Manchester United, Eintracht Frankfurt) und den verletzten Marc-André ter Stegen (vom FC Barcelona ausgeliehen) steuerte im Alles-oder-Nichts-Spiel deutlich auf das Nichts zu.
Kurz nach Wiederanpfiff gelang dem Spanier Arnau zwar noch der Ausgleich für Girona, mehr Zählbares sollte aber nicht folgen. Lemar ließ nach seiner Einwechslung (76. Minute) kurz die individuelle Klasse der prominent besetzten Truppe aufblitzen. Nach schöner Kombination jagte der Franzose den Ball aus 17 Metern aber nur an die Latte. Letztes Aufbegehren war ein harmloser Abschluss von Ex-Leverkusen-Leihgabe Claudio Echeverri in der achten Minute der Nachspielzeit.
Im eigenen Stadion musste Girona zusehen, wie Elche ausgelassen den Klassenerhalt feierte. „Wieder einmal die gleiche traurige Geschichte für Girona“, titelte die spanische Marca. Wieder einmal Elche. 2019/20 spielten beide Mannschaften noch in der zweiten Liga um den Aufstieg. Im entscheidenden Playoff Spiel setzte sich Elche damals 1:0 durch. Auch damals schon im Estadi Montilivi.
Also Girona noch in die Champions League stürmte
Zwei Jahre später gelang Girona der Aufstieg dann doch. In der ersten Saison landete man als Neuling auf einem respektablen zehnten Platz in La Liga. Im Jahr darauf sollten die Gironistes die spanische Liga gehörig aufmischen und sich einen Namen in Europa machen. Eine Fabelsaison endete auf dem dritten Platz und damit in der Champions League.
Gewissermaßen war die Qualifikation für die Königsklasse aber der Anfang vom Ende. Die Marca nannte es ein „vergiftetes Bonbon.“ Mit drei Punkten schied man in der Gruppenphase aus und verlor auch in der spanischen Liga den Anschluss. Platz 16 reichte vergangenes Jahr noch für die Rettung. Am Samstag hatte das „vergiftete Bonbon“ dann aber seine vollständige Wirkung erfüllt.
Bitteres Kapitel für ter Stegen
Eine Art letzter Strohhalm war im Winter die Verpflichtung von ter Stegen. Die etatmäßige deutsche Nummer eins hatte beim FC Barcelona keine Perspektive mehr und wollte sich durch die Leihe bei Girona in WM-Form bringen. Der Plan ist bekanntermaßen durch eine Oberschenkelverletzung nach zwei Einsätzen tragisch beendet worden.
Mit in die zweite Liga wird der ehemalige Barca-Kapitän wohl nicht gehen. Im Sommer wird ter Stegen zu seinem Stammverein zurückkehren, auch wenn dieser keine Verwendung mehr für ihn hat. Die Mundo Deportivo bezeichnete ihn zuletzt als „heiße Kartoffel“, die man schnell loswerden wolle.
Guardiola mischt mit
Vorstandsvorsitzender des FC Girona ist mit Pere Guardiola, dem Bruder von Manchester City-Trainer Pep Guardiola kein Unbekannter. Er hält Anteile an der Girona Football Group, der der Klub zu Teilen gehört. Zu weiteren Teilen ist der Klub in den Händen der City Football Group. Diese ist unter anderem auch Eigentümerin von Manchester City und ihrerseits in den Händen der saudischen Königsfamilie.
Pere Guardiola unterhält außerdem gute Kontakte zur Berater-Agentur „Sports Entertainment Group“. Diese Dreiecks-Beziehung mit Beratern und City brachte in der Vergangenheit einige Transfers zwischen den Vereinen zustande. So zum Beispiel der Leverkusener Aleix Garcia, der einst aus Manchester nach Girona kam. Eric Garcia fand per Leihe aus Barcelona seinen Weg nach Girona und hat ebenfalls City-Vergangenheit. Auch der heutige Dortmunder Yan Couto kam einst aus England nach Katalonien.
Gelingt der Wiederaufstieg?
Absehbar sind die Folgen des Abstiegs noch nicht. Finanziell wird man aber Abstriche machen müssen. In der ersten Liga liegen die TV-Einnahmen bei durchschnittlich 55 Millionen Euro pro Verein. In der zweiten Liga sind es durchschnittlich sechs Millionen. Wie sich der sportliche Absturz auf das Engagement der Investoren auswirkt, bleibt abzuwarten.
Auch Trainer Michel, der seit nunmehr fünf Jahren im Amt ist, ließ seine Zukunft offen: „Ich weiß nicht, ich muss mit dem Verein reden. Ich fühle mich sehr verantwortlich für das, was passiert ist“, sagte er gegenüber DAZN.
Unter anderem soll Ajax Amsterdam an dem 50-jährigen Spanier interessiert sein.