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Denkwürdiger Auftritt: Real-PK eskaliert komplett!

65 Minuten! Real-PK eskaliert komplett

Florentino Pérez ruft kurzfristig eine Pressekonferenz ein. Der Präsident von Real Madrid kündigt zunächst Neuwahlen an - und teilt danach auf eine denkwürdige Art und Weise gegen die spanischen Medien aus.
Real-Präsident Florentino Pérez hat Vorstandswahlen angekündigt und einen Rücktritt klar ausgeschlossen. Er begründete den Schritt mit anhaltenden Angriffen gegen seine Person und die Interessen der Königlichen.
Florentino Pérez ruft kurzfristig eine Pressekonferenz ein. Der Präsident von Real Madrid kündigt zunächst Neuwahlen an - und teilt danach auf eine denkwürdige Art und Weise gegen die spanischen Medien aus.

Paukenschlag bei Real Madrid! Präsident Florentino Pérez hat am Dienstagabend auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz mitgeteilt, dass es Neuwahlen um seinen Posten geben soll. Im Anschluss lief die 65-minütige PK komplett aus dem Ruder und Pérez griff die spanische Presse an.

„Ich bedauere, Ihnen mitteilen zu müssen, dass ich nicht zurücktreten werde“, sagte er zum Einstieg. Sein Verein befindet sich in einer tiefen sportlichen Krise, aber darum sollte es nicht gehen.

„Bei Real Madrid gibt es keinen einzigen Eigentümer, sondern die 1.000 Mitglieder, die den Verein bilden. Ich habe diese Entscheidung getroffen, weil eine absurde Situation entstanden ist, die durch Kampagnen gegen die Interessen von Real Madrid und gegen mich ausgelöst wurde“, erklärte der 79-Jährige und holte zum Rundumschlag aus.

Pérez dementiert schlimme Krankheit

„Die Ergebnisse waren nicht die besten, aber im Sport gewinnt man nicht immer. Sie (Die Presse, Anm. d. Red.) nutzen die Situation aus, um mich persönlich anzugreifen. Sie fragen: ‚Wo ist Florentino?‘, obwohl ich mich normalerweise nicht äußere.“

Pérez schilderte weiter: „Manche haben mir gesagt, ich hätte Krebs im Endstadium… Ich nutze diese Gelegenheit, um den Menschen, die sich Sorgen um mich gemacht haben, mitzuteilen, dass ich weiterhin Präsident von Real Madrid und meiner Firma bin und dass meine Gesundheit ausgezeichnet ist.“

Real-Präsident greift Presse an

Er betonte, dass er diese Doppelrolle nicht ausfüllen könnte, wenn es ihm schlecht gehen würde. Pérez stellte klar: „Wenn ich Krebs hätte, wie behauptet wurde, müsste ich in ein Krebszentrum gehen. Wenn ich dorthin gegangen wäre, wäre das dann nicht überall in der Welt bekannt geworden?“

Danach schaute der 79-Jährige auf sein Handy und griff einen Journalisten namentlich an: „ABC, eine Zeitung, die mich sehr mag: ‚Vor der Vorstandssitzung sagt Florentino: ‚Ich bin sehr müde.‘“

Weiter: „Aber glauben Sie etwa, dass ich das sage, bevor ich reingehe? David Sánchez de Castro, sind Sie hier? Ich möchte Sie begrüßen und fragen, warum Sie so etwas veröffentlichen. Ich stehe morgens früh auf und gehe als Letzter ins Bett, ich arbeite wie ein Tier.“

Anschließend kam es zu einer erhitzten Diskussion mit anwesenden Reportern.

Pérez wettert gegen Kampagne

Weiter führte der Real-Präsident aus: „Ich teile die Enttäuschung, denn in diesem Jahr konnten wir nichts gewinnen. Aber ich muss euch sagen und euch beweisen, dass wir unter meiner Präsidentschaft 66 Titel im Fußball und Basketball gewonnen haben, darunter sieben Fußball-Europapokale.“

Pérez wollte sich mit der Pressekonferenz an seine Kritiker wenden, denen er eine „Kampagne“ vorwarf, und rief dabei die Journalisten auch dazu auf, ebenfalls zu kandidieren.

„Es ist mir peinlich zu sagen, dass ich zum besten Präsidenten aller Zeiten gewählt wurde. Es gibt ein paar Jungs, die sich zur Wahl stellen wollen – dann sollen sie es doch tun.“

„Ich muss das öffentlich klarstellen“

„Ich habe mich bei Real Madrid zur Wahl gestellt, damit die Mitglieder das Sagen haben. Die Journalisten glauben, sie könnten etwas behaupten, und die Leute glauben ihnen – aber die Leute glauben mir. Manche Journalisten glauben, sie hätten Einfluss auf die Vereinswahlen, weil sie so wichtig sind. Erinnert ihr euch an José María García? Mit ihm habe ich angefangen. Hier bei Real Madrid haben die Mitglieder das Sagen, solange ich da bin. Wer kandidieren will, soll kandidieren“, meinte Pérez.

Er fügte hinzu: „Aber man soll nicht hinter meinem Rücken sagen, ich sähe müde aus, was wohl daran liegt, dass ich viel arbeite. Ich muss das öffentlich klarstellen, ich kann nicht zulassen, dass sich Leute in den Medien an die Macht gedrängt haben. Vor weniger als zwei Jahren habe ich eine Liga und eine Champions League gewonnen, und jetzt ist Madrid am Boden und im Chaos… aber wie soll das Chaos aussehen?“

Keine Antwort auf Mourinho-Frage

Sportliche Fragen, wie zur angeblich bevorstehenden Rückkehr von Trainer José Mourinho, wollte er nicht beantworten, weshalb er nochmals betonte: „Ich muss dieser absurden Kampagne gegen Real Madrid ein Ende setzen. Es hat noch nie ein glorreicheres Real Madrid gegeben. Man hat mich zum besten Präsidenten in der Geschichte des Vereins und aller Vereine gewählt. Ich werde mich verteidigen, nicht um meinetwillen, sondern um der Institution willen. Aber wir sprechen heute nicht über Fußball, denn es gibt ein dringendes Thema, um das ich mich kümmern muss.“

Danach ließ er sich dennoch dazu hinreißen, etwas zur schlechten Saison zu sagen: „Ich habe in einem Jahr drei Trainer entlassen, und das ist nicht das erste Mal, dass so etwas passiert. Und es ist auch nicht das erste Mal, dass sich zwei Spieler prügeln (Valverde und Tchouaméni, Anm. d. Red.) – das passiert jede Saison, weil sie sich gegenseitig provozieren. Hier ist es nur so, dass es zum ersten Mal jemand erzählt hat, und wir wissen, wer es erzählt hat.“

Pérez holte im Anschluss bezüglich des Eklats zwischen Federico Valverde und Aurélien Tchouaméni noch einmal extra aus und bezeichnete die Auseinandersetzung als „sehr schlimm“, doch er empfand es als „noch schlimmer“, dass dies an die Öffentlichkeit geraten ist: „Ich finde es sehr schlimm, dass so etwas aus dem Klub nach außen dringt. Für mich ist der Leak schlimmer, weil es bedeutet, dass mehr dahintersteckt. Ich glaube, dass ich das in meinen 26 Jahren als Präsident noch nie erlebt habe.“

Persönliche Auseinandersetzung mit einem Journalisten

Pérez wurde dazu befragt, warum er jetzt zu diesem Rundumschlag aushole und er antwortete: „Das ist eine Intrige der schlechten Journalisten gegen Real Madrid. Ich muss Real Madrid verteidigen. Wir werden Neuwahlen einberufen, die in ein paar Tagen stattfinden werden. Ich möchte, dass all diejenigen antreten, die erst damit drohen und dann doch nicht antreten.“

Kurz danach kam es zu einer Auseinandersetzung mit dem ABC-Journalisten Rubén Canizares und Pérez sagte: „Ihr legt euch jeden Tag mit Madrid an. Schau dir mal an, welche zwei Artikel sie heute schreiben. Einer davon stammt von einer Frau, von der ich nicht weiß, ob sie überhaupt etwas von Fußball versteht.“

Canizares konterte prompt: „Ich mache Journalismus, ich greife Madrid nicht an. Du greifst meine Arbeit an.“

Nach den rund 65 Minuten war die Pressekonferenz dann vorbei und Pérez beendete sie mit den Worten: „Es macht mir nichts aus, diesen Austausch noch einmal zu führen. Die Feinde von Real Madrid werden in den Medien an den Pranger gestellt. Wenn wir schlecht spielen, sollen sie sagen, dass wir schlecht spielen. Aber Florentino wird nicht gehen, solange die Mitglieder das wollen. Wer kandidieren will, soll kandidieren und sagen, dass er es besser machen wird. So habe ich es vor dem Jahr 2000 gemacht, als noch Tote gewählt haben. Sollen wir zu dieser Zeit zurückkehren? Nein. Wir arbeiten daran, dass der Fußball und Real Madrid besser werden, und wir werden viel erreichen.“

Real-Sprecher wollte Pressekonferenz beenden

Mittendrin wollte der Pressesprecher des Klubs schon die Konferenz beenden, doch Pérez stemmte sich dagegen und meinte, dass er nichts weiter vor habe und die Journalisten solange Fragen stellen könnte, bis alles beantwortet wäre.

Weitere Themen bei dem denkwürdigen Auftritt waren die implodierte Super League und die Verhandlungen um den „Negreira“-Vorfall, bei dem es um Korruption im spanischen Schiedsrichterwesen geht.

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