Für die Spekulationen um Harry Kane und den FC Barcelona hatte Bayern-Patron Uli Hoeneß zuletzt am Rande des DFB-Pokalfinales nur ein müdes Lächeln übrig. „Außerdem hat ja Barcelona gar kein Geld“, stichelte Hoeneß in der ARD.
Transferoffensive trotz Schulden: Wie kann sich Barca das leisten?
Wie kann sich Barca das leisten?
Die jüngsten Entwicklungen auf dem Transfermarkt suggerieren indes: Offenbar verfügen die Katalanen in diesem Sommer doch noch über genügend finanzielle Mittel, um auf große Shoppingtour zu gehen.
Transfers: Anthony Gordon und Júlian Álvarez bei Barca im Gespräch
Auch wenn Kane eher ein Wahlkampfthema im Werben ums Präsidentenamt bei Barca gewesen sein dürfte, so soll der von Hansi Flick trainierte spanische Meister ganz konkret zwei Hochkaräter im Fokus haben.
Zunächst hat Barca die Bayern im Poker um Anthony Gordon ausgestochen. Dann berichteten spanische Medien am Donnerstag auch noch davon, dass Julián Álvarez von Ligarivale Atlético Madrid kommen soll.
Die Reaktion der Rojiblancos ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Die AS zitierte eine Klubquelle, die die Katalanen scharf attackierte. Barca agiere in der Causa „wie ein kleiner Verein“, ein Verkauf von Álvarez wurde zudem ausgeschlossen.
FC Barcelona trotz 469 Millionen Euro Schulden auf Shoppingtour
Ungeachtet des drohenden Transfer-Zoffs sorgen die kursierenden Zahlen für Aufsehen. Während für Gordon von einem Gesamtpaket in Höhe von 80 Millionen Euro die Rede ist, soll Atlético für Álvarez laut AS 150 Millionen Euro fordern. Was die Frage aufwirft: Wie geht das angesichts eines Schuldenbergs beim FC Barcelona in Höhe von 469 Millionen Euro?
Ein zentraler Aspekt ermöglicht dem Klub dabei mehr Handlungsspielraum: Der Journalist Guillem Balague schrieb beim Kurznachrichtendienst X unter Berufung auf Quellen aus dem Verein, dass Barca wieder im Rahmen der 1:1-Regel agieren kann und damit die Vorgaben des Financial Fairplay der spanischen Liga erfüllt. Diese Regel schreibt vor, dass ein Klub nur so viel Geld für neue Spieler oder Gehälter ausgeben darf, wie er zuvor eingenommen hat.
Zuletzt wurde vor allem die Registrierung neuer Spieler zu einem Problem, die Saga um den Ex-Leipziger Dani Olmo ist noch in bester Erinnerung. Nun eröffnet der Abgang von Topverdiener Robert Lewandowski auch wieder finanziellen Spielraum. Laut Balague sei „Geld für zwei oder drei große Transfers“ vorhanden.
„Genialer Schachzug“ bei Gordon-Deal?
Und bei Gordon versucht Barca angeblich, das Gesamtvolumen noch entscheidend zu drücken, indem die Transferrechte an Abde Ezzalzouli und Jan Virgili in den Deal einfließen sollen.
Der Marokkaner Ezzalzouli wechselte 2023 für 7,5 Millionen Euro von Barcelona zu Real Betis, die Katalanen behielten aber 20 Prozent der Transferrechte. Nun könnte der Offensivspieler im Falle eines Gordon-Wechsels den Engländer bei Newcastle United ersetzen.
Der in La Masia ausgebildete Virgili wechselte im vergangenen Sommer für 3,5 Millionen Euro zu RCD Mallorca, Barca behielt 40 Prozent der Transferrechte. Sein Weg könnte nun vom Absteiger zu Betis führen, um dort Ezzalzouli zu beerben. „Ein genialer Schachzug für Barca“, urteilte Mundo Deportivo.
FC Barcelona: Salary Cap wurde zuletzt angehoben
Der FC Barcelona hat in der Vergangenheit viele Hebel in Bewegung gesetzt, um seine Situation zu verbessern. Schon im März gab es positive Signale von LaLiga. Da wurde der Salary Cap von zuvor rund 351 Millionen Euro auf fast 433 Millionen angehoben.
Möglich machte dies auch die Verlängerung des Sponsorendeals mit Spotify, der auch die Namensrechte am umgebauten Camp Nou beinhaltet.
Zudem berichtete die Mundo Deportivo zuletzt, dass der Klub in den nächsten Monaten mit einer erweiterten Kapazität des Camp Nou rechnet. Der Verkauf der VIP-Logen wird darüber hinaus auf 70 Millionen Euro beziffert und trägt zur Verbesserung der finanziellen Situation bei.
Barcas Finanztricks – auch auf Kosten der Frauen
Schon in der Vergangenheit bediente sich der FC Barcelona diverser Winkelzüge, um an frisches Geld zu kommen. 2022 verkaufte man beispielsweise zehn Prozent der TV-Rechte für 207,5 Millionen Euro an das US-amerikanische Investmentunternehmen Sixth Street.
Bei den Ablöse- und Gehaltszahlungen greifen die Katalanen oftmals auf Ratenzahlungen zurück. Im vergangenen Jahr berichtete der kicker, dass erst im Juni die letzte Rate für Lionel Messis Gehalt bezahlt wurde, obwohl der Argentinier bekanntlich schon seit 2021 nicht mehr für die Blaugrana spielt.
Und so bitter es klingt: Barcas aktuelle Shoppingtour geht letztlich auch auf Kosten der Frauen. Denn die Vorgaben des Ligaverbands betreffen alle Bereiche des Klubs. Und so ist der soeben verkündete Abschied der zweimaligen Weltfußballerin Alexia Putellas auch in Teilen dem Sparzwang bei der Frauenmannschaft geschuldet.
Ob die Rechnung für den FC Barcelona auch wirklich aufgeht, wird sich spätestens bei der Registrierung der neuen Spieler vor dem Saisonstart zeigen.