Es war ein äußerst turbulenter Dienstag im spanischen Spitzenfußball und insbesondere bei Real Madrid. Nachdem zunächst die Weichen für Star-Trainer José Mourinho gestellt wurden, erfüllte der frisch wiedergewählte Präsident Florentino Pérez auch gleich noch ein zweites Versprechen – oder etwa doch nicht so wirklich?
Verfolgt Real bei Álvarez einen Mega-Plan?
Torpediert sich Real damit nur selbst?
Lauthals hatte Pérez angekündigt, ein 150-Millionen-Euro-Angebot für einen Spieler von Weltformat abzugeben. Daraufhin wurde tagelang spekuliert, um welchen Star es sich dabei handeln soll. Auch Bayern-Star Michael Olise rückte in den Fokus.
Am Abend wurde dann offiziell: Es handelt sich um den Argentinier Julián Álvarez, der ausgerechnet bei Stadtrivale Atlético spielt.
In einem Statement von Real hieß es jedoch schnell: „Nach eingehender Prüfung und Bewertung dankte Atlético de Madrid dem Verein für das Angebot, das im Rahmen der guten Beziehungen zwischen beiden Vereinen unterbreitet wurde, und lehnte es unter Verweis auf die Ausstiegsklausel des Spielers ab.“ Diese soll bei utopischen 500 Millionen Euro liegen.
Perfider Real-Plan hinter Angebot für Álvarez?
Ein schwerer Rückschlag für den kriselnden Rekordmeister? Nicht unbedingt, in spanischen Medien wird derweil sogar spekuliert, es könne sich um einen intelligenten Schachzug von Präsident Pérez handeln.
Demnach habe Real nie wirklich daran geglaubt, Álvarez zu verpflichten zu können. Stattdessen wollte man vielmehr dem großen Rivalen aus Barcelona in die Quere kommen. Die Katalanen suchen intensiv nach einem Nachfolger von Robert Lewandowski und gaben wenige Wochen zuvor ein Angebot von rund 100 Millionen Euro für Álvarez ab.
Dass Real Madrid jetzt in den Poker um den argentinischen Stürmer einsteigt, könnte demnach vor allem einem Zweck dienen: Atlético soll gedrängt werden, kein Angebot unter 150 Millionen Euro zu akzeptieren, andernfalls wäre dies für die Vereinsführung nur schwer zu erklären.
Die Katalanen, die in der Vergangenheit immer wieder mit Finanzproblemen zu kämpfen hatten, müssten sich somit womöglich nach Alternativen umschauen.
Barca „zuckt nicht einmal mit der Wimper“
Die große Unruhe soll bei Barca aber nicht ausgebrochen sein. „Barca zuckt nicht einmal mit der Wimper“, schrieb unter anderem die in Barcelona ansässige Zeitung Mundo Deportivo.
Dem Bericht zufolge haben die Verantwortlichen bereits seit Tagen das Gefühl gehabt, dass Pérez ein Angebot für Álvarez abgeben könnte. Dennoch werde man sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Darüber hinaus erwarte man, dass der Spieler in Zukunft selbst eine Erklärung zu seinen Plänen abgeben müsse.
Bis jetzt betonte Atlético stets, Álvarez habe den Verantwortlichen nie mitgeteilt, den Klub verlassen zu wollen. Die As verweist aber unter anderem auf ein Interview mit der L’Équipe, in dem der Stürmer seine Zukunft offen ließ und erklärte: „Es wird viel über mich und Barcelona gesprochen. Im Moment konzentriere ich mich auf Atlético. Am Ende der Saison werden wir sehen, was passiert.“
Wird das Angebot für Real zum Eigentor?
Madrids Pläne, einen möglichen Transfer zu Barcelona zu torpedieren, könnte sich hingegen auch zu einem Eigentor entwickeln.
Die Zeitung Sport verwies unter anderem darauf, dass Real durch die öffentliche Ankündigung des Mega-Angebots der ganzen Welt ihre Finanzkraft unter die Nase rieb. Bei weiteren Transfers in diesem Sommer müsse sich der Klub entsprechend darauf einstellen, dass andere Klubs deswegen mehr Ablöse verlangen.
Darüber hinaus erschweren die Pläne möglicherweise die Verhandlungen mit Star-Spieler Vinícius Júnior. Der Brasilianer steht nur noch bis 2027 bei den Königlichen unter Vertrag. Die Gespräche um eine Vertragsverlängerung gestalteten sich laut übereinstimmenden Medienberichten zuletzt aber zäh.
Obwohl die As davon berichtet, dass sich Vinícius entschieden habe, auch in der kommenden Saison für Real zu spielen, droht ohne Verlängerung ein ablösefreier Abgang am Ende der Serie. „Real Madrid ist nicht bereit, die Forderungen eines seiner vermeintlichen Stars zu erfüllen, kann aber gleichzeitig 150 Millionen Euro für einen anderen Stürmer bieten“, stellte Sport heraus.
Alles in allem zeigt der Fall Julián Álvarez, wie vielschichtig und strategisch aufgeladen dieses Transfer-Schachspiel inzwischen ist. Ob Spieler oder Klub – zahlreiche Parteien verfolgen Interessen, in deren Zentrum ein Poker steht, dessen Dynamik längst über den reinen sportlichen Wert hinausgeht.