„Ein monumentaler Fehler“

Kepa Arrizabalaga knüpft an seine unglücklichen Auftritte im Finale des englischen Ligapokals an. Arsenal-Trainer Mikel Arteta gerät ins Kreuzfeuer der Kritik.
Der FC Arsenal unterliegt im Finale des englischen League Cups Manchester City mit 2:0. Trainer Mikel Arteta setzte auf Ersatzkeeper Kepa Arrizabalaga, der mit einem Patzer den Weg zum Sieg für Manchester City ebnete. Nach der Partie verteidigte Arteta seine Entscheidung.
Kepa Arrizabalaga knüpft an seine unglücklichen Auftritte im Finale des englischen Ligapokals an. Arsenal-Trainer Mikel Arteta gerät ins Kreuzfeuer der Kritik.

Es gibt Spieler, die wachsen in großen Spielen über sich hinaus und avancieren plötzlich zum entscheidenden Triumphfaktor. Und es gibt Spieler, die in großen Spielen nur noch ein Schatten ihrer selbst sind. In die zweite Kategorie kann auch Torhüter Kepa Arrizabalaga eingeordnet werden – zumindest, wenn man seine Geschichte im englischen League Cup betrachtet.

Der Schlussmann des FC Arsenal erwies sich am Sonntag bei der 0:2-Niederlage im Finale gegen Manchester City einmal mehr als tragische Figur, als er entscheidend patzte. Nicht nur seine Leistung wurde daraufhin kritisiert, auch Trainer Mikel Arteta rückte in den Fokus.

Doch der Reihe nach: Wie bei Arsenal in dieser Spielzeit üblich ist, begann im League Cup Kepa zwischen den Pfosten – und nicht die etatmäßige Nummer eins David Raya, die eine herausragende Saison spielt.

Arsenal: Kepas Patzer läutet Citys Final-Triumph ein

Nach einer chancenarmen ersten Halbzeit geschah in der 60. Minute dann das folgenreiche Malheur. Eine Flanke von Rayan Cherki segelte auf Kepa zu, doch statt den Ball sicher zu greifen, ließ dieser das Spielgerät durch die Hände rutschen – direkt vor Nico O’Reilly. Der City-Profi ließ sich nicht zweimal bitten und köpfte prompt zur Führung für das Team von Pep Guardiola ein.

„Das war ein wirklich schlimmer Fehler des Torhüters, ein echter Patzer in einem entscheidenden Moment“, hielt Co-Kommentator Gary Neville bei Sky Sports fest.

Auch abseits des Patzers war die Legende von Manchester United mit Kepas Auftritt unzufrieden. Das Verhalten des Keepers, der den Ball ein ums andere Mal unter seinem Fuß hin und her rollte und somit das Aufbauspiel der Gunners verlangsamte, bezeichnete Neville als „Unsinn“.

Artetas Entscheidung wird kritisiert: „Monumentaler Fehler“

Der 51-Jährige führte Arsenals Einbruch gegen Manchester City, das nur vier Minuten nach dem Führungstreffer das nächste Tor nachlegte, direkt auf Kepa zurück. Andere sahen die Schuld jedoch vor allem bei Coach Arteta.

„Ich weiß, die Leute werden sagen, es sei Sentimentalität, weil er in den vorherigen Runden gespielt hat. Aber Kepa ist nicht so gut wie Raya, deshalb ist er die Nummer zwei“, betonte der frühere Liverpool-Star Jamie Redknapp mit Blick auf die Entscheidung des Spaniers, nicht Raya starten zu lassen.

Und weiter: „Warum also entscheidest du dich in einem großen Finale, wenn du versuchst, den Titel zu holen, und schon so lange keinen Pokal mehr gewonnen hast, ihn aufzustellen?“ An Arteta gewandt erklärte Redknapp: „Dafür musst du die Verantwortung übernehmen – das ist ein monumentaler Fehler.“ Die Aktion sei „gewaltig nach hinten losgegangen“.

„Wir sprechen wohl über Arsenals besten Spieler dieser Saison“

Arsenal-Ikone Ian Wright stimmte zu: „Das Risiko hat sich nicht ausgezahlt. Es war die Art des Fehlers, die einen denken lässt: ‚Das ist ein Nummer-zwei-Torwart.‘ So etwas würde man bei einem Nummer-eins-Torwart nicht sehen, und es ist bedauerlich, weil es der Wendepunkt war.“

Auch Jamie Carragher konnte Artetas Torhüter-Wahl nicht nachvollziehen. „David Raya ist nicht nur der Stammtorwart, wir sprechen wohl über Arsenals besten Spieler dieser Saison. Es geht also nicht nur darum, die Nummer eins gegen die Nummer zwei auszutauschen, sondern einen deiner besten Spieler“, meinte der langjährige Innenverteidiger.

Bezüglich Kepa fügte er an: „Er wurde als Nummer zwei verpflichtet und ist auf höchstem Niveau nicht gut genug – das haben wir bei Chelsea gesehen.“ Damit sprach Carragher Kepas unglückliche Auftritte in der Vergangenheit bei seinen Finalspielen mit dem FC Chelsea an.

Kepas Final-Misere setzt sich fort

2019 wollte Chelsea-Trainer Maurizio Sarri den Spanier im League-Cup-Endspiel gegen Manchester City am Ende der Verlängerung auswechseln, doch Kepa weigerte sich. Letztendlich verloren die Blues mit ihm im Kasten das Elfmeterschießen.

2022 wurde Kepa im Finale gegen Liverpool extra vor dem Elfmeterschießen eingewechselt, konnte aber keinen Elfmeter der Reds halten und schoss dann selbst den entscheidenden Versuch über die Latte.

Carragher stellte nun klar: „Mikel Arteta schuldet Kepa nichts. Er schuldet den Arsenal-Fans die bestmögliche Chance, den ersten Titel seit sechs Jahren zu gewinnen. Sie haben in neun Jahren nur einen Titel gewonnen.“

Anders bewertet der TV-Experte die Situation bei ManCity, wo mit James Trafford ebenfalls die Nummer zwei am Sonntag im Tor stand. „Pep ist Trafford etwas schuldig. Er hat ihn zu Beginn der Saison als Nummer eins verpflichtet, fand ihn dann aber nicht gut genug und holte Donnarumma – das war nicht einfach für den Jungen.“

Arteta verteidigt seine Entscheidung

Arteta selbst betonte derweil, dass er in derselben Situation erneut so handeln würde. „Ich habe vor dem Spiel eine Entscheidung getroffen, basierend auf dem, was er die ganze Saison über geleistet hat“, sagte der 43-Jährige über Kepa. „Die Tatsache, dass er in diesem Wettbewerb gespielt und uns geholfen hat, dort zu stehen, wo wir heute sind. Es wäre sehr unfair gewesen, einen anderen zu wählen.“

Fehler seien ein Bestandteil des Fußballs, „leider ist es in einem entscheidenden Moment passiert“, ergänzte Arteta.

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