Désiré Doué lief lässig an, machte ein paar kleine Tippelschritte und wuchtete den Ball dann aus elf Metern ins Tor. Sein anschließender Jubel: eiskalt wie sein Elfmeter selbst.
„Der neue Komet“
Doué hatte soeben das entscheidende Tor im Elfmeterschießen gegen den FC Liverpool erzielt und Paris Saint-Germain so ins Viertelfinale der Champions League gebracht.
Der vorläufige Höhepunkt für den 19-Jährigen im Trikot der Pariser, der schon seit seiner Einwechslung durch starke Dribblings und Abschlüsse für mächtig Furore gesorgt hatte. Doué allein hatte in der Verlängerung mehrfach die Entscheidung auf dem Fuß gehabt, auch im Hinspiel begeisterte der U17-Europameister.
Doué für starke Form belohnt
Seine Leistungen trugen Früchte: Am Donnerstag wurde der Linksaußen erstmals für die französische A-Nationalmannschaft nominiert. „Ich habe ihn wegen all dem, was er an Gutem und sehr Gutem beitragen kann, einberufen“, erklärte Nationaltrainer Didier Deschamps L’Equipe.
„Er hat sich in den letzten Wochen sehr verbessert. Er ist ein sehr junger Spieler und was er macht, ist für uns interessant“, begründete Deschamps seine Entscheidung. Mit sieben Toren und elf Vorlagen in 38 Pflichtspielen empfahl sich der Offensivspieler.
Und dass, obwohl er zu Beginn der Saison noch Anlaufschwierigkeiten hatte und sogar als „Pariser Patient“ bezeichnet wurde. Er hatte einige Monate gebraucht, um sich an die Spielphilosophie von Luis Enrique anzupassen. Häufig wechselte er zwischen Bank und Startelf. „Er hat ein sehr hohes Niveau, er muss die richtige Mentalität haben, um erfolgreich zu sein und der Mannschaft zu helfen“, sagte sein Coach noch im November.
Die Mentalität scheint er gefunden zu haben, geholfen hat er seiner Mannschaft dem großen Ziel ein Stück näherzukommen: dem Champions-League-Titel. Seit dem Einstieg der Katarer um Präsident Nasser Al-Khelaifi 2011 hat der Gewinn des Henkelpotts für PSG oberste Priorität.
Bayern buhlte um Doué
In der Nationalelf trifft er auch wieder auf Michael Olise. Gemeinsam gewannen sie im vergangenen Sommer die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Paris, Doué war in fünf Spielen an zwei Toren beteiligt.
Beim 3:1 n.V. gegen Ägypten im Halbfinale sorgte eine Co-Produktion der beiden Akteure für den Einzug ins Endspiel. Beinahe hätte es solche Momente auch beim FC Bayern geben können, der Olise bekanntlich von Crystal Palace an die Säbener Straße holte.
Der deutsche Rekordmeister buhlte intensiv um Doué, der in der letzten Saison noch bei Stade Rennes unter Vertrag stand. Die Münchener lieferten sich einen harten Zweikampf mit PSG. L‘Equipe schrieb damals zum Rennen der beiden europäischen Schwergewichte: „PSG will das Spiel gegen Bayern unbedingt gewinnen.“ Das taten sie auch, der FC Bayern ging leer aus und Doué wechselte für bis zu 60 Millionen Euro nach Paris.
PSG-Coach schwärmt von „neuem Komet“
Dieser Schritt war für Doué ein großer Karrieresprung. In Verbindung mit der millionenschweren Ablösesumme wurden auch entsprechende Erwartungen geschürt.
Diesen scheint der Youngster, der in Paris bis 2029 unter Vertrag steht, nun endlich gerecht zu werden. Der Moment für den „neuen Kometen“, wie L’Equipe ihn jüngst nannte, ist gekommen.