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Die WM winkt - doch die Unruhe bleibt

Die WM winkt – doch die Unruhe bleibt

Mason Greenwood hat sich bei Marseille zu einem europäischen Topstürmer entwickelt. Nun winkt sogar die WM. Ruhig ist es um ihn trotzdem nicht.
Mason Greenwood liefert weiter ab
Mason Greenwood liefert weiter ab
© IMAGO/Icon Sport
Mason Greenwood hat sich bei Marseille zu einem europäischen Topstürmer entwickelt. Nun winkt sogar die WM. Ruhig ist es um ihn trotzdem nicht.

Fußballfans, die in diesen Tagen einen Blick auf die Torjägerliste der französischen Ligue 1 werfen, dürften etwas verwundert sein. Denn dort, wo jahrelang entweder Kylian Mbappé oder ein weiterer beliebiger PSG-Star thronte, steht jetzt ein anderes Gesicht: Mason Greenwood von Olympique Marseille. 

Der 24-Jährige kommt in der laufenden Saison auf 15 Tore, mehr als jeder andere Spieler. Schon im vergangenen Jahr teilte sich Greenwood die Torjägerkanone mit Weltfußballer Ousmane Dembélé. Der Engländer gehört seit einiger Zeit zu den besten Fußballern der Liga und kämpft mit OM um die Champions League – doch der Weg, den Greenwood bis zu diesem Punkt gehen musste, war ein weiter. 

Als Greenwood 2024 nach Marseille kam, hatte er vor allem abseits des Rasens für Schlagzeilen gesorgt. Für viele galt er als gescheitertes Talent. Bei seinem Jugendklub Manchester United hatte der Flügelstürmer 2020/21 in der Premier League den Durchbruch geschafft. Diese Entwicklung sollte sich jedoch nicht fortsetzen.

Greenwoods Ankunft in Marseille polarisierte

Greenwoods Karriere änderte sich schlagartig, als er im Januar 2022 wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung, vorsätzlichen Körperverletzung und Nötigung an seiner damaligen Freundin suspendiert worden war. Ein Jahr später wurde die Anklage fallengelassen, nachdem sich das Paar versöhnt hatte und Greenwoods Freundin darum bat, die Ermittlungen der Justiz einzustellen.

Über einen erfolgreichen Zwischenstopp beim FC Getafe, wo er zum besten Spieler der Saison gewählt wurde, landete Greenwood 2024 schließlich bei Olympique Marseille – doch war im Süden Frankreichs alles andere als willkommen: „Ich will nicht, dass mein Verein mit Scham bedeckt wird“, sagte Marseilles Bürgermeister Benoit Payan vor Greenwoods Ankunft. Er versuchte, die Klubführung vom Transfer abzubringen – letztlich ohne Erfolg. 

Die Stimmung im Verein und in der Stadt war gespalten, etliche Fans verbreiteten in sozialen Medien den Hashtag #GreenwoodNotWelcome und verwiesen auf die Werte des Klubs. Andere wiederum plädierten für eine zweite Chance, die Marseille dem Engländer gewähren sollte, schließlich war Greenwood ja nicht schuldig gesprochen worden. 

Marseille-Star knackt Uralt-Rekord 

Rein sportlich erstickte Greenwood die Diskussionen jedenfalls im Keim, bei seinem Debüt traf er auf Anhieb zwei Mal. Die Fans pfiffen den Neuzugang aus. Seitdem hat sich Greenwood zu einem der besten Offensivspieler Frankreichs entwickelt. Im Oktober 2025 erzielte er beim 6:2-Sieg gegen Le Havre einen Viererpack, zum ersten Mal seit 1991 war das einem Marseille-Spieler gelungen.

„Ich sehe keine anderen Spieler in Europa auf diesem Level. Er hat das Potential, den Ballon D‘Or zu gewinnen“, lobte ihn OM-Trainer Roberto de Zerbi kurze Zeit später fast schon überschwänglich. Die Sunday Times beschrieb den Engländer nach seinem Durchbruch in Marseille als „einen der Besten in Europa“, doch Greenwood sei „noch immer kontrovers“.

Denn der Engländer bleibt trotz hervorragender sportlicher Leistungen ein Politikum: Im April 2025 hatten sich Gerüchte gemehrt, einige Marseille-Spieler würden sich weigern, aufgrund seiner Vergangenheit mit Greenwood auf dem Platz zu stehen.

Zuletzt machte die französische Zeitung La Provence dann öffentlich, es habe bei Marseille intern so heftige Streitigkeiten um Greenwood gegeben, dass ein Mitarbeiter des Vereins eine polizeiliche Untersuchung anforderte, nachdem die Diskussionen rund um die Verpflichtung 2024 eskaliert seien. Ebenfalls habe bereits im vergangenen Sommer schon wieder der Verkauf von Greenwood im Raum gestanden, weil Sportchef Medhi Benatia unzufrieden mit der Attitüde des Stürmers gewesen sein soll.

Doch Greenwood blieb und macht auch 2026 da weiter, wo er im Vorjahr aufgehört hatte: Er schießt viele Tore. Beim 1:0-Sieg gegen Auxerre in der vergangenen Woche stand er über die volle Spielzeit auf dem Platz, Olympique festigte Platz drei der Tabelle

WM-Ticket als Belohnung?

Für den 24-Jährigen könnte sein Aufstieg nun den Wechsel zu einem größeren Klub bedeuten – unter anderem mit Juventus Turin wird er in Verbindung gebracht – und dann sogar noch das Ticket für die Weltmeisterschaft? Eine Rückkehr in die englische Nationalmannschaft stand zwischenzeitlich im Raum. Doch Three-Lions-Coach Thomas Tuchel stellte klar, er habe weder mit Greenwood noch seinem Anhang gesprochen: „Er ist nicht Teil unserer Überlegungen für unser Team.“ 

Doch weil Greenwood noch kein Pflichtspiel für England bestritten hat, kann er auch noch für die jamaikanische Nationalelf auflaufen – diese kämpft Ende März in den Playoffs um eine WM-Teilnahme. Ob Greenwood den Reggae Boyz dabei hilft oder nicht, ist noch unklar. Eine Reise zur Weltmeisterschaft wäre jedenfalls der vorläufige Höhepunkt des Aufschwungs.

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