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Einem einstigen Giganten droht der historische Tiefpunkt

Einstiger Gigant vor Tiefpunkt

Girondins Bordeaux bleibt dem französischen Profifußball weiter fern. Nach dem beispiellosen Absturz droht dem ehemaligen Meister jetzt der nächste Tiefpunkt.
Girondins Bordeaux ist bis in die 4. Liga Frankreichs abgestürzt
Girondins Bordeaux ist bis in die 4. Liga Frankreichs abgestürzt
© IMAGO/PsnewZ
Girondins Bordeaux bleibt dem französischen Profifußball weiter fern. Nach dem beispiellosen Absturz droht dem ehemaligen Meister jetzt der nächste Tiefpunkt.

Der Absturz eines Traditionsklubs mit schillernder Vergangenheit. Es ist eine Geschichte, die sich im modernen Fußball-Geschäft auf zahlreiche Teams auf der ganzen Welt anwenden lässt. Doch nur wenige Klubs fielen so tief wie der sechsmalige Meister und viermalige Pokalsieger Girondins Bordeaux, der Jugendklub der Bayern-Legende Bixente Lizarazu.

Während der Klub in der Saison 2009/2010 noch zwei Siege gegen den FC Bayern in der Champions League feierte und das Halbfinale nur knapp verpasste, spielt Bordeaux heute nur noch in der vierten Liga. Ein Eintrag auf der offiziellen „Registration Ban List“ der FIFA stellt seit dem 27. März nun weitere Sorgen in Aussicht.

Ein schleichender Absturz nach 87 Jahren

Grund für den Absturz waren vor allem die jahrelangen Finanzprobleme des Klubs, der zeitweise mehr als 100 Millionen Euro Schulden anhäufte. In der Saison 2021/22 stieg Bordeaux schließlich als Schlusslicht aus der Ligue 1 ab und wurde aufgrund der Probleme zunächst sogar in die dritte Liga zwangsversetzt.

Erst drei Tage vor dem Saisonstart wurde ein Schlichtungsangebot des Nationalen Olympischen Komitees akzeptiert, sodass der Verein doch noch in der Ligue 2 starten durfte.

Auch dort verbesserte sich die Situation in den folgenden zwei Spielzeiten allerdings nicht. Nach der Saison 2023/24 kämpfte Bordeaux immer noch mit finanziellen Problemen und stürzte, nachdem Verhandlungen mit einem Investor gescheitert waren, endgültig ab. Nach 87 Jahren musste der Klub endgültig seine Profilizenz aufgeben und den Neuanfang als Viertligist wagen.

Transfersperre verschärft die Krise von Bordeaux

Jetzt droht Bordeaux jedoch der bisherige Tiefpunkt eines beispiellosen Absturzes. Die FIFA hat gegen den Klub eine Transfersperre verhängt, die in den kommenden drei Transferperioden bis einschließlich Sommer 2027 gilt und verhindert, dass sich neue Spieler dem Klub anschließen können. Nur Spieler aus der eigenen Jugend oder dem bisherigen Kader dürfen eingesetzt werden.

Laut übereinstimmenden Medienberichten aus Frankreich wird die Sperre mit einem finanziellen Streit in Zusammenhang mit dem Transfer von Pedro Diaz im Jahr 2023 begründet. Der Spanier wurde von Sporting Gijón geholt, eine Zahlung von 1,5 Millionen Euro sei allerdings weiterhin fällig.

Bordeaux legt Einspruch ein: „Wird sind zuversichtlich“

Klubanwalt Matthieu Barandas schilderte im Gespräch mit Sud Ouest jedoch, dass Bordeaux weiterhin ruhig bleibe und sagte: „Wir sind mit der rechtlichen Analyse nicht einverstanden, denn wir sind der Auffassung, dass die Beurteilung der FIFA den nationalen Vorschriften über Insolvenzverfahren widerspricht. Diese Vorschriften sind zwingender Natur und können nicht umgangen werden.“

Der Grund für diese Auffassung ist demnach ein genehmigter Sanierungsplan, nach dem die zu zahlenden Verbindlichkeiten des Klubs reduziert werden sollen – zum Nachteil von Gläubigern wie Gijón, die das Verfahren bei der FIFA eingeleitet haben.

„Wir halten es für unzulässig, dass die FIFA über dem französischen Insolvenzrecht steht“, erklärte Barandas und begründete damit die Entscheidung von Bordeaux Rechtsmittel beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) und vor dem nationalen Gericht einzulegen. „Wir sind dennoch relativ zuversichtlich und glauben, juristisch im Recht zu sein.“

So kann Bordeaux doch noch aufsteigen

Sportlich kommt der Prozess für Bordeaux definitiv zur Unzeit. Auch im zweiten Jahr in der vierten französischen Liga, offiziell das Championnat National 2 – Groupe A, hat der ehemalige Top-Klub nur noch geringe Chancen auf den Aufstieg. Drei der letzten vier Partien gingen verloren, somit wuchs der Rückstand auf Tabellenführer La Roche auf sieben Punkte an.

Sollte die Aufholjagd im Saisonendspurt tatsächlich ausbleiben, bleibt Bordeaux nur die Hoffnung, dass einem Klub aus der dritten Liga ein vergleichbares Schicksal bevorsteht. Wie die L’Équipe berichtet, droht mehreren Klubs ein Zwangsabstieg durch die Finanzaufsicht DNCG. Der beste Zweitplatzierte der Gruppen A, B und C der vierten Liga könnte dann profitieren und doch noch den Aufstieg feiern.

Gerüchte um Einstieg von Gruppe um Oliver Kahn

Im vergangenen Jahr schien zumindest finanziell eine Lösung bevorzustehen. Der frühere Weltklassetorhüter Oliver Kahn strebte an, den Klub mit einer Investorengruppe zu übernehmen.

Ein erstes Angebot hatte Girondins-Besitzer Gérard López abgelehnt. Kahn nahm wenig später Abstand von den Investmentplänen mit einem Umfang von rund 50 Millionen Euro.

Die Rückkehr zu glorreichen Zeiten, in denen Stars wie Zinédine Zidane, Bixente Lizarazu oder Yoann Gorcuff das Trikot der Girondins trugen, bleibt somit vorerst weiter eine Wunschvorstellung.

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