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"Peinlich": Gegenwind für Ex-Bayern-Star nach Skandal-Aussage

Ex-Bayern-Star wütet

Der frühere Bayern-Profi Medhi Benatia geht nach der Niederlage von Olympique Marseille mit seinen eigenen Spielern hart ins Gericht. Der Sportdirektor gerät daraufhin selbst in die Kritik.
Mehdi Benatia setzte nach der Marseille-Pleite am Samstag zur Wutrede an
Mehdi Benatia setzte nach der Marseille-Pleite am Samstag zur Wutrede an
© IMAGO/PsnewZ
Der frühere Bayern-Profi Medhi Benatia geht nach der Niederlage von Olympique Marseille mit seinen eigenen Spielern hart ins Gericht. Der Sportdirektor gerät daraufhin selbst in die Kritik.

„Ein Skandal“: Zwei Worte genügten Mehdi Benatia, Sportdirektor von Olympique Marseille, um die Leistung seiner Spieler nach dem 0:2 beim FC Lorient am Samstag zu beschreiben – und diese scharf zu kritisieren.

Die drastische Wortwahl des früheren Verteidigers des FC Bayern sorgte in Frankreich für Aufsehen. Benatia habe sich zu Wort gemeldet, „keineswegs um die Wogen zu glätten, sondern um die von ihm zusammengestellte Mannschaft weiter zu schwächen“, stellte die Sportzeitung L’Équipe fest.

Eine klare Reaktion gab es auch von Pascal Dupraz, dem ehemaligen Trainer von Dijon, Saint-Étienne, Caen und Toulouse. „Das ist peinlich, von einem erfahrenen ehemaligen Spieler. Es ist leicht, auf die Spieler einzuhacken“, polterte der 63-Jährige in der Sendung „Les Grandes Gueules du Sport“ auf RMC.

Ex-Bayern-Star Benatia mit sechsminütiger Wutrede

Sichtlich verärgert war Benatia am Samstag nach der Pleite von Marseille, das für die Champions-League-Qualifikation jeden Punkt braucht, vor die Presse getreten. Über sechs Minuten dauerte die Wutrede des 39-Jährigen, in der er kein gutes Haar an der von ihm zusammengestellten Mannschaft ließ.

„Ich hatte nicht vor, mich bis zum Jahresende noch zu äußern, weil ich finde, dass in den ersten sechs Monaten viel zu viel geredet wurde“, erklärte der OM-Sportdirektor. „Wenn ich mir das Spiel so ansehe, das wir da abgeliefert haben, muss ich, auch wenn ich eigentlich keine Lust habe zu reden, vor die Presse treten, denn das ist ein Skandal. Das ist ein Skandal“, betonte er sichtlich aufgebracht.

Der Auftritt seiner Spieler empörte Benatia: „Du spielst gegen Lorient, die nichts mehr zu verlieren haben, und gewinnst keinen Zweikampf, hast keinen Vorstoß nach vorne, bist nicht engagiert, versuchst nichts und schaust ihnen zu.”

Marseille-Spieler lassen Sportdirektor toben

Und weiter: „Wenn man hierherkommt und fünf Endspiele zu bestreiten hat, um das Ziel Champions League zu erreichen, muss man das auch zeigen. Nur ist davon nichts zu sehen.“

Selbst am Verhalten der OM-Profis nach der Niederlage störte sich Benatia: „Wie viele Spieler sind in die Kabine gekommen und haben den Tisch umgeworfen? Keiner, niemand. Alles ist blitzblank, die Flaschen stehen an ihrem Platz, alles. Also, man spielt für Olympique Marseille, macht so ein Spiel und akzeptiert das einfach?“

Als Konsequenz kündigte Benatia, der im Februar zunächst seinen Rücktritt eingereicht hatte, dann aber auf Bitte der Klubführung einer Fortsetzung der Zusammenarbeit bis zum Saisonende zustimmte, ein erhöhtes Trainingspensum an.

„Wenn man so spielt, muss man an allem arbeiten“

„Ich habe ihnen gesagt, sie sollen für die nächsten vier Wochen nichts planen. Wir werden etwas mehr Zeit miteinander verbringen“, erklärte Benatia und kündigte an: „Wenn man so spielt, muss man an allem arbeiten: an der Abwehr, im Sturm, an den Kombinationen, am Einsatz, am Laufen.“

Zudem wollte er die Spieler an „das Privileg, diesen Beruf in einem Verein wie diesem ausüben zu dürfen“ erinnern.

Benatia? „Er trägt ebenfalls Verantwortung“

Für Dupraz sind die Worte des Marokkaners ein alarmierendes Signal: „Wenn man Benatia zuhört, kann man nur den Eindruck gewinnen, dass in diesem Verein eigentlich jeder auf sich allein gestellt ist. Das ist unerträglich.”

Benatia, der bereits in der Vergangenheit bei OM mit Schimpftiraden aufgefallen war, sei auch nicht von allem freigesprochen: „Er trägt ebenfalls Verantwortung. Und nun macht Benatia nach diesem katastrophalen Spiel in Lorient die Spieler vor der Presse schlecht.“

Sportlich ist die Lage für Marseille zunehmend angespannt. Das Team von Trainer Habib Beye ist durch die Niederlage am 30. Spieltag auf Rang sechs der Ligue 1 abgerutscht – nur die ersten drei qualifizieren sich für die Champions League.

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