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Topmöllers Rat wurde bei Eintracht Frankfurt ignoriert

Toppmöllers Rat wurde ignoriert

Vor seiner bisher größten Auslandsstation gibt sich Dino Toppmöller in Frankreich selbstbewusst. Neben dem Ausblick auf die neue Saison beschäftigt ihn seine Zeit bei Eintracht Frankfurt auch heute noch.
Dino Toppmöller vergleicht die enthusiastischen Fans seines neuen Klubs RC Lens mit den Anhängern von Eintracht Frankfurt.
Lars Hinzberg
Vor seiner bisher größten Auslandsstation gibt sich Dino Toppmöller in Frankreich selbstbewusst. Neben dem Ausblick auf die neue Saison beschäftigt ihn seine Zeit bei Eintracht Frankfurt auch heute noch.

Dino Toppmöller steht beim RC Lens vor seiner vierten Auslandsstation – und gleichzeitig vor einer großen Herausforderung. Nach zweieinhalb Jahren bei Eintracht Frankfurt startet der 45-Jährige in Frankreich mit dem letztjährigen Vizemeister direkt in der Champions League.

Druck verspürt Toppmöller dadurch nicht. Im Gespräch mit der französischen L’Équipe gab sich der Deutsche selbstbewusst. Außerdem räumte er mit einem angeblichen Makel aus seiner Zeit bei der Eintracht auf und zog Vergleiche zwischen seinem neuen Arbeitgeber und seinem Ex-Klub.

Toppmöller: Pacho-Abgang gegen seinen Rat

Das Konzept, das ihn in Frankreich erwartet, ist ihm aus Frankfurter Zeiten bestens bekannt: Junge Spieler entwickeln und sie anschließend gewinnbringend verkaufen. Ein Ansatz, der auch bei der Verpflichtung des Deutschen eine Rolle gespielt haben dürfte.

„Das Wichtigste ist der Fortschritt des Spielers. Wenn er besser wird, wird das Team besser. Wenn der Trainer den Mut hat, die jungen Spieler einzusetzen, machen sie Fortschritte und wir können sie verkaufen. Das war mein Projekt in Frankfurt, und bei Lens ist es genauso“, sagte Toppmöller.

Er führte weiter aus: „Vielleicht sagten sie deshalb zu sich: ‚Wir wollen Trainer Dino‘, weil sie die Verkäufe von Pacho (45 Millionen Euro), Ekitike (90 Mio.) sahen, dass „Nene“ Brown mit mir Nationalspieler wurde, dann Nnamdi Collins.“

Gerade der Abgang von Innenverteidiger Willian Pacho hatte Toppmöller in Frankfurt vor Probleme gestellt. Nach seinem Abgang zu Paris Saint-Germain 2024 klaffte in der Innenverteidigung der Hessen ein großes Loch, auch weil Toppmöllers Bitten nicht erhört wurden.

„In meinen ersten beiden Jahren in Frankfurt hatten wir die sechstbeste und fünftbeste Abwehr. Aber in der dritten Saison haben wir unseren besten Verteidiger (Pacho, Anm. d. Red.) verkauft und ihn nicht ersetzt, entgegen meinem Rat, dann wechselte unser Nummer-1-Torwart Kevin Trapp zu Paris FC.“

Zu viele Gegentore bei Eintracht Frankfurt

Nach Ansicht des Trainers waren das die Hauptgründe für die darauffolgende Anfälligkeit in der Defensive. „Es stimmt, dass ich lieber 4:3 als 1:0 gewinnen würde, aber man muss fair sein. Eines Tages führten wir in der 60. Minute mit 6:0 gegen Gladbach, also wechselte ich fünf Spieler, um sie für die Champions League zu schonen, und wir kassierten vier Gegentore.“

In seiner letzten Saison bei der Eintracht hatte Toppmöller nach 18 Spieltagen 39 Gegentore kassiert. Gemeinsam mit Heidenheim war das der zu der Zeit schlechteste Wert der Bundesliga. Zumindest den mutigen Spielstil verteidigte Toppmöller nun.

Das 5:4 von PSG gegen Bayern, alle liebten es, aber in Frankfurt geht das nicht? Die Leute verstehen Management nicht.“

Gemeinsamkeiten zwischen Lens und der Eintracht

Dass er Lens dennoch als passenden nächsten Schritt sieht, liegt auch an den Parallelen zur Eintracht. „Lens ist ein bisschen wie Eintracht Frankfurt, aber mit weniger Ressourcen. Es gibt Leidenschaft, die Menschen haben Fußball im Herzen, das Team versucht, die Werte des Vereins zu respektieren, und das liebe ich. Es ist ein großartiger Verein, aber ohne die Mittel, die er verdient.“

Mittel, die durch die Champions-League-Teilnahme jedoch steigen könnten. Gleichzeitig bedeutet der neue Wettbewerb aber auch eine Herausforderung.

„Letztes Jahr hatte Lens ein großartiges Jahr, aber mit nur einem Spiel pro Woche. In diesem Jahr wird es alle drei Tage eine sein. Wir wollen das nutzen, aber wir müssen körperlich und mental bereit sein und Rotationen akzeptieren.“

„Für mich ist das kein Rückschritt“

Zu verdanken hat man diese Möglichkeit auch Pierre Sage. Der ehemalige Trainer führte die Nordfranzosen im letzten Jahr in seiner Premieren-Saison auf Anhieb auf Rang zwei und in die Königsklasse. Eingeschüchtert fühlt sich Toppmöller dadurch aber keineswegs.

„Zu sagen: ‚Sei vorsichtig, der Trainer war gut, also kann ich nicht so gewinnen wie er‘, das ist nicht meine Einstellung. Ich habe vor nichts Angst, ich versuche, es noch besser zu machen.“

Auch seinen Wechsel nach Lens sieht der gebürtige Saarländer keineswegs als Schritt nach hinten. Vielmehr habe ihn das Gesamtpaket überzeugt. „Für mich ist das kein Rückschritt. Für einen Coach ist das Wichtigste das Projekt. Du kannst zu einem großen Club gehen, aber wenn das Management katastrophal ist, bist du verloren. Ich glaube wirklich an dieses Projekt.“

Die erste große Aufgabe für sein neues Projekt ist mit dem Supercup gegen PSG am 15. August direkt eine große. Eine Woche später, am 22. August, gastiert AJ Auxerre zum Ligaauftakt.

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