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Bricht das Kartenhaus zusammen?

Bricht das Kartenhaus zusammen?

Der FC Arsenal hat in Meisterschaft und Champions League beste Titelchancen. Doch die Rückschläge der vergangenen Wochen drücken auf die Stimmung. Sogar über die Zukunft von Coach Arteta wird spekuliert.
Mit dem nächsten Rückschlag und dem 1:2 gegen Bournemouth bringt Arsenal Verfolger Manchester City in Schlagdistanz. Trainer Mikel Arteta fordert für die letzten Wochen der Saison Kampfgeist von seiner Mannschaft.
Der FC Arsenal hat in Meisterschaft und Champions League beste Titelchancen. Doch die Rückschläge der vergangenen Wochen drücken auf die Stimmung. Sogar über die Zukunft von Coach Arteta wird spekuliert.

Die erste englische Meisterschaft seit 22 Jahren ist immer noch zum Greifen nahe für den FC Arsenal.

Dasselbe gilt im Kampf um das Halbfinale der Champions League, in das die „Gunners“ heute mit Heimvorteil und einem 1:0-Hinspielsieg im Rücken auf Sporting Lissabon treffen (ab 21 Uhr im LIVETICKER). Man könnte also meinen, dass die Welt in Ordnung ist für Coach Mikel Arteta. Sie ist es nicht.

Die Anspannung ist groß rund ums Highbury House. Es geht die Angst um, dass die Mannschaft alle Trümpfe verspielt, die sie im Kampf um den größten Coup seit der legendären Invincibles-Saison 2003/04 unter Arséne Wenger noch in der Hand hat.

Infolge zuletzt schwacher Ergebnisse beschäftigt die Furcht vor dem Fall X im Klubumfeld aktuell viele. So sehr, dass sogar schon über ein Aus des möglichen Meistercoachs Arteta spekuliert wird – sollte er eintreten.

FC Arsenal: Die Rückschläge häufen sich

In den letzten vier Partien konnte Arsenal lediglich im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Sporting Lissabon mit 1:0 gewinnen – dank eines Treffers von Kai Havertz in der Nachspielzeit.

Verloren gingen dagegen das League-Cup-Finale gegen Manchester City (0:2) und das Viertelfinale des FA Cups gegen den FC Southampton (1:2). Auch in der Premier League musste Arsenal beim 1:2 gegen den AFC Bournemouth eine bittere Pille schlucken. Trainer Mikel Arteta sprach nach der Partie am Wochenende von einem „harten Schlag ins Gesicht“.

Wenige Tage vor der richtungsweisenden Ligapartie gegen Manchester City (Sonntag, ab 17.30 Uhr im LIVETICKER) ist im englischen Meisterschaftsrennen wieder alles offen – zumal die Citizens zwar sechs Punkte zurückliegen, aber eine Partie weniger absolviert haben. Ein Aus in der Königsklasse sowie weitere Stolperer im Meisterrennen könnten sich zu einer weiteren titellosen Saison summieren.

Was die Unruhe verstärkt: In den vergangenen beiden Jahrzehnten verspielte Arsenal immer wieder große Titelchancen. Zuletzt bei der Sensationsmeisterschaft von Leicester City 2015/16 und nach zwischenzeitlich acht Punkten Vorsprung in der Saison 2022/23. Erlebt Arsenal ein Déjà-vu? Prominente Experten halten es nicht mehr für ausgeschlossen.

„Brechen sie gerade vor unseren Augen auseinander?“

„Brechen sie gerade vor unseren Augen auseinander?“, fragte sich jüngst Englands ehemaliger Nationalstürmer Gary Lineker im Podcast „The Rest Is Football“. Expertenkollege Micah Richards widersprach dort zwar, begründete dies jedoch einzig mit dem knappen Sieg gegen Lissabon.

Lineker kritisierte vor allem die Leistung im Spiel gegen Bournemouth, in dem sich die Gunners nicht einmal mehr auf ihre Defensive verlassen konnten. „Zum ersten Mal habe ich mir gedacht: Ich glaube nicht, dass Arsenal es schafft. Und ich war monatelang überzeugt davon“, meinte der 65-Jährige.

„Am Ende geht es um Mentalität – und die hat Manchester City, weil sie es schon oft geschafft haben. Arsenal hingegen noch nicht, deshalb gibt es so viele Fragezeichen“, kam auch Richards ins Grübeln.

Statistiken aus der Vergangenheit stützen die Beobachtung: Im Endspurtmonat April weist Arsenal in der 2019 begonnenen Ära Arteta lediglich eine Siegrate von 44 Prozent auf – weit unter dem Gesamtschnitt von 63,2 Prozent. Verfolger Manchester City kommt unter Artetas ehemaligem Chef Pep Guardiola im April auf eine Siegrate von beachtlichen 79 Prozent.

Kuriose Trainingsmethoden lassen Lineker den Kopf schütteln

Kritik übte Lineker auch an Arteta und seinen Trainingsmethoden: „Arsenal kämpft gegen sich selbst. Ich mag es nicht, die Methoden zu stark zu kritisieren, aber Arteta bewegt sich mit manchen Dingen im Training in Richtung Fremdscham.“

Zuletzt wurde bekannt, dass Arteta seine Spieler in Gruppen trainieren ließ, wobei sie den Ball auf ihren Köpfen balancierten, während sie gleichzeitig Stifte mit den Fingerspitzen hielten und sich gemeinsam bewegten. Dazu wurden motivierende TikTok-Videos auf großen Bildschirmen im Trainingszentrum abgespielt.

„Ich denke mir: Ihr macht Dinge anders. Macht das nicht. Wenn ihr im Titelrennen seid, müsst ihr ruhig bleiben. Macht das, was ihr immer macht – normales Training“, forderte Lineker und riet dem Spanier: „Wenn ihr etwas anders macht, dann behaltet es intern, haltet es geheim und sorgt dafür, dass es niemand filmt.“

Wackelt sogar Artetas Job?

TikTok hin, TikTok her: Spektakulärer als die ungewöhnlichen Trainingsmethoden muteten zuletzt Berichte an, dass Arsenals Bosse sich am Ende der Saison von Arteta trennen würden, sollten ihm Meisterschaft und Königsklasse durch die Finger gleiten.

Dies vermeldete das Sportmedium El Mundo Deportivo aus Artetas Heimat Spanien – und brachte als Nachfolger einen anderen spanischen Coach mit Arsenal-Vergangenheit ins Gespräch: Cesc Fàbregas, der aktuell mit Como 1907 um die internationalen Plätze in der italienischen Serie A kämpft.

Ob an den Gerüchten wirklich was dran ist, ist unklar: Andere Medien berichten, dass Artetas Position bei Arsenal gefestigt sei, sogar von einer möglichen Vertragsverlängerung ist die Rede. Wer hier näher an der Wahrheit ist und wer Kulissenschieberei betreibt: unklar.

Sicher ist: Arteta täte gut daran, die Meisterschaft ins Ziel zu bringen. Am Ende kann nur das die Geister der Unruhe vertreiben.