Die Krise beim FC Chelsea wird immer schlimmer. Bei der 0:3-Niederlage bei Brighton & Hove Albion war Chelsea komplett chancenlos. Die Qualifikation für die Champions League geriet damit in weite Ferne.
1,8 Milliarden verpulvert! Chelsea nur noch Chaos-Klub
Chelsea nur noch Chaos-Klub
Dabei sah nach dem Sieg bei der Klub-WM im vergangenen Sommer vieles danach aus, dass die Blues wieder auf gutem Weg sind, an ihre besten Zeiten anzuknüpfen.
Doch es folgte eine absolute Chaos-Saison. Nach schwachen Leistungen wurde im Januar erst Enzo Maresca entlassen, jetzt muss auch sein Nachfolger Liam Rosenior seinen Hut nehmen. Am Mittwochabend verkündeten die Blues die Trennung vom 41-Jährigen, der mit einem Vertrag bis 2032 ausgestattet war.
Die bittere Niederlage in Brighton war die fünfte Pleite in Folge, in allen fünf Spielen gelang Chelsea nicht mal ein eigenes Tor. Solch eine Negativ-Serie hatte der Verein zuletzt 1912. Es war „das Jahr, in dem die Titanic sank“, wie die BBC treffend ein Untergangsszenario beschrieb, „die Schlagzeile steht“.
Premier League: Nur Tottenham zuletzt schlechter als Chelsea
Rosenior holte nach dem Spiel zum Rundumschlag gegen seine Mannschaft aus: „Ich habe die Spieler oft verteidigt, wenn es angebracht war, aber diese Leistung kann ich nicht verteidigen.“
Der Coach redete sich regelrecht in Rage, es sollte sein letzter Auftritt als Chelsea-Trainer sein. „Unsere Einstellung war völlig daneben. Es ist noch sehr kurz nach dem Spiel, und ich bin ein emotionaler Mensch, aber das war inakzeptabel, absolut inakzeptabel“, kritisierte der Engländer weiter: „Ich bin wie betäubt vor Wut. Hier muss sich dringend etwas ändern. Von Professionalität war keine Spur.“ Es war sein letztes Aufbäumen eines gescheiterten und verzweifelten Übungsleiters.
Wie schlecht es um Chelsea aktuell steht, wird aber nicht nur mit dem Blick auf die vergangenen fünf Spiele deutlich. Es läuft schon lange nicht mehr bei den Blues. Aus den letzten sieben Pflichtspielen gab es nur einen Sieg. Und der gelang im FA Cup gegen den 23. der dritten Liga, den FC Port Vale.
In der Premier League hat Chelsea aus den vergangenen neun Spielen nur fünf Punkte geholt – einzig der kriselnde Nachbar Tottenham Hotspur (zwei Punkte) war in diesem Zeitraum noch erfolgloser. In der Tabelle rutschten die Blues zunächst auf Rang sieben ab und müssen sogar um die Teilnahme am europäischen Geschäft bangen.
1,8 Milliarden Pfund verpulvert! Fans schießen gegen Besitzer
In Brighton wendeten sich auch die Fans endgültig von ihrer Mannschaft ab. Schon während des Spiels kehrten große Teile der Fans dem Spielfeld den Rücken. Auch Rosenior bekam erstmals deutlich die Kritik der eigenen Fans zu spüren.
Als er nach dem Spiel gemeinsam mit einigen Spielern vor die Kurve trat und versuchte, sich für den Auftritt zu entschuldigen, war der Großteil des Gästeblocks bereits leer. Zuvor hatten die Fans das Spiel eher dazu genutzt, erneut lautstark Kritik an den Chelsea-Eigentümern BlueCo zu äußern.
Die Anhänger gaben Mitbesitzer Behad Eghbali und seinem Direktor Profifußball und Scout, Joe Shields, die beide im Stadion waren, deutlich zu verstehen, dass sie im Klub unerwünscht sind. „Verschwindet, ihr seid hier nicht erwünscht“, brüllten die Fans.
Der Frust ist auch deshalb so groß, weil eben jene Besitzer in den vergangenen Jahren nur so mit Geld um sich geworfen hatten, ohne großen Erfolg. So gab der Verein unter der Regie von BlueCo unglaubliche 1,867 Milliarden Pfund (knapp 2,148 Milliarden Euro) für neue Spieler aus.
Chelseas operative Verluste unter BlueCo betrugen in den letzten drei Jahren insgesamt 689 Millionen Pfund (793 Millionen Euro). Das sind 629.000 Pfund (724.000 Euro) jeden Tag.
Spieler sorgen abseits des Platzes für Negativ-Schlagzeilen
Aber nicht nur finanziell ist Chelsea auf dem Weg zum absoluten Chaos-Verein. Auch in der Kabine läuft es alles andere als rund. Immer wieder sorgen Spieler oder den Spielern nahestehende Personen für neue Eskapaden.
Vor dem Brighton-Spiel verriet beispielsweise der Friseur von Marc Cucurella offenbar interne Team-News. Wie die Zeitung The Sun berichtet, veröffentlichte er auf X folgendes Statement: „Palmer und Joao Pedro sind beide verletzt. Exklusive Nachricht für euch“, schrieb er. Dazu postete er ein Foto, auf dem Cucurella mit seiner wilden Mähne beim Schneiden der Haare zu sehen ist.
Der Account ist inzwischen gelöscht. Die Informationen erwiesen sich übrigens als richtig: Weder Cole Palmer noch Joao Pedro konnten in Brighton spielen.
Dabei war hingegen Enzo Fernández, er führte sein Team sogar als Kapitän aufs Feld. Ein Umstand, der in England für Unverständnis sorgte. Immerhin hatten die Blues den Argentinier noch vor zwei Wochen suspendiert, nachdem dieser am Rande der Länderspielreise in sein Heimatland öffentlich mit einem Wechsel zu Real Madrid geliebäugelt hatte.
„Liam Rosenior wird das nicht überleben“
Rosenior nahm Fernández anschließend aber nicht die Kapitänsbinde weg. Stattdessen baute er wieder voll auf den Argentinier. Das Vertrauen zahlte weder der Mittelfeldspieler noch das Team zurück.
Auch deshalb sagte Sky-Sports-Experte Tim Sherwood, „Liam Rosenior wird das nicht überleben“ und sollte Recht behalten. Für Sherwood lag das Problem aber eigentlich nicht am Trainer, sondern am Chaos im Verein: „Es ist für jeden Trainer ein echt harter Job, in diesem Umfeld zu überleben. Chelsea ist zum Entwicklungsklub geworden.“
Roseniors Nachfolge tritt zunächst Calum McFarlane an. Der 40-Jährige, der bereits nach der Entlassung von Maresca die Blues interimsweise trainierte, gibt sein Debüt im Halbfinale des FA Cups gegen Leeds United (So., ab 16 Uhr im Liveticker).
Der Pokal-Wettbewerb ist die einzig verbliebene Chance für Chelsea auf einen Titel in dieser Saison.