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Legende feiert "Wiederaufstieg" und straft seine Kritiker Lügen

Erst verspottet, jetzt gefeiert

Nach schwachen Resultaten in der Premier League wurde Frank Lampards Eignung als Trainer in Frage gestellt. Jetzt schlägt der frühere Weltklasse-Mittelfeldspieler eindrucksvoll zurück.
Chelsea-Legende Frank Lampard steigt als Trainer mit dem englischen Zweitligisten Coventry City in die Premier League auf. Es gibt jedoch einen noch größeren Moment in seiner Karriere, an den man sich vor allem in München nur ungern erinnert.
Nach schwachen Resultaten in der Premier League wurde Frank Lampards Eignung als Trainer in Frage gestellt. Jetzt schlägt der frühere Weltklasse-Mittelfeldspieler eindrucksvoll zurück.

Nachdem er gemeinsam mit Spielern und Fans im Überschwang der Gefühle gefeiert hatte, wurde Frank Lampard auf der anschließenden Pressekonferenz gefragt, wo er die vorzeitig perfekt gemachte Rückkehr von Coventry City nach 25 Jahren in die Premier League in seiner bewegten Laufbahn einordnen würde.

„Ich würde die Champions League niemals kleinreden“, erklärte der langjährige Chelsea-Star mit Blick auf den Triumph in der Königsklasse 2012, als er mit den Blues den FC Bayern im Finale in München bezwungen hatte. „Das steht immer ganz oben auf der Liste, aber dieser Moment kommt dem sehr, sehr nahe“, verdeutlichte Lampard die Kragenweite des Erfolgs mit dem englischen Zweitligisten.

„Coventry war immer Erstligist, als ich aufgewachsen bin, aber damals habe ich das nicht so bewusst wahrgenommen. Jetzt sind wir zurück“, sagte der 106-malige Nationalspieler Englands nach dem 1:1 bei den Blackburn Rovers, mit dem die „Sky Blues“ drei Spieltage vor Saisonende als erster Aufsteiger feststehen.

Premier League: Lampard macht „Wiederaufstieg“ perfekt

Mit Coventry kehrt nicht nur ein schwer gebeuteltes Gründungsmitglied, das zwischenzeitlich sogar in die vierte Liga abgestürzt war, in Englands Fußballoberhaus zurück – auch für Lamprad persönlich ist es die Rückkehr auf die große Bühne, wo der 47-Jährige einst zu den besten Mittelfeldspielern seiner Generation zählte.

Sein Ehrgeiz und seine Entschlossenheit führten ihn nach der aktiven Karriere ins Trainergeschäft. Dort versuchte er sich zunächst bei Derby County, seinem Ex-Klub Chelsea und dem FC Everton – allerdings mit deutlich weniger Erfolg als zuvor auf dem Platz.

„Das ist nicht nur der Wiederaufstieg Coventrys, es ist auch der Wiederaufstieg Lampards, nachdem viele annahmen, dass sein schmachvolles zweites Engagement bei Chelsea ihn als Trainer erledigt hätte“, stellte The Independent nun fest.

Enttäuschende Amtszeiten bei Chelsea und Everton

Coventry ist Lampards vierter Verein als Cheftrainer. Insbesondere seine beiden vorherigen Engagements hatten seinem Ruf auf der Insel stark geschadet. Zwar erreichte er mit Derby zunächst die Aufstiegs-Playoffs, doch den hohen Erwartungen in der Premier League beim FC Chelsea wurde er nicht gerecht, auch bedingt durch erschwerte Rahmenbedingungen.

Anschließend scheiterte Lampard bei Everton. Von 2022 bis 2023 war er 44 Spiele im Amt und holte durchschnittlich lediglich einen Punkt pro Spiel. Eine kurze und wenig erfolgreiche Rückkehr als Interimstrainer zu Chelsea im April 2023 für elf Spiele (durchschnittlich 0,45 Punkte pro Spiel) war für sein Ansehen ebenfalls nicht förderlich.

Die Kritik fiel entsprechend heftig aus. Von den Medien wurde er teilweise gar als schlechtester Trainer in der Geschichte der Premier League verhöhnt. Ex-Chelsea-Mitspieler Cesc Fabregas spottete, seine Mannschaft wirke, „als wären elf Oliven aus dem Einwegglas auf dem Tisch ausgeschüttet worden“. Der Absturz vom gefeierten Spitzenspieler zum belächelten Trainer schien komplett.

Neue Chance bei Coventry: Fans zunächst skeptisch

Doch dann bot sich mit Coventry City eine neue Chance. Als der Zweitligist im November 2024 Fanliebling Mark Robins entließ, war die Empörung unter den Anhängern groß. Schließlich hatte Robins den Klub aus der Bedeutungslosigkeit zurück in die Nähe der Premier League geführt.

Dass ausgerechnet der vielfach kritisierte Lampard dieses Erbe antrat, löste im Umfeld nicht gerade Jubelstürme aus. Viele zweifelten, ob ein seit 18 Monaten vereinsloser Trainer ohne große Erfolge die richtige Wahl sei.

Sich neu beweisen zu müssen, machte für Lampard jedoch genau den Reiz aus. „Sie können mich nicht alle lieben“, erklärte er damals offen. „Meine einzige Antwort auf solche Kritik ist: Gebt mir eine Chance, zu arbeiten.“

Lampard liefert direkt gute Resultate

Und Lampard arbeitete – und wie. In seiner ersten Saison führte er die Mannschaft vom 17. Tabellenplatz auf Rang fünf und damit in die Aufstiegs-Playoffs. Erst in der Verlängerung des Halbfinals gegen den späteren Aufsteiger Sunderland platzte der Traum auf bittere Weise.

Doch statt in der folgenden Spielzeit einzubrechen, entwickelte Lampard das Team kontinuierlich weiter – und startete komplett durch. Seine Handschrift ist klar erkennbar: Der Engländer vereint bei Coventry hohes Tempo, aggressives Pressing und mutigen Offensivfußball. 

Mit 85 Toren stellt das Team nach 43 Spielen den mit Abstand besten Angriff der Liga. Top-Torschütze ist der Ex-Schalker Haji Wright mit 16 Treffern, womit er Rang zwei der Championship belegt.

Mourinho und Ancelotti? „Ich liege wahrscheinlich dazwischen“

Bei seiner Arbeit greift Lampard auf die Erfahrungen aus seiner aktiven Karriere unter großen Trainern zurück. „Ich übernehme Elemente von vielen Trainern, unter denen ich gearbeitet habe, von Harry Redknapp bis hin zu meinen Engagements bei den englischen Nationaltrainern und anderen“, erzählte er bei Sky.

„Unter José Mourinho zu arbeiten, war eine unglaubliche Erfahrung. Er war sehr praxisorientiert und emotional, taktisch stark und gut im Umgang mit der Mannschaft. Carlo Ancelotti war sehr ruhig und gelassen“, blickte Lampard zurück und verortete sich selbst in der Mitte: „Ich liege wahrscheinlich irgendwo dazwischen.“

Auffällig ist auch, welche Gelassenheit Lampard inzwischen als Trainer an den Tag legt. Auch als Coventry rund um den Jahreswechsel nur zwei Siege in acht Spielen einfuhr, blieb er besonnen – und übertrug diese Ruhe auf sein Team.

Lampards Gelassenheit als Erfolgsfaktor

„Es ist wichtig, in schwierigen Momenten ruhig zu bleiben, aber auch die richtige Reaktion zu finden“, betonte Lampard. „Ein paar Spiele lang nicht zu gewinnen, ist in dieser Liga normal. Die Konkurrenz ist zu groß, als dass jemand ohne schwierige Phasen durchkommen könnte.“ Von außen werde es „immer Reaktionen und Aufruhr“ geben.

Mit dem 3:1-Sieg gegen Middlesbrough leitete Coventry schließlich eine Serie von sechs Erfolgen in Folge ein und untermauerte seine Dominanz. „Ich habe nach diesen Spielen keinen Verlust an Selbstvertrauen gespürt. Es gab Frustration, aber das Selbstvertrauen blieb“, blickte Lampard lobend auf den zwischenzeitlichen Einbruch zurück.

Dieses Selbstvertrauen mündete schließlich im vorzeitig gesicherten Aufstieg. Angesichts der finanziellen Möglichkeiten von Besitzer und Geschäftsmann Doug King ist dieser zwar kein Wunder, aber dennoch beachtlich.

Lampard ausgezeichnet: „Schön zu sehen, wie er seinen Ruf wieder aufbaut“

Lampard hat damit auch seine größten Kritiker widerlegt. Bei der EFL-Preisverleihung am Sonntagabend wurde er als „Championship Manager of the Season“ ausgezeichnet.

„Nach der Art und Weise, wie er nach seiner zweiten Amtszeit bei Chelsea und seiner Zeit bei Everton dargestellt wurde, ist es schön zu sehen, wie er seinen Ruf wieder aufbaut“, freute sich der frühere Premier-League-Profi Curtis Davies bei Sky.

Der ehemalige Verteidiger fügte an: „Was Frank antreibt, ist seine Eigenmotivation. Er braucht weder das Geld noch muss er Trainer sein. Er will erfolgreich sein.“ Und genau das kann Lampard in der kommenden Saison auch wieder in der Premier League unter Beweis stellen.