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"Fàbregas hat nicht nur mich besser gemacht"

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Fàbregas „ein unglaublicher Trainer“

Marc Oliver Kempf spielt seit Ende August für Como, Aufsteiger der Serie A. Im SPORT1-Interview spricht der 30-Jährige über das Leben in der lombardischen Stadt, seinen Trainer Cesc Fàbregas und seinen Ex-Klub Hertha BSC.
Der italienische Fußballverein Como 1907 und die Stadt Como haben die erste Phase des Umbaus des Stadio Giuseppe Sinigaglia eingeleitet.
Marc Oliver Kempf spielt seit Ende August für Como, Aufsteiger der Serie A. Im SPORT1-Interview spricht der 30-Jährige über das Leben in der lombardischen Stadt, seinen Trainer Cesc Fàbregas und seinen Ex-Klub Hertha BSC.

Nicht weniger als 20 Neuzugänge hat Trainer Cesc Fàbregas im vergangenen Sommer zusammengetrommelt, um Aufsteiger Como, der 2017 noch in der vierten Liga spielte, für die Serie A zu rüsten. Einer von ihnen war Marc Oliver Kempf. Der 30-Jährige wechselte Ende August von Hertha BSC in die lombardische Stadt und etablierte sich auf Anhieb als Stammspieler.

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In der laufenden Saison steuert der Klub auf den sicheren Klassenerhalt zu, doch in Zukunft soll es noch höher hinausgehen gehen, bestätigt Kempf. Irgendwann wolle der Verein, an dem sich auch Thierry Henry einen kleinen Anteil gekauft hat, in der Serie A ganz oben mitspielen. Der Abwehrspieler gibt SPORT1 sein erstes Interview seit seinem Wechsel nach Italien und redet unter anderem über die Perspektiven des Projekts sowie die Zusammenarbeit mit Fàbregas.

SPORT1: Herr Kempf, wie ist es, im malerischen Como Fußball zu spielen, in einer Stadt, die als Tummelplatz der Schönen und Reichen bekannt ist?

Kempf: Es ist unglaublich schön hier. Die Stadt, die Leute und vor allem das Wetter. Bei uns hat der Frühling gefühlt längst angefangen, wir hatten auch im Winter viele sonnige Tage. Das ist toll - gerade, wenn man aus Berlin kommt, wo es zum Jahreswechsel oft etwas grauer ist. Und wer Como kennt und schon einmal hier war, der weiß genau, was der Ort und der See zu bieten haben.

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SPORT1: Die Umstellung auf das Leben in Italien fiel Ihnen also nicht schwer?

Kempf: Dadurch, dass ich überwiegend nur im Klub eingebunden bin, ist es sprachlich okay. Jeder kann mehr oder weniger gut Englisch. Da war die Integration nicht so schwer. Aber draußen ist es immer ein bisschen abenteuerlich. Wenn man was sucht, zum Beispiel im Baumarkt bestimmte Sachen wie Nägel, ist das alles nicht so einfach. Auf der anderen Seite ist es auch spannend und bringt einen als Mensch weiter.

SPORT1: Jetzt stehen sie als Aufsteiger auf Platz 13 und haben selbst 23 der 29 Ligaspiele bestritten. Was fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Kempf: Durchweg positiv. Ich kann mich über nichts beklagen. Ich bin Ende August nach Como gekommen, als die Saison schon lief. Da mein Konkurrent in der Innenverteidigung gleich ausgefallen ist, bin ich direkt in die Startelf gerutscht und habe glücklicherweise von Anfang an gute Leistungen gezeigt. Das half mir natürlich sehr, mich in der Mannschaft und in Italien zu integrieren.

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Fàbregas „weiß, worauf es ankommt“

SPORT1: Wie kam der Wechsel zustande, hat Cesc Fàbregas Sie persönlich angerufen?

Kempf: Kurz vor Ende der Transferperiode im Sommer erhielt ich von meinem Berater die Nachricht, dass Como interessiert sei. Wenig später rief mich der Coach an, wir führten ein zehn bis 15 Minuten langes Gespräch, um ein Gespür füreinander zu bekommen. Es ging um die sportliche Ausrichtung, wie er mich sieht und wie ich mich fühle. Er wollte wissen, was für ein Typ ich bin und ob ich ins Team passe. Raphaël Varane war damals verletzt. Deshalb brauchten sie noch jemanden in der Innenverteidigung. Dass Raphaël sogar seine Karriere beenden musste, war da noch nicht abzusehen.

SPORT1: Es muss eine große Ehre sein, von Fàbregas angerufen zu werden, weil er einen Ersatz für Varane sucht, einen viermaligen Champions-League-Sieger und Weltmeister von 2018.

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Kempf: Ja, das stimmt und war wirklich ein fantastisches Gefühl. Schon in der vergangenen Saison, als Como noch in der Serie B spielte, hat man gesehen, dass Fàbregas und Thierry Henry Magnete für große Namen sind. Was in den letzten Monaten an Transfers dazugekommen ist, mit tollen Jungs, die große Karrieren gemacht haben, macht es nochmal viel reizvoller, selbst ein Teil davon zu sein.

SPORT1: Fàbregas ist erst 37 Jahre alt. Was zeichnet ihn bereits jetzt als Trainer aus?

Kempf: Die Kombination aus seinem Fußballverständnis, seiner klaren Führung und seiner dennoch lockeren Art. Er spielte so viele Jahre auf internationalem Top-Niveau und stand bei den besten Vereinen Europas unter Vertrag. Da hat er jede mögliche Situation schon einmal erlebt. Er weiß, worauf es ankommt, auch in schwierigen Lagen. Wenn er dann bei uns mal durchgreift und einen ernsteren Ton anschlägt, hören wir Spieler umso genauer zu.

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Fàbregas? „Schon jetzt ein unglaublicher Trainer“

SPORT1: Hat Fàbregas Sie besser gemacht?

Kempf: Wenn man unsere Mannschaft sieht, merkt man schnell: Fàbregas hat nicht nur mich besser gemacht, er hat uns alle besser gemacht und ein Stück weit auf ein neues Niveau gehoben. Für mich ist er schon jetzt ein unglaublicher Trainer, obwohl seine Trainerkarriere gerade erst begonnen hat.

SPORT1: Fàbregas an der Seitenlinie, viele Altstars wie Torhüter Pepe Reina oder Sergi Roberto, junge Spieler wie Nico Paz, Anteilseigner Thierry Henry, die besondere geografische Lage - der Verein ist sehr interessant aufgestellt. Hat das Projekt Como eine rosige Zukunft?

Kempf: Ich will nicht zu groß pfeifen, aber das Ziel der Vereinsführung ist es sicherlich, in der Serie A bis ganz nach oben klettern zu können. Im Moment stehen wir im ersten Jahr nach dem Aufstieg auf Platz 13, obwohl uns oft das Spielglück und manchmal auch der Killerinstinkt fehlte. Aber wir waren immer konkurrenzfähig, hatten selbst gegen die Topteams immer die Chance zu punkten. So wie die Philosophie des Klubs gelebt wird, spürt man, dass sie nach oben wollen und das mit einem guten Plan umsetzen möchten. Man hat nicht das Gefühl, dass hier Geld zum Fenster hinausgeworfen wird. Hier hat alles Hand und Fuß. Alles wird drei- oder viermal durchdacht, bevor es umgesetzt wird.

SPORT1: Was waren bisher Ihre schönsten Erlebnisse in Italien?

Kempf: Für mich ist es die bisherige Zeit insgesamt. Wer meinen Werdegang ein bisschen kennt, der weiß, dass vor allem die Zeit in Berlin nicht die einfachste war. Hier in Italien lief es von der ersten Minute an super. Ich könnte keine Person im Verein nennen, über die ich sagen würde: Boah, der ist wirklich ein komischer Typ. Das tut einem sehr gut, da fühlt man sich generell richtig wohl.

SPORT1: Wo liegt denn der Reiz der Serie A? Ist Italien gar eine Art Sehnsuchtsort für Fußballer?

Kempf: Schon. Die Serie A hat einen extremen Reiz. Alles ist sehr, sehr eng beieinander. Natürlich stehen Inter und Napoli auch in dieser Saison wieder ganz oben, dennoch ist die Liga insgesamt unglaublich ausgeglichen. Jeder kann jeden schlagen und mit jedem kleinen Lauf können Mannschaften gleich enorm viel Boden gut machen. Aber es ist nicht nur das Sportliche. Auch menschlich stimmt es hier, der Umgang in den einzelnen Klubs ist super. Dazu kommt das gute Wetter und die generelle Schönheit des Landes.

„Froh, dass die Aufmerksamkeit nicht so groß wie bei Hummels ist“

SPORT1: Tauschen Sie sich auch mal mit anderen deutschen Spielern in Italien wie Robin Gosens oder Mats Hummels aus?

Kempf: Nur mit den Jungs, mit denen ich früher zusammengespielt habe. Mit Suat Serdar zum Beispiel, der im letzten Sommer zu Hellas Verona gewechselt ist, mit ihm treffe ich mich ab und zu. Aber zu Leuten, zu denen ich vorher keinen Kontakt hatte, habe ich auch jetzt keinen Kontakt.

SPORT1: Mats Hummels steht ständig im Rampenlicht der Medien - in einer Woche wird er zerrissen, ein paar Tage später wieder als König gefeiert. Sind Sie froh, dass Sie in Como so viel ruhiger arbeiten können?

Kempf: Ich bin ehrlich, ich weiß gar nicht, wie die italienischen Seiten aussehen. Aus dem einfachen Grund, weil ich die Sprache nicht verstehe (lacht). Ich bin auch nicht wahnsinnig präsent in den sozialen Medien, deshalb bekomme ich davon kaum etwas mit. Aber dass die mediale Aufmerksamkeit hier in Como nicht ganz so groß wie bei Mats in Rom ist, passt mir im Moment sehr gut.

„Hoffentlich schafft Hertha den Turnaround“

SPORT1: Verfolgen Sie Ihren Ex-Verein Hertha BSC und haben Sie noch Verbindungen nach Berlin?

Kempf: Ich schaue mir die Ergebnisse natürlich immer an. Gerade am Anfang, als ich noch im Hotel gewohnt habe, hatte ich viel Zeit, den Verein zu verfolgen. In den letzten Monaten und Jahren ist vieles etwas unglücklich gelaufen, das ist wirklich schade.

SPORT1: Also sehen Sie die Entwicklung in Berlin mit einem weinenden Auge?

Kempf: Auf jeden Fall. Ich habe den Verein im Guten verlassen und mich mit meinen ehemaligen Mitspielern sehr gut verstanden. Umso schmerzhafter ist es, dass die Hertha derzeit in einer so schlechten Situation steckt. Ich wünsche den Jungs und allen Verantwortlichen nur das Beste. Hoffentlich schaffen sie den Turnaround.

SPORT1: Käme eine Rückkehr nach Deutschland für Sie infrage oder könnten Sie sich vorstellen, länger in Como zu bleiben?

Kempf: Ich habe hier absolut nichts zu kritisieren (lacht). Es ist klar, dass der Fußball ein schnelllebiges Geschäft ist und es in einem halben Jahr wieder ganz anders aussehen kann. Aber darüber denke ich im Moment überhaupt nicht nach. Ich habe hier noch zwei Jahre Vertrag, den will ich erfüllen.