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Der neue Fußball-Riese im Paradies

Der neue Fußball-Riese im Paradies

Como ist bisher als Urlaubsparadies bekannt. Doch schon bald könnte ganz Europa den Fußballklub kennen.
Die Serie A ist eine der bekanntesten Ligen Europas. Hier gibt es Infos, Zahlen und Fakten zur italienischen Liga.
Como ist bisher als Urlaubsparadies bekannt. Doch schon bald könnte ganz Europa den Fußballklub kennen.

Nahezu jeder Italiener weiß bereits, wie es am Comer See aussieht. Das malerische Ambiente mit blauem Himmel, dem idyllischen See und den Ausläufern der Alpen im Hintergrund verbinden aber immer mehr Menschen nicht mehr nur mit Urlaub. Im Urlaubsparadies wächst aktuell ein Fußball-Schwergewicht heran.

Der Como 1907 mischt die heimische Serie A auf und könnte schon bald in Europa für Furore sorgen. Anfang Februar zog der Verein dank des 7:6-Erfolgs nach Elfmeterschießen über die SSC Neapel erst zum zweiten Mal in seiner Geschichte ins Halbfinale des italienischen Pokals ein. Der letzte Halbfinaleinzug liegt 40 Jahre zurück.

Im Hinspiel in der vergangenen Woche gab es zu Hause gegen Inter ein 0:0. Somit fällt die Entscheidung am 21. April in Mailand.

Auch in der Liga läuft es hervorragend. Im Dezember fiel das Überraschungsteam noch in ein kleines Loch und verlor drei Ligaspiele in Serie. Doch dann kam die Wende. In den zwölf Partien seitdem gab es nur eine weitere Pleite bei acht Siegen.

Como träumt von Champions League

Die Folge: Como kletterte immer weiter nach oben und steht nach dem 2:1 bei Cagliari erstmals in dieser Spielzeit auf Rang vier. Das würde zur Teilnahme an der Champions League berechtigen.

Dabei profitiert der Klub auch von seinen finanziellen Möglichkeiten. Dem mondänen Flair des Ortes konnten auch die schwerreichen indonesischen Brüder Michael Bambang Hartono und Robert Budi Hartono nicht widerstehen, deren Privatvermögen laut Forbes bei über 45 Milliarden Dollar liegt.

Das Bruderpaar, das im Besitz des indonesischen Tabak-Konzerns Djarum ist, wollte aber nicht nur die Idylle genießen, sondern hatte andere Pläne: 2019 stiegen sie – mit ihrem verlängerten Arm Mirwan Suwarso als Klubpräsident - bei Como 1907 ein.

Der Provinzklub, der in den 80er-Jahren (unter anderem mit dem deutschen Nationalspieler Hansi Müller) bereits eine Serie-A-Vergangenheit hatte, fristete bei der Übernahme ein eher tristes Dasein in der Serie D.

Seitdem erlebt der Verein einen schwindelerregenden Aufschwung, der hierzulande vielleicht noch am ehesten mit RB Leipzig oder der TSG Hoffenheim vergleichbar ist. Vor fünf Jahren beschäftigte Como fünf Angestellte, heutzutage sind es mehr als hundert.

Zudem ist der Marktwert der Mannschaft explodiert. Der Kader ist bereits mehr als 300 Millionen Euro wert.

Fàbregas ist Comos Anführer

Der große Star ist Nico Paz. Der offensive Mittelfeldspieler stammt aus der Jugend von Real Madrid und führt Regie. Neun Tore und sechs Vorlagen machen den 21-Jährigen zu einem gefragten Mann bei vielen Topklubs.

Doch er dürfte sehr viel kosten. Immerhin ist er bereits 65 Millionen Euro wert. Übrigens kam er für sechs Millionen Euro aus Madrid, was die Philosophie des Vereins zeigt. Denn trotz des scheinbar riesigen Budgets verzichten die Bosse auf teure Verpflichtungen von Stars.

Das wird auch dadurch untermauert, dass mit dem Ex-Herthaner Marc-Oliver Kempf, dem ehemaligen Hamburger Ignace Van der Brempt oder dem Ex-Bayern-Juwel Nicolas Kühn auch drei Spieler eine wichtige Rolle einnehmen, die es in der Bundesliga nicht schafften.

Doch ein Weltstar an der Seitenlinie schafft es seit Juli 2024, ein perfektes Puzzle zusammenzubauen. Dabei muss man wissen, dass der frühere Welt- und Europameister Fàbregas selbst ein paar Anteile am Klub besitzt, genauso wie im Übrigen sein früherer Teamkollege und Kumpel Thierry Henry.

Fàbregas lässt seine Elf spielen, wie er es selbst mit Spaniens Übermannschaft am liebsten mochte. Como setzt auf viel Ballbesitz, offensive und flinke Außenverteidiger sowie viel Bewegung im Angriff.

Neuer Fußball-Riese am Comer See?

Das große Ziel Königsklasse will der Coach aber noch nicht offiziell verkünden.

„Ich kann mich auf kein Ziel festlegen. Vergessen wir schließlich nicht, dass wir vor anderthalb Jahren noch in der Serie B gespielt haben. Wir müssen also ruhig vorgehen - Schritt für Schritt - und eine Kultur und Identität aufbauen, die uns helfen kann, Spiele zu gewinnen.“

Den Aufstieg verantwortet neben Fàbregas auch ein weiterer Mann im Hintergrund: Dennis Wise. Er ist seit 2021 CEO des Vereins und lief in seiner Karriere für Chelsea auf. Er erinnert an seine Anfänge. „Als wir ankamen, hatten wir kein Wappen, keine Akademie und keine Trainingsplätze - wir mussten alles mieten. Jetzt haben wir alles.“

Die indonesischen Pläne scheinen voll aufzugehen: Mittlerweile gilt es als schick, ein Teil des Projektes zu sein. In den kommenden Jahren will man die Wachablösung im italienischen Fußball vorantreiben.

Schon bald könnten also Fans aus ganz Europa Postkarten aus dem Urlaubsparadies nach Hause schicken, wenn sie ihre Teams in der Champions League an den Comer See begleiten.