Vier Wechsel in drei Jahren: In der Regel ist das im Fußball selten ein Zeichen für eine stabile und erfolgreiche Karriere. Das gilt auch für Randal Kolo Muani, der nun womöglich vor seiner letzten großen Chance steht, sich bei einem Spitzenklub durchzusetzen.
Die letzte große Chance für den 95-Millionen-Mann?
Ist das schon seine letzte Chance?
Am Sonntagabend fand das Missverständnis zwischen dem französischen Stürmer und Paris Saint-Germain endgültig sein Ende. Juventus Turin bestätigte die feste Verpflichtung des mittlerweile 27-Jährigen, der 2023 noch für 95 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt zu PSG gewechselt war.
Die medialen Angaben zur Ablösesumme, die Juve für Kolo Muani überweist, schwanken zwischen 38 und rund 41 Millionen Euro, hinzu können wohl bis zu zwölf Millionen an Boni kommen. Noch immer eine stolze Summe, aber nicht einmal die Hälfte der Mega-Summe von vor drei Jahren.
Hoher Druck bei PSG bremst Kolo Muani aus
Überraschend kommt diese Entwicklung allerdings nicht. Denn seit Kolo Muani nicht mehr das Eintracht-Trikot trägt, lief es für den Angreifer meist alles andere als rund.
In Paris lastete von Beginn an ein enormer Erwartungsdruck auf seinen Schultern – nicht zuletzt wegen des hohen Preisschilds. Zwar bekam Kolo Muani von Trainer Luis Enrique zunächst das Vertrauen geschenkt, doch der Nationalspieler konnte dieses mit durchwachsenen Leistungen nicht zurückzahlen.
Zehn Wochen nach seinem Wechsel standen wettbewerbsübergreifend lediglich drei Tore in elf Einsätzen zu Buche. Sein Standing schwand zunehmend, ebenso wie seine Rolle als Stammspieler.
„Ein Franzose bei PSG, vor allem einer, der 90 Millionen Euro gekostet hat, steht unter enormem Druck. Nicht jeder kann damit umgehen. Ich konnte es nicht“, blickte Kolo Muani später in einem Interview mit La Repubblica schonungslos zurück. „Ich hatte Chancen und habe sie nicht genutzt. Das tut weh.“
PSG-Taktik passte nicht zu seinen Stärken
Doch nicht nur die Erwartungshaltung spielte eine Rolle. Der extrem auf Ballbesitz ausgelegte Fußball, den Enrique oft spielen ließ, passte überhaupt nicht zu den Stärken des Franzosen. Kolo Muani lebt von Tiefenläufen, Tempo und Umschaltsituationen – genau das gab es bei PSG viel zu selten.
Ganz anders sah es zuvor in Frankfurt unter Oliver Glasner in der Saison 2022/23 aus. Die Hessen setzten auf schnelles Umschaltspiel, vertikale Pässe und Konter – ideale Voraussetzungen für Kolo Muani.
Bei der SGE konnte er nicht nur seine hohe Geschwindigkeit ausspielen, sondern genoss in der Offensive auch viele Freiheiten. Das führte zu seiner Fabelquote von 16 Toren und elf Assists in 34 Bundesligaspielen. Zudem war Kolo Muani zuvor ablösefrei aus Nantes nach Frankfurt gekommen. Der Druck war entsprechend deutlich geringer als später in Paris.
Bei Juventus blüht Kolo Muani vorübergehend auf
Dort wurde der Stürmer zu Beginn der Saison 2024/25 endgültig zum Ergänzungsspieler degradiert. Nach insgesamt 54 Pflichtspielen (elf Tore) schloss sich Kolo Muani im Januar 2025 dann erstmals Juventus an – für ein halbes Jahr auf Leihbasis.
Beim italienischen Rekordmeister konnte der Franzose tatsächlich wieder an seine Frankfurter Erfolgszeit anknüpfen. Acht Tore in 16 Ligaspielen sowie seine Fähigkeit, dem bis dahin oft behäbigen Juve-Angriff mehr Durchschlagskraft zu verleihen, überzeugten die Turiner Verantwortlichen.
Insgesamt sammelte Kolo Muani in 22 Partien 13 Scorerpunkte. Im Sommer wurde deshalb intensiv über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit verhandelt. Eine Einigung mit PSG scheiterte jedoch.
Tottenham-Leihe erweist sich als große Enttäuschung
Zugleich war klar, dass Kolo Muani in Paris keine Zukunft mehr hatte. Interessenten gab es aufgrund seines Aufschwungs bei Juve allerdings genug, und so wechselte er für ein Jahr auf Leihbasis zu Tottenham Hotspur in die Premier League.
Was dann folgte, hätten wohl die wenigsten erwartet: Für Kolo Muani lief es auf der Insel noch schlechter, als es in Paris der Fall gewesen war – zumindest gemessen an den nackten Zahlen.
In 30 Ligaspielen für die Spurs, die am Saisonende nur knapp dem Abstieg entgingen, gelangen dem Franzosen nur ein einziges Tor und eine Vorlage. In der Champions League waren es zwar immerhin vier Treffer in neun Partien, doch das konnte nicht verhindern, dass Kolo Muani in England als große Enttäuschung und Transfer-Flop abgestempelt wurde.
Keine WM: Deschamps verzichtet Kolo Muani
Von seiner früheren Durchschlagskraft fehlte nämlich jegliche Spur: Lediglich 31 Torschüsse in der gesamten Premier-League-Saison, von denen gerade einmal zehn wirklich auf das Tor kamen – wenig überraschend also, dass er sein einziges Ligator erst nach mehr als einem halben Jahr, beim 1:4 gegen Arsenal im Februar 2026, erzielte.
Vor diesem Hintergrund hielt sich auch der Aufschrei über Kolo Muanis Nichtberücksichtigung für die WM 2026 vergleichsweise in Grenzen. Die französische Presse sah die Entscheidung von Nationaltrainer Didier Deschamps viel mehr als logische Konsequenz.
Damit blieb Kolo Muani am Ende einer Katastrophensaison auch noch die Möglichkeit verwehrt, sein persönliches WM-Trauma aus dem Finale 2022 gegen Argentinien zu überwinden. Die Bilder von damals sind bis heute präsent: Es lief bereits die Nachspielzeit der Verlängerung, als der Stürmer beim Stand von 3:3 plötzlich frei vor Torhüter Emiliano Martínez auftauchte – und scheiterte.
Vielversprechende Ausgangslage bei Juventus
Ein paar Monate später sprach Kolo Muani in der L’Équipe über die tragische Szene im WM-Endspiel und meinte: „Es hätte mein Leben verändern können.“
Der besagte Satz gilt wohl auch jetzt wieder. Denn der feste Wechsel zu Juventus könnte Kolo Muanis Karriere ebenfalls nachhaltig verändern. Zwar kann er dort nicht zum Helden einer ganzen Nation aufsteigen, wohl aber seine ins Stocken geratene Laufbahn auf Kurs bringen.
Nicht nur seine Erinnerungen an seine erste Zeit in Turin sind positiv, auch die Ausgangslage erscheint vielversprechend: Unter Trainer Luciano Spalletti dürfte Kolo Muani als neue Nummer eins im Sturm eingeplant sein, nachdem Dusan Vlahović den Klub mit Ablauf seines Vertrages verlassen hat.
Außerdem wurde Transfer-Flop Lois Openda an Olympique Lyon verliehen. Neben Kolo Muani stehen Spalletti damit für das Sturmzentrum nur Jonathan David, der im Vorjahr schwankende Leistungen zeigte, sowie das von Genua verpflichtete Talent Jeff Ekhator zur Verfügung.
„Alles getan, um zurückzukommen“
Die Vorfreude beim Franzosen ist jedenfalls riesig: „Ich bin sehr, sehr glücklich und erleichtert. Ich wollte schon seit einiger Zeit zurückkommen, nun ist es endlich soweit“, frohlockte Kolo Muani bei seiner Vorstellung.
Er sei überzeugt, „dass diese Geschichte noch nicht zu Ende ist. Ich wollte sie zu Ende bringen, deshalb habe ich alles getan, um zurückzukommen, und wir werden diese wunderschöne Geschichte weiterschreiben.“
Ob seine Rückkehr zu Juve tatsächlich zur lang ersehnten Erfolgsgeschichte mit Happy End wird, muss sich aber erst noch zeigen.