Mangels sportlicher Erfolge werden bei Adana Demirspor die kleinen Dinge gefeiert. Stolz präsentierte der Klub am Wochenende einen neuen Trikotsponsor.
45 Minuspunkte! Traditionsklub am Abgrund
-45 Punkte! Traditionsklub stürzt ab
Das war es dann aber auch schon mit den positiven Schlagzeilen rund um den Absteiger aus der Süper Lig, dessen Absturz nach dem Abschied aus der ersten Liga ungebremst weitergeht.
Allein im Februar vermeldete der türkische Verband TFF gleich mehrere Punktabzüge, erst zwölf, dann noch einmal sechs Zähler. Das Punktekonto von Adana Demirspor weist damit ein beeindruckendes Minus von 45 Punkten auf.
Die drei Unentschieden in den bisherigen 28 Partien der zweiten türkischen Liga können die Bilanz nur unwesentlich aufhübschen. Die Tordifferenz von -109 Treffern spricht eine ebenso schockierend deutliche Sprache. 16 eigenen Toren stehen 125 Gegentreffer gegenüber.
Kein Wunder: Der Kader besteht fast nur aus Nachwuchsspielern – notgedrungen, aufgrund der Sanktionen der vergangenen Jahre. Einst wollten die „Blauen Blitze“ den türkischen Fußball aufmischen, doch die großen Träume platzten.
Adana Demirspor wollte mit Balotelli die Süper Lig aufmischen
26 Jahre nach dem Abstieg gelang 2021 der ersehnte Aufstieg in die Süper Lig. Es war gleichzeitig der Startschuss einer Transferoffensive, die für Aufsehen sorgte.
Neben den Ex-Schalkern Benjamin Stambouli und Younes Belhanda landete auch Skandal-Profi Mario Balotelli in Adana, mit mehr als 1,7 Millionen Einwohnern immerhin die fünftgrößte Stadt der Türkei.
Im gleichen Jahr tönte auch der damalige Präsident Murat Sancak anlässlich der Umwandlung des Klubs in eine Aktiengesellschaft: „Vielleicht werden jetzt einige traurig sein, aber ich bleibe Präsident, bis ich sterbe.“
Ex-Präsident Sancak im Fokus der Justiz
Eine Verhaftung Ende Dezember 2025 beendete schließlich seine Ära bei Adana Demirspor. Im Zuge von Ermittlungen wegen illegaler Wetten und Geldwäsche geriet auch Sancak in den Fokus der Behörden. Ende Januar wurde der schillernde Geschäftsmann zwar wieder freigelassen, aber zugleich unter Hausarrest gestellt.
Und sein Ex-Klub Adana Demirspor zahlt aktuell den Preis für die Skandale der vergangenen Jahre.
Zwar gingen die großen Träume zunächst in Erfüllung. Im zweiten Jahr nach dem Aufstieg führte Coach Vincenzo Montella den Außenseiter sogar auf Platz vier und damit in den Europapokal. Doch zugleich häufte Adana Demirspor weiter munter Schulden an.
Traditionsklub wegen Transfersperre im freien Fall
2024 setzte eine Transfersperre dem Gebaren ein Ende. Nach und nach verließen die Spieler den 1940 als Betriebssportverein der staatlichen Eisenbahngesellschaft gegründeten Klub. Und da keine Neuverpflichtungen getätigt werden durften, mussten die Talente aus dem eigenen Nachwuchs herhalten. Das Durchschnittsalter des aktuellen Kaders liegt laut transfermarkt.de bei nur 19,1 Jahren.
Abhilfe scheint so schnell nicht in Sicht. Die Transfersperre bleibt so lange in Kraft, bis alle ausstehenden Schulden beglichen sind.
Der Abstieg in die dritte Liga steht nach den Punktabzügen schon längst fest. Doch der freie Fall scheint damit noch längst nicht gestoppt.