Boxen>

Er opferte für seine Stadt eine Weltkarriere

Als ein Star geboren wurde

Im März 1952 kürt sich „Der König der Westfalenhalle“ zum Europameister. Für die Liebe zu seiner Stadt opfert der Held eine Weltkarriere.
1956 machte sich Heinz Neuhaus per Flieger auf den Weg zum kampf gegen den italienischen Europameister Frannesco Cavicchi
1956 machte sich Heinz Neuhaus per Flieger auf den Weg zum kampf gegen den italienischen Europameister Frannesco Cavicchi
© IMAGO/United Archives Keystone
Im März 1952 kürt sich „Der König der Westfalenhalle“ zum Europameister. Für die Liebe zu seiner Stadt opfert der Held eine Weltkarriere.

Heinz Neuhaus hatte immer wieder verrückte Ideen. Am 9. November 1954 machte sich der Box-Held mit dem Fahrrad beim Sechstagerennen in der Westfalenhalle von Dortmund auf eine Ehrenrunde - wohlgemerkt um halb fünf morgens.

Neuhaus stürzte über einen Fotografen, sprang aber sofort wieder auf und zog kurzerhand eine zweite Ehrenrunde durch. Dank solcher Momente lagen ihm die Herzen der Deutschen und vor allem der Dortmunder zu Füßen.

Doch auch aufgrund seiner sportlichen Leistungen erarbeitete sich „Der Lange“ mit seinen 1,88 Metern einen hervorragenden Ruf. Der gebürtige Iserlohner schwang sich knapp eineinhalb Jahre vor dem kuriosen Rad-Unfall zum Europameister im Schwergewicht auf. Am 9. März 1952, also genau vor 74 Jahren, schlug der Linksausleger den Belgier Karel Lys in der Westfalenhalle.

Neuhaus der nächste Star nach Schmeling

In Zeiten, in denen Max Schmeling eine riesige Begeisterung für das Boxen ausgelöst hatte, wurde Neuhaus zum nächsten Star - und hatte ein Wohnzimmer.

Weil er seine Stadt so liebte, kämpfte Neuhaus fast immer in der Westfalenhalle und wurde schließlich sogar zum „König der Westfalenhalle“ umgetauft.

Am 14. April 1926 geboren, hatte das spätere Boxidol erst andere Interessen: Fußball und Leichtathletik bestimmten seinen Alltag. Mit elf Jahren kam der Junge aus dem Ruhrgebiet dann zum Boxen und ein steiler Aufstieg begann. Mit nur 16 Jahren holte Neuhaus als Teenager den Titel bei den Deutschen Meisterschaften. Nur ein Jahr später stieg der Heranwachsende bereits ins Schwergewicht auf.

Dieser Schritt erwies sich als Glücksgriff, allerdings erst mit Verspätung. Denn der Zweite Weltkrieg inklusive Kriegsgefangenschaft verhinderten zunächst eine Karriere als Boxer.

Neuhaus wurde zum „König der Westfalenhalle“

Doch 1949 begann die Laufbahn als Profiboxer für den gelernten Maschinenbauschlosser dann wirklich. Europameister im Schwergewicht war Neuhaus von 1952 bis 1955. Den Deutschen Meistertitel hatte er von 1952 bis 1955 und von 1956 bis 1957 inne.

In seiner gesamten Karriere ab 1949 boxte Neuhaus alle Kämpfe, die ihm angeboten wurden. Nie lehnte er ab. Stets freuten sich die Zuschauer über spektakuläre Kämpfe. Denn ein Mann der großen Taktik war „Der König der Westfalenhalle” nie.

Kurios: Der legendärste Moment von Neuhaus spielte sich aber nicht in seinem zweiten Wohnzimmer ab, sondern im Dortmunder Stadion Rote Erde vor 50.000 Zuschauern im Juli 1952.

Seinen Kontrahenten Hein Ten Hoff schlug Neuhaus in der ersten Runde k. o. - und der Gegner brach sich beim Sturz auf den Ringboden das Bein.

Neuhaus wollte nicht weg aus Dortmund

Viele Experten und Fans warteten nur darauf, dass der deutsche Star auch die weite Welt erobert - wie Schmeling einige Jahre zuvor.

Doch Neuhaus wollte nicht weg aus Dortmund und so wurde aus großem Ruhm auf der ganzen Erde nichts. Das Können hätte Neuhaus wohl gehabt. Am 12. September 1954 besiegte „Der Lange“, natürlich in der Westfalenhalle, den US-Amerikaner Dan Bucceroni. Dieser wurde in der Weltrangliste des US-amerikanischen Boxsport-Fachblattes The Ring an Nummer drei geführt.

Doch mit den Jahren häuften sich auch die schweren Niederlagen. Der Kubaner Nino Valdés, der Deutsche Hans Kalbfell und der schwedische Ex-Weltmeister Ingemar Johansson schickten den Ruhrpottler jeweils auf die Bretter.

Neuhaus eng mit der Westfalenhalle verbunden

So trat Neuhaus am 26. September 1958 mit nur 32 Jahren ab. 40 Jahre später, am 6. April 1998, starb die Legende schließlich überraschend an einem Lungenkarzinom.

Seine Stadt Dortmund hat einen seiner Helden aber bis heute nicht vergessen. 2019 wurde eine Starße nach dem Boxer im Stadtteil Dortmund-Lücklemberg benannt. Von dort sind es gerade einmal sechs Kilometer bis zur Westfalenhalle.