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Dank Flunkerei zur DDR-Ikone - sie wuchs über sich hinaus

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Flunkerei ermöglichte Sportgeschichte

Rosemarie Ackermann hat mit ihrem historischen Sprung über zwei Meter im Jahr 1977 unvergessliche Spuren in der Sportgeschichte hinterlassen. Am 4. April 2025 feiert sie ihren 73. Geburtstag.
Rosemarie Ackermann gilt als DDR-Ikone
Rosemarie Ackermann gilt als DDR-Ikone
© IMAGO/Laci Perenyi
Rosemarie Ackermann hat mit ihrem historischen Sprung über zwei Meter im Jahr 1977 unvergessliche Spuren in der Sportgeschichte hinterlassen. Am 4. April 2025 feiert sie ihren 73. Geburtstag.

Der Sprung in die sportliche Unsterblichkeit begann mit einer kleinen Schummelei. „Ich war in Wirklichkeit nur 1,73,5 Meter groß, aber ich habe damals 1,75 Meter angegeben, weil das die Mindestgröße für die Hochsprung-Karriere in der DDR war“, gestand Rosemarie Ackermann einst dem SID.

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Eine notwendige Flunkerei, ohne die die Leichtathletikwelt um einen historischen Moment ärmer geblieben wäre. Denn aus der vermeintlich zu kleinen Hochspringerin wurde eine ganz Große.

Am 26. August 1977 schrieb die damals 25-Jährige im West-Berliner Olympiastadion Geschichte, als sie als erste Frau weltweit die magische Zwei-Meter-Marke überwand.

„Als ich auf der Matte landete, habe ich die Hände vor dem Gesicht zusammengeschlagen, weil ich die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte“, erinnerte sich Ackermann an den Moment, der ihr Leben für immer veränderte.

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„Es war mucksmäuschenstill“

Es war exakt 20.14 Uhr, als die Lausitzerin im Straddle-Stil – von ihr liebevoll „Wälzer“ genannt – bäuchlings die Latte überflog.

„Es war mucksmäuschenstill im Stadion. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können“, beschrieb Ackermann den Moment vor ihrem Anlauf. „Dann bin ich abgesprungen, und ich merkte schon über der Latte, dass sie liegen blieb.“

Dabei war der Rekordsprung fast nebenbei entstanden. Erst am Nachmittag war die die heute 73-Jährige mit einer kleinen DDR-Athletengruppe aus dem Trainingslager in Kienbaum in den Westen der geteilten Stadt gereist. Der Wettkampf sollte eigentlich nur als Aufbau für den anstehenden Weltcup dienen.

„Ich stellte bei 1,97 meinen Weltrekord ein und habe mir dann gesagt, jetzt muss du auch mal die zwei Meter probieren“, schilderte Ackermann ihre Gedanken. Die Traumhöhe glückte im ersten Anlauf. Bei 2,02 Metern war dann die Spannung raus.

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Mehr als nur ein Hochsprung-Rekord

Ihren Platz in den Geschichtsbüchern sicherte sich Ackermann nicht nur als Rekordbrecherin, sondern auch als letzte Hochsprung-Königin der alten Schule.

Während die Konkurrenz längst auf den Fosbury-Flop umgestiegen war, blieb sie ihrer Technik treu. „Den Flop habe ich damals auch probiert. Ich schaffte 1,82 Meter. Aber eine Umstellung wäre zu schwierig gewesen“, erklärte sie.

Die sportliche Sternstunde brachte ihr 1.500 DDR-Mark an Rekordprämie und die Titel „DDR-Sportlerin des Jahres“ sowie „Weltsportlerin 1977″ ein. Die vom Veranstalter angebotenen 10.000 D-Mark – „ein Koffer voller Geld“ – durfte sie nicht annehmen.

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„Behalten durfte ich lediglich eine Brosche, die es bei der Siegerehrung gab“, verriet Ackermann.

Ackermann: „Olympiasieg war wertvollere Leistung“

Ein bisschen bedauerte die Sportikone, dass ihr Name fast ausschließlich mit diesem einen Sprung verbunden bleibt: „Immer nur denken die Leute an diese Leistung. Dabei sprang ich insgesamt sieben Weltrekorde. Und mein Olympiasieg 1976 war sicher die wertvollere Leistung.“

Dennoch: Der Tag im August 1977 bleibt unvergesslich.

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Auch noch Jahre nach ihrem Erfolg brauchte sie „ein paar Minuten, um mich zu sammeln“, wenn sie das Berliner Olympiastadion betrat: „Denn dann läuft sofort der Film des Sprungs vor meinem inneren Auge ab.“

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)