Erinnert man sich an die Sportlerinnen und Sportler aus der DDR zurück, liegen Bestleistungen und Doping-Makel oft nahe beieinander. So auch bei einer der erfolgreichsten Sportlerinnen des Landes - deren Leben heute vor fünf Jahren nach langer Krankheit endete.
Der Makel ihres Gold-Coups bei Olympia offenbarte sich über 20 Jahre später
Eine DDR-Legende mit Makel
Kugelstoßerin Margitta Gummel war erfolgreiche Leichtathletin, Weltrekordlerin und Olympiasiegerin - und nach ihrer Karriere weiterhin eine vielgerühmte Persönlichkeit, die auch im vereinten Sportdeutschland eine Funktionärsrolle spielte. Enthüllungen über ihre Rolle im Staatsdoping-Programm änderten das jedoch.
Margitta Gummel: Olympiasiegerin im Kugelstoßen
Die 1,77 Meter große Gummel, geboren am 29. Juni 1941 in Magdeburg, entwickelte sich in den sechziger Jahren zu einer der besten Kugelstoßerinnen der Welt: In der Olympia-Saison 1968 brach sie mit 18,87 Metern den Weltrekord und gewann schließlich in Mexiko City auch die Goldmedaille vor Landsfrau Marita Lange - wobei sie die Bestmarke nochmal um fast einen Meter steigerte, auf damals sagenhafte 19,61 Meter.
Wenige Tage nach dem berühmten Jahrhundertsprung von Bob Beamon führte auch Gummel ihre Sportart an gleicher Stelle in eine neue Dimension. In ihrer Heimat wurde sie dafür als Sportlerin des Jahres ausgezeichnet - und bekam den Vaterländischen Verdienstorden in Silber.
Über viele Jahre hinweg prägte Gummels Rivalität mit Nadeschda Tschischowa aus der Sowjetunion. Die viermalige Europameisterin Tschischowa, in Mexiko noch auf Platz 3 verwiesen, war vier Jahre später in München die Siegerin vor Gummel. Tschischowa steigerte den Weltrekord im Olympiastadion auf 21,03 Meter - die beiden Konkurrentinnen schoben das Level in den Jahren zuvor immer weiter nach oben.
Doping-Enthüllungen hatten Folgen
Das Olympia-Jahr 1972 war das letzte in Gummels aktiver Karriere, Gummel wurde 1976 Mutter einer Tochter und promovierte in Medizin. Dem DDR-Sport blieb sie als Funktionärin in diversen Verbänden verbunden, nach der Wende gehörte sie auch dem gesamtdeutschen NOK (Nationales Olympisches Komitee) an.
Im Jahr 1992 geriet Gummel allerdings durch Recherchen der bekannten Doping-Forscherin Brigitte Berendonk in Bedrängnis: In einer Studie, die Berendonk nach der Wende zugespielt worden war, wurde Gummel als die erste Anabolika-Testperson im staatlichen Dopingprogramm der DDR beschrieben.
Auch kurz vor ihrem Olympiasieg erhielt sie das berüchtigte Mittel Oral-Turinabol. Federführend an selbiger Studie beteiligt war seinerzeit Karl-Heinz Bauersfeld, Professor für Theorie und Methodik der Leichtathletik an der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig, - und Trainer von Gummel.
Dass die von den Ostblock-Ländern geprägte Weltspitze im Kugelstoßen - wie viele andere Leichtathletik-Disziplinen - zu Zeiten des Kalten Krieges schwer dopingverseucht war, war damals ein offenes Geheimnis und gilt heute als Allgemeinwissen.
Dennoch waren die Offenbarungen für Gummel ein schwerer Rufschaden: Noch im Jahr zuvor hatte sie versichert, „strikt gegen Doping“ zu sein und behauptet, dass das Thema zu ihrer Zeit noch „in den Anfängen“ gesteckt hätte.
Ihre Stellung im NOK verlor Gummel, die sich nach der Wende in Niedersachsen niederließ. Sie starb am 26. Januar 2021 im Alter von 79 Jahren.