Im Schatten des Buckingham Palace holte der neue Marathon-König Sebastian Sawe noch einmal alles aus sich heraus, er biss, er stürmte zum Ziel, er zog voll durch – und schrieb mit seinem unglaublichen Fabellauf in London Geschichte. Nur 1:59:30 Stunden brauchte der Kenianer für 42,195 Kilometer – als erster Läufer überhaupt hat Sawe in London die Marathon-Schallmauer von zwei Stunden geknackt.
Marathon-Sensation: Sawe knackt 2-Stunden-Schallmauer – Weltrekord!
Fabel-Weltrekord beim Marathon
„Ich bin so glücklich. Das ist für mich ein unvergesslicher Tag“, sagte Sawe der beim Zieleinlauf seine Arme weit ausbreitete, mit beiden Händen das Victory-Zeichen machte und sich anschließend bekreuzigte: „Als ich die Zeit sah, war ich total begeistert.“
Sawe, der im September auch in Berlin triumphiert hatte (2:02:16), machte vom Start weg sofort ernst und legte ein Höllentempo vor. Doch der 29-Jährige brach nicht etwa ein, sondern gab mit seinen weniger als 100 Gramm schweren Hightech-Schuhen auf den letzten Kilometern sogar noch einmal Gas. Rückenwind an der Themse trieb ihn ebenfalls an. Am Ende verbesserte Sawe den alten Weltrekord seines Landmanns Kelvin Kiptum aus dem Jahr 2023 um sagenhafte 65 Sekunden.
Kejelcha ebenfalls unter zwei Stunden
Hinter dem Titelverteidiger blieb der Zweite Yomif Kejelcha (Äthiopien) bei seinem Marathon-Debüt im schnellsten Rennen der Geschichte in 1:59:41 Stunden ebenfalls unter zwei Stunden. Auch der Dritte Jacob Kiplimo (2:00:28/Uganda) unterbot die alte Weltrekordzeit von Kiptum.
Vor knapp sieben Jahren war Lauf-Ikone Eliud Kipchoge in Wien in 1:59:40 Stunden als erster Mensch einen Marathon unter zwei Stunden gelaufen, damals fand das Event allerdings unter Laborbedingungen statt – deshalb fand die Zeit keinen Eintrag in die offiziellen Ergebnislisten. 2388 Tage später legte Sawe nun ganz regulär nach.
„Als das Ziel näher rückte, habe ich mich immer noch stark gefühlt“, sagte Sawe, der hinterher stolz mit seinem Schuh, auf den seine Zeit gekritzelt wurde, für die Kameras posierte: „Ich möchte mich beim Publikum bedanken, es hat mir sehr geholfen.“ Die Fans hätten ihn noch einmal mehr „angetrieben“.
Sawe im Schnitt über 22 km/h schnell
Ein Blick auf die Zwischenzeiten verrät, dass Sawe tatsächlich auf den letzten Kilometern immer schneller wurde. Während sein Tempo während der meisten Zeit bei rund 21 km/h lag, zündete er ab Kilometer 30 den Turbo. Zum Schluss lag Sawes Tempo im Schnitt bei über 22 km/h.
Bei dem entfesselten Aufritt von Sawe hatte Amanal Petros keine Chance auf die angestrebte Verbesserung seines deutschen Rekordes. Der Vizeweltmeister von Tokio verlor nach 25 Kilometern an Tempo und landete im Ziel nach 2:08:31 Stunden auf Rang 15.
Bei den Frauen wiederholte nach den Absagen der Olympiasiegerinnen Sifan Hassan (Niederlande/2024) und Peres Jepchirchir (Kenia/2021) Tigst Assefa mit einem starken Finish ihren Triumph aus dem Vorjahr. Mit ihrer Zeit von 2:15:41 Stunden verbesserte die Äthiopierin auch ihren Rekord für ein reines Frauen-Rennen um neun Sekunden.