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Bei der Leichtathletik-EM fiel eine neue deutsche Stärke auf

Eine neue deutsche Stärke

Deutschlands Leichtathleten überzeugen bei der EM nicht nur mit Medaillen und Bestleistungen. Vor allem ein neues Anspruchsdenken und eine bemerkenswerte Unzufriedenheit machen Hoffnung – weit über Birmingham hinaus. Der SPORT1-Kommentar.
Julia Ulbricht hat sich im Speerwerfen sensationell die Silber-Medaille gesichert und für die wohl größte Überraschung des Abends bei der Leichtathletik-EM gesorgt. Gold gab es für Frederik Ruppert im 3000-Meter-Hürdenlauf.
Deutschlands Leichtathleten überzeugen bei der EM nicht nur mit Medaillen und Bestleistungen. Vor allem ein neues Anspruchsdenken und eine bemerkenswerte Unzufriedenheit machen Hoffnung – weit über Birmingham hinaus. Der SPORT1-Kommentar.

21 Medaillen, darunter sechs Mal Gold. Eine beeindruckende Bilanz der deutschen Leichtathleten bei der EM in Birmingham – das Ergebnis der EM 2024 in Rom (11-mal Edelmetall) wurde beinahe verdoppelt. Dabei stach häufig eine mentale Stärke ins Auge, wie bei Speerwerfer Julian Weber oder Zehnkämpfer Leo Neugebauer.

Neben Medaillen und persönlichen Bestleistungen ist das (neue) deutsche Anspruchsdenken, das sich an mehreren Beispielen zeigte, mindestens genauso wichtig und erfrischend.

Deutschlands neue Gier wird sichtbar

Karl Bebendorf gab nach seiner Bronzemedaille über 3000 Meter Hindernis zu, mit einer anderen Farbe geplant zu haben (Gold gewann Teamkollege Frederik Ruppert). Owe Fischer-Breiholz war nach seinem fünften Platz über 400 Meter Hürden völlig bedient und auch im ARD-Interview kaum zu bremsen.

Und Weitspringerin Malaika Mihambo, die schon alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt, wirkte nach ihrer verpassten Medaille untröstlich. Sie gab zwar an, dass die Niederlage „völlig okay“ sei, ihr Ehrgeiz aber war dennoch klar erkennbar. Selbst Hindernisläuferin Lea Meyer wollte offenbar – auch wenn es ihr nicht ganz gelang – in ihrem Wut-Interview vor allem ausdrücken, dass sie es allen zeigen und sportlich zurückschlagen werde.

Dieses Selbstbewusstsein macht Mut

Mehr von diesem neuen Selbstbewusstsein, das auch DLV-Vorstand Jörg Bügner herausstellte, dieser Gier, dieser Unzufriedenheit, dann wird auch die WM 2027 in Peking ein Erfolg. Erstmal unabhängig davon, wie viele Medaillen dort herausspringen. Denn bei aller Euphorie über die Erfolge in Birmingham – vor allem auf der Laufbahn warten im weltweiten Kräftemessen bisweilen ganz andere Kaliber.

Das beste deutsche EM-Ergebnis seit Budapest 1998 muss entsprechend gewürdigt und dann realistisch eingeordnet werden und als Motivationsspritze dienen.

Nicht nur die Leichtathleten überzeugen

Um den deutschen Spitzensport muss einem mit Blick auf Olympia 2028, anders als nach vergangenen Großereignissen befürchtet wurde, nicht bange sein. Das verdeutlichen auch die Erfolge bei den parallel ausgetragenen Wettkämpfen im Schwimmen, wo sich vor allem Weltrekordler Johannes Liebmann einen Namen machte, im Reiten oder der Rhythmischen Sportgymnastik.

Gerade nach der wieder einmal enttäuschenden WM der Fußballer war es in den vergangenen Tagen eine Freude, auf den deutschen Sport zu schauen – und auf Athleten, die aus unterschiedlichen Gründen zu (sportlichen) Vorbildern wurden.