Der US-amerikanische Freeclimber Alex Honnold hat für ein spektakuläres Ausrufezeichen gesorgt. Am Sonntag erklomm er den Wolkenkratzer Taipei 101 in Taiwans Hauptstadt ohne jede Sicherung und erreichte nach rund 90 Minuten die Spitze des 508 Meter hohen Turms. Es war die höchste Free-Solo-Kletteraktion an einem Gebäude in einer Stadt – und zugleich die erste ungesicherte Besteigung des ikonischen Wolkenkratzers.
Er riskierte sein Leben: Irrer Erfolg live bei Netflix
Lebensgefährlicher Erfolg bei Netflix
„Ich bin total gehypt, unglaublich!“, zeigte sich Honnold im Nachhinein euphorisiert. Zunächst schoss der 39-Jährige ein Selfie, anschließend winkte er den jubelnden Zuschauern am Boden zu und ergänzte: „Es ist großartig.“ Mehrere Tausend Menschen hatten sich rund um den Tower versammelt.
Die waghalsige Aktion wurde live vom Streamingdienst Netflix mit einer Zeitverzögerung von zehn Sekunden übertragen. Medienwissenschaftler hatten die Live-Ausstrahlung im Vorfeld teils massiv kritisiert. „Menschen dabei zuzusehen, wie sie sich in eine Todesrisiko-Situation begeben, halte ich persönlich für ethisch nicht vertretbar“, sagte der deutsche Medien- und Sportwissenschaftler Thomas Horky dem Schweizer Rundfunk SRF.
Honnold erhält sechsstelligen Dollarbetrag
Ursprünglich war die Besteigung bereits für Samstagmorgen geplant gewesen, musste jedoch wegen Regens kurzfristig abgesagt und auf Sonntag verschoben werden. „Wir sind auf die Gnade der Natur angewiesen“, hatte Honnold zuvor betont. In den Tagen vor der Aktion hatte der US-Amerikaner den Turm mehrfach mit Seil erkundet. Insgesamt bereitete er sich rund zweieinhalb Monate gezielt auf die Herausforderung vor.
Ganz neu war die Besteigung des Taipei 101 allerdings nicht: Der französische Kletterer Alain Robert hatte den Wolkenkratzer bereits 2004 im Rahmen der Eröffnung erklommen – gesichert. Honnold wiederholte die Aktion nun erstmals ohne jegliche Absicherung. Für den riskanten Auftritt soll Honnold von Netflix einen mittleren sechsstelligen Dollarbetrag erhalten haben, wie die New York Times unter Berufung auf anonyme Quellen berichtete.
Der Kletterer selbst erklärte gegenüber der US-Zeitung, es handle sich um einen „peinlich hohen Betrag“. Honnold hätte den Wolkenkratzer aber auch ohne Bezahlung besteigen, versicherte er.