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Skibergsteigen-Eklat: DAV sperrt drei Whistleblower-Athleten

Zoff eskaliert: Deutsche aussortiert

Die betroffenen Athleten hatten zuletzt schwere Vorwürfe geäußert. Laut DAV habe sich das Teamklima nun "erheblich verschlechtert."
Im deutschen Skibergsteigen kehrt keine Ruhe ein
Im deutschen Skibergsteigen kehrt keine Ruhe ein
© AFP/SID/Fabrice COFFRINI
Die betroffenen Athleten hatten zuletzt schwere Vorwürfe geäußert. Laut DAV habe sich das Teamklima nun "erheblich verschlechtert."

Der Ärger im deutschen Skibergsteigen hat die nächste Eskalationsstufe erreicht. Wie der Deutsche Alpenverein (DAV) am Mittwoch mitteilte, dürfen die drei Kader-Athletinnen und -Athleten, die zuletzt heftige Vorwürfe gegenüber dem Verband geäußert hatten, vorläufig nicht mehr an internationalen Wettkämpfen im Skibergsteigen im Rahmen des DAV-Kaders antreten.

Der DAV begründete diesen Schritt mit der „in den vergangenen Wochen deutlichen angespannten Situation innerhalb des Skimo-Teams.“

Teamklima zerrüttet – geordneter Trainingsbetrieb in Gefahr

Mehrere Athletinnen und Athleten sowie Mitglieder des Trainer- und Betreuerstabs hätten gegenüber der DAV Leistungssport gGmbH zum Ausdruck gebracht, „dass sich das Teamklima erheblich verschlechtert hat und unter den aktuellen Umständen ein geordneter Trainings- und Wettkampfbetrieb nicht mehr verlässlich gewährleistet ist.“

Die Entscheidung sei „nicht leicht gefallen“, sagte DAV-Präsident Roland Stierle, jedoch brauche Leistungssport „ein Umfeld, in dem Vertrauen und Zusammenarbeit möglich sind“.

Hintergrund der Debatte sind die Vorwürfe von insgesamt drei Athleten, darunter Sophia Weßling und Felix Gramelsberger, wonach es bei einem leistungsdiagnostischen Test im April 2024 gravierende Mängel bei den Hygienestandards bei Blutabnahmen gegeben habe, zudem seien Sicherheitsmaßnahmen bei Belastungstests nicht eingehalten worden.

Strafanzeigen gegen Führungsduo – Staatsanwaltschaft ermittelt

Weßling und Gramelsberger hatten sich im Februar in der Sportschau erstmals öffentlich hierzu geäußert, während die Skibergsteiger in Bormio ihre olympische Premiere feierten.

Zudem stellten die insgesamt drei Athletinnen und Athleten Strafanzeige wegen Nötigung und gefährlicher Körperverletzung gegen den Sportlichen Leiter Herrmann Gruber und den ehemaligen Bundestrainer Maximilian Wittwer. Die Staatsanwaltschaft Traunstein nahm Ermittlungen auf, Gruber wurde auf eigene Bitte vom DAV von seinen Aufgaben freigestellt.

Im Vorfeld der nun getroffenen Entscheidung des vorläufigen Ausschlusses der drei Athletinnen und Athleten hatte der DAV eine Kanzlei mit der Prüfung der eingegangenen Hinweise beauftragt. In der Einschätzung der Kanzlei heiße es, dass teils eine „Angstatmosphäre“ herrsche, „die auf das Verhalten der Vorwürfe erhebenden Personen zurückgehe.“

Der DAV betonte, dass die nun getroffene Maßnahmen „keine Bewertung der gegen die drei Athlet*innen geäußerten Hinweise darstellt und ebenfalls keine Reaktion auf die ursprünglichen Hinweise dieser drei Athlet*innen ist. Hinweisgeber sollen und können sich auch künftig ohne Sorge vor Repressalien äußern.“