Auf den ersten Blick klingt das Projekt verrückt. Und auf den zweiten auch. Arda Saatci will innerhalb von vier Tagen 600 Kilometer laufen. Nicht irgendwo, sondern in einer der unwirtlichsten Gegenden der Welt: Vom tiefsten Punkt Nordamerikas quer durchs Death Valley bis nach Los Angeles zum Santa Monica Pier. Warum tut man sich das an?
Influencer will 600 Kilometer in 96 Stunden laufen - das ist seine Motivation
Extremsportler wagt irre Challenge
„Es geht mir nicht nur um die sportliche Richtung“, sagt Saatci im Gespräch mit SPORT1 am Rande der Icon League. „Ich wachse auch enorm mental bei diesen Geschichten. Ich lerne sehr viel über mich selber. Diese Erfahrung möchte ich haben und sie so gut es geht mit den Leuten da draußen teilen. Deswegen versuche ich, den Content so transparent wie möglich zu gestalten, sodass die Leute eventuell auch etwas für ihr Leben mitnehmen können.“
Der 28 Jahre alte gebürtige Berliner ist Extremsportler und hat sich dem Ultrarunning, also dem Laufen extremer Distanzen, verschrieben. 2024 lief er bereits 3.000 Kilometer von Berlin nach New York. Seine Route verlief dabei zunächst bis Porto, den Atlantik überquerte er im Flugzeug nach Boston, von dort lief er bis zum Times Square. Die geflogenen Kilometer wurden bei seiner Laufdistanz nicht berücksichtigt. Im vergangenen Jahr durchquerte Saatci Japan der Länge nach, die 3.028 Kilometer schaffte er dabei in 43 Tagen.
Extremsportler Saatci will „etwas Gutes hinterlassen“
Und nun also die USA. Los geht es in Badwater, 86 Meter unter dem Meeresspiegel, der tiefste Punkt Nordamerikas. Auf seinem Weg nach L.A. muss Saatci über 6.000 Höhenmeter bewältigen und das Death Valley, in dem es im Sommer über 50 Grad Celcius heiß werden kann, durchqueren. Die gesamte Strecke entspricht über 14 Marathons in vier Tagen.
Auf seinem Weg ist er nicht allein. Virtuell folgen dem „Fitness-Cyborg“, wie er sich selbst in den Sozialen Medien nennt, Millionen. Sein Lauf durchs Death Valley kann bei Twitch im Livestream verfolgt werden.
Er wolle mit seinen Projekten „etwas Gutes hinterlassen“, wie Saatci weiter erklärt: „Dass die Jugend sich gefühlt keine Grenzen im Kopf setzen soll, weil ich auch einfach nur ein junger Mann aus der Nachbarschaft bin, der versucht, sein Bestes zu geben und seinen Lebenstraum zu erreichen.“
„Es kann sein, dass ich gar nicht schlafe“
Und wie handhabt er das in den kommenden vier Tagen mit dem Schlaf? „Das kommt darauf an, wie gut ich in der Zeit liege. Ich hoffe, dass ich ein bisschen Zeit habe, um auch zu schlafen. Das wird maximal mal eine Stunde oder 90 Minuten am Stück sein.“ Es werde wohl eher auf maximal halbstündige Power-Naps hinauslaufen, ergänzt Saatci: „Es kann auch sein, dass ich gar nicht schlafe. Das wird sich dann zeigen.“
Ursprünglich hatte Saatci wie so viele Jugendliche den Traum, Profifußballer zu werden. Noch heute bezeichnet er Cristiano Ronaldo als sein Vorbild. „Das ist immer noch ein Kindheitsheld.“ Doch im Alter von 13 Jahren musste er diesen Traum aufgeben und fand im Extremsport eine neue Leidenschaft.
Inspiriert haben ihn im Sport nach eigener Aussage viele. Aber darüber hinaus bleiben seine Eltern seine größten Idole. „Mein Vater hat mir Disziplin beigebracht“, sagt Saatci. Von der Mutter habe er die emotionale Komponenten mitgegeben bekommen, „dass man immer ein reines Herz haben und ehrlich mit dn Mitmenschen umgehen sollte“.