Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten, ein einzelner Snooker-Frame kann auch schon mal über 100 Minuten dauern. Zu dieser Rekordlänge kam es zumindest beim Halbfinale der Snooker-WM zwischen Wu Yize und Mark Allen.
"Blamage": Absurder Rekord bei Snooker-WM sorgt für Ärger
„Blamage“: WM-Rekord sorgt für Ärger
Der 14. Frame wurde zum längsten der WM-Geschichte. Den bisherigen Rekord im Crucible Theatre hielten Yan Bingtao und Mark Selby, die 2022 immerhin eine Stunde und 25 Minuten für einen Frame brauchten.
Wie es dazu kommen konnte? Die schwarze Kugel blockierte die – aus Sicht der TV-Zuschauer – untere rechte Ecktasche, anschließend schoben die Spieler die acht verbliebenen roten ebenfalls in dieses Eck. So war es unmöglich geworden, einen roten Ball einzulochen.
Snooker-WM: Zuschauer fordert sogar Neustart
Die Spieler bewegten die roten Bälle nur noch ganz vorsichtig, was dazu führte, dass über 50 Minuten lang kein Ball in eine Ecktasche rollte. Das Bild auf dem Tisch blieb quasi unverändert. Die Zuschauer machten sich zunächst ihren Spaß daraus und bejubelten ironisch das Safety-Spiel der beiden.
Der deutsche Schiedsrichter Marcel Eckardt fand die ganze Situation weniger lustig und ermahnte diese: „Das wollen wir hier nicht, beruhigen Sie sich.“ Irgendwann kippte die Stimmung dann in Unmut. Ein Zuschauer forderte per Zwischenruf sogar einen Neustart.
„Außergewöhnlich“, sagte TNT-Sports-Kommentator Neal Foulds: „Ich habe im Laufe der Jahre schon viel Snooker gesehen, aber an so etwas kann ich mich nicht erinnern, vor allem nicht hier.“
Der siebenmalige Weltmeister Steven Hendry sagte bei der BBC: „Selbst wenn die schwarze Kugel versenkt wird, gibt es dann noch rote, die man versenken kann? Das ist die dunkle Seite des Snookers.“
Schiedsrichter droht mit Abbruch des Frames
Irgendwann hatte auch Eckardt genug von dem Geschiebe und drohte mit einem Re-Rack, also dem Abbruch sowie der Wiederholung des Frames, wenn sich das Bild nicht innerhalb der folgenden drei Züge eindeutig ändern würde. Der Chinese Wu stimmte zu, der zu dem Zeitpunkt mit 43:13 führende Allen hatte darauf jedoch keine Lust.
Womöglich aus Versehen, möglicherweise auch aus Wut, beging er stattdessen ein Foul, bei dem der schwarze Ball in die Tasche fiel, was den Weg für Wu freimachte. Dieser übernahm sofort die Kontrolle.
Als Allen bereits Snooker benötigte, schienen die taktischen Spielchen eine Zeit lang von Neuem loszugehen. Doch nachdem es Wu im Endspiel auf die Farben gelungen war, Pink zu lochen, war der Frame nach gut 100 Minuten endlich entschieden.
Der sechsmalige Weltmeister Steve Davis fasste in der BBC das Ganze so zusammen: „Kurz gesagt: Dieser Rahmen ist eine Blamage für den Snookersport; und die Schiedsrichter sowie der Spielerverband müssen einen Weg finden, damit so etwas nie wieder vorkommt.“
Am Samstag wurde das Halbfinale beim Stand von 7:7 fortgesetzt.