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Formel 1: Neuer Motoren-Zoff! McLaren äußert brisanten Mercedes-Verdacht

McLaren äußert brisanten Verdacht

Die neue Motoren-Ära sorgt schon kurz nach dem Saisonstart für Zoff. McLaren zweifelt daran, dass Mercedes-Kundenteams wirklich die gleichen Möglichkeiten haben wie das Werksteam.
Die Formel 1 gilt nach wie vor als die Königsklasse des Motorsports. Hier gibt es alle Informationen rund um die Saison 2026.
Die neue Motoren-Ära sorgt schon kurz nach dem Saisonstart für Zoff. McLaren zweifelt daran, dass Mercedes-Kundenteams wirklich die gleichen Möglichkeiten haben wie das Werksteam.

Die neue Motoren-Ära sorgt schon nach wenigen Rennen für politischen Zündstoff. In der Formel 1 bahnt sich der nächste Streit zwischen Werksteams und Kundenteams an – und wieder steht Mercedes im Mittelpunkt.

Ausgerechnet Mercedes-Kundenteam McLaren hat nach dem Saisonauftakt in Australien Zweifel angemeldet, ob alle Mannschaften tatsächlich die gleichen Möglichkeiten haben, das Potenzial der neuen Power Units auszuschöpfen.

Nach der deutlichen Niederlage beim Saisonauftakt schlug McLaren-Teamchef Andrea Stella Alarm. Zwar liegt ein Teil des Rückstands am eigenen Auto, doch in den Daten fiel den Ingenieuren etwas anderes auf. „Wir sind etwas verwirrt über den Unterschied, den wir in den Daten zwischen der Geschwindigkeit unseres Autos und der Geschwindigkeit anderer Autos mit dem gleichen Antrieb feststellen“, sagt Stella.

Formel 1: Zwischen den Zeilen wird klar, was McLaren stört

Der Italiener blieb diplomatisch, schließlich ist es politisch heikel, den eigenen Motorenlieferanten öffentlich zu kritisieren. Doch zwischen den Zeilen wird klar: McLaren vermutet, dass es beim Umgang mit der neuen Antriebseinheit Unterschiede geben könnte.

Hintergrund: Mit den neuen Motoren hat sich die technische Balance in der Formel 1 stark verändert. Die elektrische Leistung macht nun fast die Hälfte der Gesamtleistung aus. Dadurch wird das Energiemanagement zu einem der wichtigsten Performance-Faktoren.

Die Kundenteams erhalten zwar die Software vom Hersteller, müssen ihre Strategien für Rekuperation und Energieabgabe jedoch selbst entwickeln.

Stella: „Brauchen weitere Analysen“

Genau hier sieht Stella ein mögliches Problem: „Ich denke, wir brauchen weitere Analysen, um zu verstehen, ob es sich hierbei nur um Parameter handelt, die wir oder die Fahrer kontrollieren können. Oder ob es eher systemische Faktoren gibt, die ein Kundenteam nicht unbedingt kontrollieren kann.“

Besonders deutlich wird Stella, als er über die Zusammenarbeit mit der Mercedes-Motorenabteilung Mercedes High Performance Powertrains spricht. „Die Diskussionen mit HPP über mehr Informationen dauern schon seit Wochen an“, erklärt er.

Bereits während der Testfahrten habe man Probleme erkannt. „Da sind wir einfach auf die Strecke gegangen, haben das Auto gefahren, uns die Daten angesehen und gesagt: ‚Oh, das ist es, was wir haben. Gut, jetzt reagieren wir auf das, was wir haben‘“, so Stella, der verbal für seine Verhältnisse scharf nachlegt: „So arbeitet man in der Formel 1 nicht.“

Der McLaren-Teamchef stellt sogar offen in den Raum: „Seit ich hier bin und wir ein Kundenteam sind, habe ich zum ersten Mal das Gefühl, dass wir im Hintertreffen sind, wenn es darum geht, das Verhalten des Autos vorherzusagen.“

Problem für Mercedes: Auch Williams überrascht

Das Problem für Mercedes: McLaren ist mit seinen Zweifeln nicht allein. Auch bei Williams beobachtet man den Mercedes-Vorsprung – der am Samstag ebenfalls im Sprint-Qualifying in China deutlich wurde – genau.

Teamchef James Vowles – früher selbst Mercedes-Ingenieur – sagte schon nach dem Qualifying in Melbourne: „Was Mercedes mit dem Antrieb macht, hat uns völlig überrascht. Erst nach dem Qualifying wurde uns wirklich klar, wie weit wir weg sind.“ Allein beim Energiemanagement könnten laut Williams rund drei Zehntelsekunden Unterschied liegen.

Mercedes selbst sieht keinen Grund zur Kritik. Teamchef Toto Wolff rechtfertigt sich damit, dass alle Kundenteams den gleichen Support erhalten. „Die Entwicklungskurve ist sehr steil, und man kann die Teile nie so verteilen, dass jeder glücklich ist. Aber das Wichtigste ist, dass wir versuchen, einen guten Service zu bieten.“

Allein: Die Diskussion erinnert stark an den Beginn der Hybrid-Ära 2014. Damals beschwerten sich mehrere Kundenteams darüber, dass Werksteams ihre Motoren deutlich besser verstehen und nutzen konnten. Die Regeln schreiben zwar vor, dass Kundenteams identische Motoren und Software erhalten müssen. Doch bei der komplexen Steuerung der elektrischen Leistung könnte es Grauzonen geben.

Im Fahrerlager wächst die Sorge

Im Fahrerlager wächst deshalb die Sorge, dass sich ein ähnliches Szenario wie damals wiederholt – mit Werksteams, die früh einen kaum noch aufzuholenden Vorsprung herausfahren.

Immerhin: Nach den ersten Rennen wollen Teams und Verantwortliche eine erste Bilanz der neuen Regeln ziehen. Dabei könnten auch Änderungen am Energiemanagement diskutiert werden. So kämpft beispielsweise McLaren dafür, die maximal rekuperierbare Energiemenge von 250 kW auf 350 kW zu erhöhen. Das vereinfacht das komplexe Energiemanagement.

Gut möglich, dass im Rahmen dieser Diskussion dann auch noch mal die Frage nach der Gleichbehandlung von Werk- und Kundenteams auf den Tisch kommt. Denn klar ist schon jetzt: Die neue Motoren-Ära bringt nicht nur neue Technik, sondern auch neuen politischen Sprengstoff.