Formel 1>

Formel 1: Zoff um Macht und Millionen

Zoff um Macht und Millionen

In der Formel 1 ist hinter den Kulissen ein Machtkampf ausgebrochen. In dessen Zentrum steht eine Strecke, auf der noch nie gefahren wurde, und eine Frage, die sich noch nie gestellt wurde.
Die Formel 1 gilt nach wie vor als die Königsklasse des Motorsports. Hier gibt es alle Informationen rund um die Saison 2026.
In der Formel 1 ist hinter den Kulissen ein Machtkampf ausgebrochen. In dessen Zentrum steht eine Strecke, auf der noch nie gefahren wurde, und eine Frage, die sich noch nie gestellt wurde.

Der erste Grand Prix von Madrid liegt noch Monate in der Zukunft. Doch hinter den Kulissen der neuen Formel-1-Strecke tobt ein heftiger Konflikt. Es ist ein Streit über Urheberrechte, Macht und Millionen.

Im Zentrum steht der „Madring“, jener neue Stadtkurs, der im September die Königsklasse des Motorsports in die spanische Hauptstadt bringen soll. Vor dem Landgericht Köln kämpfen nun zwei Rennstreckenplaner um die Frage, wer die geistige Vaterschaft für das Projekt beanspruchen darf.

Die Fronten sind klar: Auf der einen Seite steht die italienische Firma Dromo um Streckendesigner Jarno Zaffelli. Das Unternehmen hatte ursprünglich den Zuschlag für die Planung der Strecke erhalten. Auf der anderen Seite die deutsche Tilke-Gruppe aus Aachen, deren Gründer Hermann Tilke über Jahrzehnte als nahezu unangefochtener Architekt der modernen Formel 1 galt.

Formel 1: Entscheidung steht aus

Brisant dabei: Nach Informationen von SPORT1 arbeiten der Promoter, IFEMA Madrid, und Dromo inzwischen nicht mehr zusammen. Der Veranstalter beauftragte stattdessen die Tilke-Gruppe mit der weiteren Umsetzung des Projekts und der Fertigstellung der Strecke. Dabei setzte das deutsche Unternehmen naturgemäß auf der bereits vorhandenen Planungsgrundlage auf, die zuvor von Dromo erarbeitet worden war.

Doch nun hat das Landgericht Köln den Tilke-Gesellschaften im Wege einer einstweiligen Verfügung vorläufig untersagt, bestimmte Planungsunterlagen der Madrider Formel-1-Strecke zu vervielfältigen. Entsprechende Unterlagen liegen SPORT1 vor. Dromo wirft dem deutschen Unternehmen vor, urheberrechtlich geschützte Dokumente und Streckenpläne ohne ausreichende Rechte verwendet zu haben.

Eine abschließende Entscheidung ist das allerdings nicht. Die Verfügung stellt lediglich eine vorläufige Einschätzung im Eilverfahren dar. Der eigentliche Rechtsstreit steht noch bevor.

„Madring“: Kunstwerk oder bloß Ingenieurslogik

Doch hinter den juristischen Formulierungen verbirgt sich eine grundsätzliche Frage: Kann eine Formel-1-Strecke überhaupt urheberrechtlich geschützt sein?

Dromo sagt ja. Die Italiener argumentieren, die entscheidenden kreativen Leistungen seien von ihren Ingenieuren und Architekten erbracht worden. Linienführung, Kurvenradien, Übergänge und Streckengeometrie seien das Ergebnis eines komplexen kreativen Prozesses.

Tilke sieht das anders. Die Aachener verweisen in den Gerichtsunterlagen auf die zahlreichen Zwänge, denen moderne Grand-Prix-Strecken unterliegen. Straßenverläufe, Tunnel, bestehende Gebäude, Sicherheitszonen und die strengen Vorgaben des Automobil-Weltverbands FIA ließen oft nur begrenzte Gestaltungsspielräume zu. Viele Entscheidungen seien weniger kreativ als technisch notwendig gewesen.

Vereinfacht gesagt: Ist der „Madring“ ein architektonisches Kunstwerk oder das Ergebnis von Sicherheitsregeln, logistischen Vorgaben und Ingenieurslogik? Besonders sichtbar wird dieser Konflikt an einem Bauwerk, das schon vor seinem ersten Renneinsatz zum Wahrzeichen der Strecke geworden ist.

Rechtsstreit geht in die nächste Instanz

Die spektakuläre Steilkurve „Monumental“ soll künftig eines der markantesten Elemente des Madring bilden. Dromo argumentiert, gerade ihre Geometrie sei Ergebnis zahlreicher eigener Entwurfsentscheidungen und Entwicklungsstufen gewesen.

Die Gegenseite hält dagegen, wesentliche Änderungen seien auf FIA-Vorgaben und Sicherheitsanforderungen zurückzuführen gewesen. Die vermeintliche Kreativität habe sich in einem eng gesteckten Korsett bewegt. Der Streit um die Kurve steht exemplarisch für den gesamten Fall.

Und der ist noch nicht beendet: Nach Informationen von SPORT1 geht der Prozess in Deutschland in die nächste Instanz vors Oberlandesgericht. 

Während auf der Baustelle die letzten Arbeiten voranschreiten, ringen vor Gericht beide Streckenplaner um Anerkennung, Rechte und Einfluss. Und um eine Frage, die im Motorsport bislang kaum gestellt wurde: Wem gehört eigentlich die Idee einer Formel-1-Strecke?

Jetzt für den Motorsport-Newsletter anmelden und keine News mehr verpassen! Alle Infos zu Formel 1, MotoGP und mehr direkt in dein Postfach