Beim Großen Preis von Ungarn standen vor allem die Überholmanöver von überrundeten Fahrern im Mittelpunkt. Diese liefen nämlich häufiger als üblich auffällig zäh ab und gipfelten schließlich in der leichten Kollision zwischen dem um den Sieg kämpfenden Oscar Piastri sowie Williams-Pilot Carlos Sainz, der überrundet werden sollte.
"Einige wie Teletubbies": Formel-1-Teamchef sauer nach Ungarn-GP
Wolff platzt der Kragen
Ein Grund für die Probleme war wohl der Teilausfall des sogenannten Marschallsystems in Budapest, das unter anderem Cockpit-Signale wie blaue Flaggen direkt auf dem Display im Lenkrad anzeigt. Darüber ärgerte sich auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, da WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli bei dessen Jagd nach dem Podest einige Male von Überrundeten aufgehalten worden war.
„Unglaublich“: Wolff sauer auf Hinterbänkler
Einen großen Teil der Schuld sah er dennoch bei den Fahrern und ihren Teams. „Ich ärgere mich über die Hinterbänkler, die nicht aus dem Weg gehen und ein Podium kosten können“, schimpfte Wolff bei Sky.
Als ihm dann noch eine Szene von Nico Hülkenbergs Audi-Teamkollegen Gabriel Bortoleto gezeigt wurde, der sich bei einer Überrundung ungewöhnlich stark wehrte, legte der Österreicher nach.
„Bortoleto hat verteidigt (als Überrundeter)! Und es gab noch zwei, drei andere, die verteidigt haben. Sainz, (Alexander) Albon, keine Ahnung. Unglaublich! Wenn die vorne an der Spitze fahren, möchte ich mal hören, was die sagen, wenn da einer so um die Gegend kurvt“, kritisierte Wolff.
Bortoleto verteidigt sich – Wolff legt nach
Der Beschuldigte verteidigte sich damit, dass das elektrische System der blauen Flaggen nicht funktioniert habe. „Ich musste immer warten, bis mein Ingenieur mir etwas gesagt hat. Er hat es mir erst vor Kurve elf gesagt. Dann habe ich Platz gemacht“, sagte Bortoleto.
Tatsächlich bestätigte die FIA, dass es technische Probleme mit dem System gegeben hat, weshalb Flaggen am Streckenrand geschwenkt wurden und die Streckenwarte die Leuchtsignale selbst bedienen mussten.
Wolff wollte das jedoch nicht als alleinige Erklärung für die Piloten stehen lassen. „Ein Fahrer sollte schon sehen im Rückspiegel, was da passiert. Wenn hinter einem Audi plötzlich ein Mercedes ist, kann man mitdenken“, forderte Wolff im ORF.
Sky-Experte Ralf Schumacher sah es ähnlich: „Jeder Fahrer weiß, worum es geht. Man hat seinen Ingenieur, man fragt und schaut auch in den Spiegel. Wenn er mir sagt, er kann nicht in den Spiegel gucken, wenn er fährt, dann ist er überfordert und muss es lassen. Aber das ist echt unsportlich.“
Formel 1: „Einige Ingenieure sind wie Teletubbies“
Wolff nahm jedoch auch die jeweiligen Formel-1-Teams in die Pflicht: „Das Hauptthema ist, dass einige Ingenieure auf den Pitwalls Teletubbies sind und in den Himmel starren, anstatt ihren Fahrern zu sagen, dass da jetzt ein Zug kommt, der ums Podium fightet.“
Einmal in Fahrt, legte der frühere Williams-Geschäftsführer sogar noch nach: „Ich war bei Williams viele Jahre. Ich weiß wie ist wenn du um P10 kämpfst. Aber wenn es um wirklich was geht vorne, ist der Ingenieur verpflichtet, dem Fahrer zu sagen, da kommt jetzt was. Dass das nicht passiert, ist einfach amateurhaft.“