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Mit 21 schuf er bei Olympia ein Vermächtnis für die Ewigkeit - und hörte auf

Mit 21 hatte er schon alles erreicht

Der damals 21 Jahre junge Eric Heiden schaffte bei Olympia 1980 in Lake Placid Unglaubliches - und trat danach zurück. Später sah man ihn unter anderem bei der Tour de France.
Eric Heiden lief bei Olympia 1980 zu fünf Goldmedaillen
Eric Heiden lief bei Olympia 1980 zu fünf Goldmedaillen
© IMAGO / NTB
Der damals 21 Jahre junge Eric Heiden schaffte bei Olympia 1980 in Lake Placid Unglaubliches - und trat danach zurück. Später sah man ihn unter anderem bei der Tour de France.

Die Vorzeichen standen denkbar schlecht – Eric Heiden war nach seiner beispiellosen Goldserie im Eisschnelllauf ausgezehrt. Vier Olympiasiege hatte der US-Amerikaner bei den Olympischen Winterspielen 1980 in Lake Placid bereits errungen, als es mit den 10.000 Metern über die letzte und zugleich kräftezehrendste Distanz ging. Ihn hatten allerdings weniger seine eigenen Rennen an die Grenzen gebracht.

Am Vorabend feierte Heiden im Stadion den 4:3-Erfolg der US-Eishockeymannschaft über die Sowjetunion - jenes „Miracle on Ice“, das in die Sportgeschichte einging. Zwei seiner Jugendfreunde, Mark Johnson und Bob Suter, gehörten zum Team. Entsprechend spät kam Heiden ins Bett - und verschlief am Morgen seines eigenen, finalen Rennens am 23. Februar 1980, heute vor 46 Jahren.

Für ein ausgiebiges Frühstück blieb keine Zeit mehr. Doch was folgte, wurde endgültig historisch. Trotz der widrigen Umstände gewann Heiden auch über die 10.000 Meter.

In 14:28:13 Minuten distanzierte er den Niederländer Piet Kleine um fast acht Sekunden, unterbot seine bisherige, persönliche Bestleistung um rund 15 Sekunden - und pulverisierte zugleich den Weltrekord um mehr als sechs Sekunden. Eine Leistung für die Ewigkeit.

Zweifel von Olympia-Held erwiesen sich als unbegründet

Heiden war der überragende Athlet der Olympischen Winterspiele 1980. Als erster – und über viele Jahrzehnte einziger – Sportler gewann er bei einer einzigen Winterspiele-Ausgabe fünf Goldmedaillen.

Gemeinsam mit Schwester Beth ging in Lake Placid die Hälfte der US-Medaillen auf das Familienkonto. Unglaublich: Heidens Leistungen allein hätten gereicht, um den USA Platz 3 im Medaillenspiegel zu sichern. Nur die UdSSR und DDR hatten gemeinsam mehr Gold gesammelt als der Wunderjunge aus Wisconsin.

Heiden der „beste Skater, den es je gab“

Der inzwischen 67-Jährige siegte über sämtliche damals ausgetragenen Distanzen: 500, 1000, 1500, 5000 und 10.000 Meter. Vor allem über 1000 und 1500 Meter sah er sich selbst als Favorit. „Die 5000 Meter liegen mir nicht besonders, und die 500 Meter sind immer ein Glücksspiel“, hatte er im Vorfeld gesagt.

Über die Sprintdistanz begann aber sofort sein Goldrausch. Am 15. Februar trat er im ersten Paar gegen den sowjetischen Weltrekordhalter Jewgeni Kulikow an und lag nach 100 Metern bereits eine halbe Sekunde zurück. Doch mit einem furiosen Schlussspurt drehte Heiden das Rennen noch und gewann sein erstes Gold - mit 42 Hundertstelsekunden Vorsprung und olympischem Rekord.

Auch die Mitteldistanz der 1500 Meter sollte eine legendäre Anekdote bereithalten. Heiden drohte auszurutschen, fing sich gerade noch vor einem folgenschweren Sturz. Die Ziellinie überquerte er dennoch nach 1:55:44 Minuten - mit abermaligem Olympia-Rekord. Auf den 5000 Metern trotzte Heiden dem Schnee und Wind - Eisschnelllauf wurde damals noch unter freiem Himmel ausgetragen - und hinterließ konsternierte Gegner. Der Norweger Kai Arne Stenshjemmet, immerhin der Zweitplatzierte, sagte einmal: „Ob ich geglaubt habe, dass ich Heiden schlagen könnte? Nun, um ehrlich zu sein: Nein. Niemand glaubt, dass er ihn schlagen kann. Er ist der beste Skater, den es je gab.“

Olympia: Heiden wechselte die Sportart

Einer, der mit 21 Jahren zurücktrat. Nur einen Monat nach dem historischen Fünffacherfolg. Das Ende seiner sportlichen Laufbahn bedeutete das jedoch keineswegs, denn Heiden wechselte auf das Rennrad. Ein Schritt, der gewissermaßen nahelag: Schon während seiner Zeit als Eisschnellläufer hatte er in den Sommermonaten intensiv auf dem Rad trainiert, sagte über sich selbst in einem Welt-Interview: „Ich war Sprinter, ich war Ausdauerathlet, ich war einfach alles.“

Heiden sollte auch hier Karriere machen: Im Jahr 1985 krönte er seine zweite Laufbahn sogar mit dem Titel des US-Profimeisters im Radsport. Beim Giro d’Italia desselben Jahres belegte er Rang 131. Die Tour de France 1986 beendete er nach einem Sturz auf der 18. Etappe vorzeitig.

Doping-Zweifel im Armstrong-Umfeld

Doch Heiden weckte fortan auch immer wieder kritische Stimmen, seine schier ungeheuerlichen Rekordläufe ließen Zweifel zu. Denn der studierte Mediziner von der Universität Stanford, der später als Orthopäde in Park City in Utah praktizierte, machte sich nach den aktiven Karrieren als Sportmediziner einen Namen - und hielt sich in einem von Doping geprägtem Umfeld auf. Als Sportdirektor heuerte er beim amerikanischen Motorola-Rennstall an, Arbeitgeber auch von Lance Armstrong.

Der berühmte deutsche Dopingexperte Werner Franke meinte einmal bei der SZ: „Wer dort tätig war, ist eigentlich in eine Tonne zu schmeißen mit denen, die der frühere amerikanische Olympia-Arzt Robert Voy in seinem Buch angeprangert hat. In so ein System kommen eigentlich nur Leute rein, die die Vorgänge decken.“

Des Dopings überführt wurde Heiden allerdings nie. Dafür arbeitete er später als TV-Experte und betreute Basketball-Profis sowie das US-Eisschnelllaufteam bei Olympischen Spielen als medizinisch verantwortliches Teammitglied.

Auch bei den Olympischen Spielen 2026 war Heiden vor Ort - und sah mit an wie Langläufer Johannes Hösflot Kläbo mit sechs Olympiasiegen seine historische Bestmarke übertraf - nach 46 Jahren.

Historisch einzigartig bleibt Heidens Leistung dennoch: Kläbo holte zwei seiner sechs Siege in Teamkonkurrenzen. In Einzelwettbewerben bleibt Heiden unübertroffen.