Beim goldenen Zieleinlauf der deutschen Rodel-Staffel suchte der TV-Zuschauer plötzlich vergeblich nach der Zeit und Platzierung.
Olympia 2026: Neue Technik! Revolution bei Olympia steht bevor
Revolution bei Olympia steht bevor
Während sonst stets sofort feststand, wie lange die Teams im Eiskanal gebraucht hatten, dauerte es etwa 15 Sekunden, ehe auch für alle Zuschauer vor dem Fernseher klar war, dass Deutschland Gold gewonnen hatte.
Am Eiskanal von Cortina spricht Alain Zobrist, CEO des offiziellen Olympia-Zeitnehmers Omega, mit SPORT1 über den Vorfall, Neuerungen bei den Olympischen Spielen und eine bevorstehende Revolution.
Olympia: Zeitausfall nur im TV
SPORT1: Am Donnerstagabend ist bei der Staffel-Entscheidung der Rodler im deutschen Fernsehen gerade bei der deutschen Goldankunft die Zeit ausgefallen. War das ein reines TV-Problem?
Alain Zobrist: Natürlich. Die Zeiten, die wir messen, sind korrekt. Wir sind nicht diejenigen, die entscheiden, was für Grafiken im TV gezeigt werden. Das liegt in der Hand des Produzenten.
SPORT1: Könnte so ein Ausfall der Zeitanzeige oder sogar der Zeitmessung überhaupt passieren bei Olympia?
Zobrist: Wir haben Backup-Systeme. Bei den Lichtschranken haben wir jeweils immer zwei Lichtschranken. Wir haben sogar am Ziel noch mit der Fotofinish-Kamera ein weiteres Backup. Es gab aber tatsächlich diverse Stromausfälle, speziell zu Beginn.
SPORT1: Da ging es um Sabotageakte ...
Zobrist: Ja, Curling war betroffen, hier am Eiskanal hatten wir auch Probleme. Aber wir haben eine separate Stromzufuhr. Auch wenn es da Probleme geben sollte, können wir weiter die Resultate der Athleten messen.
Diese Neuerungen gibt es bei den Olympischen Spielen
SPORT1: Was gibt es für Neuerungen bei den Olympischen Spielen, was die Zeitmessung oder auch Datenerfassung von Omega angeht?
Zobrist: Hier am Eiskanal gibt es das virtuelle Fotofinish. Wir können das erste Mal visualisieren, wie die Unterschiede der Athleten tatsächlich aussehen. Nicht nur bezüglich der Zeit, sondern auch der Distanz. Zudem arbeiten wir vermehrt mit speziellen Kameras, auch mit KI, um die Bewegungsabläufe der Athleten zu messen und zu verstehen, wo sie zwischen Start und Ziel Zeit oder Punkte gewonnen bzw. verloren haben. Das ist vermehrt relevant in den Sportarten, in denen Kampfrichter die Performance der Athleten evaluieren, unter anderem beim Eiskunstlaufen.
SPORT1: Greifen die Kampfrichter schon darauf zurück?
Zobrist: Noch nicht.
SPORT1: Könnte das aber irgendwann kommen?
Zobrist: Sehr kurzfristig, ja. Wir sind so weit, dass wir beim Eiskunstlaufen die Kufen der Schlittschuhe ermitteln können und verstehen, ob die Sprünge komplett waren oder nicht. Und falls sie nicht komplett sind, gibt es Punktabzug. Das wurde bisher mit bloßem Auge beurteilt. Zukünftig wird das dann mit Technologie unterstützt werden können. Also die Kampfrichter werden da informierter entscheiden können.
Olympia: Zeitnehmer misst auch Athleten-Performance
SPORT1: Beim Goldsprung von Philipp Reimund ist die neue Technik auch zum Einsatz gekommen - mit welchen Erkenntnissen?
Zobrist: Genau. Da gibt es jetzt momentan spezielle Informationen bezüglich Athleten-Performance, die nichts mit dem Scoring an sich zu tun haben. Da haben wir zum Beispiel den Speed beim Absprung und bei der Landung, die Länge des Sprungs, die Höhe des Sprungs und Rotationsanalysen. Winkel geben wir auch mit. All diese Informationen, wo wir Differenzen zwischen den Performances der Athleten sehen, geben wir dann entsprechend weiter. An die TV-Zuschauer mit Grafiken, an die Kommentatoren - und übrigens auch an Athleten selbst.