Ihre Geschichte klingt wie ein Märchen: Vor drei Monaten galt ihre Teilnahme an den Olympischen Winterspielen noch als nahezu ausgeschlossen, nun hat Flora Tabanelli vor heimischem Publikum Bronze im Big Air gewonnen.
Olympia-Märchen: 18-Jährige gewinnt mit gerissenem Kreuzband Bronze
Olympia-Bronze trotz Kreuzbandriss
Im November 2025 hatte sich die 18 Jahre alte Freestyle-Skierin im Training auf dem Stubaier Gletscher das Kreuzband im linken Knie gerissen. Doch sie dachte gar nicht erst ans Aufgeben.
Statt sich operieren zu lassen, entschied sie sich gemeinsam mit dem italienischen Verband für eine konservative Behandlung, um sich die Chance auf Olympia in ihrem Heimatland offen zu halten.
Olympia: Verzicht auf OP wird belohnt
Nach ihrem schweren Sturz begann Tabanelli ihre Reha im JMedical in Turin. Nur knapp drei Monate später stand sie tatsächlich wieder am Start – und das alles rechtzeitig für Olympia. In der Big-Air-Qualifikation von Livigno kämpfte sich die junge Italienerin trotz gerissenen Kreuzbands ins Finale der besten zwölf Athletinnen.
Dort ging sie ins volle Risiko – was am Ende tatsächlich mit einer Medaille belohnt wurde. „Ich kann es nicht glauben“, jubelte Tabanelli: „Für mich ist ein Traum wahr geworden.“
Sie führte weiter aus: „Ich teile diesen Erfolg zu gleichen Teilen mit meinem Bruder Miro.“ Dieser stand ihr in den schwierigen Monaten nach der Verletzung stets zur Seite und hatte sich ebenfalls im Freestyle für die Olympischen Spiele qualifiziert.
„Wenn man das nicht in einem olympischen Finale macht, wann dann?“
Wie sehr Tabanelli alles auf eine Karte setzte, wurde im entscheidenden dritten Run deutlich. Dort wagte sie den 1620 – einen Sprung, den sie zuvor nur zweimal im Wettkampf gezeigt hatte.
„Ich bin mit dem Ziel ins Finale gegangen, alles zu geben. Ich habe einen Sprung versucht, den 1620 im letzten Lauf, den ich letztes Jahr insgesamt nur zweimal gemacht habe. Ich war mir bei diesem Sprung nicht sicher, aber ich wollte alles geben, denn wenn man das nicht in einem olympischen Finale macht, wann dann?“, meinte sie.
Dabei verlangte Tabanelli ihrem Körper alles ab. „Im Finale trug ich eine Titan-Schiene, um mein noch immer verletztes Knie zu stützen und weitere Verletzungen zu vermeiden“, erklärte sie. „Ich glaube, ich habe mich nie an diese Schiene gewöhnt, was ärgerlich ist, weil sie in meinen Stiefel hineinragt und mir Unbehagen bereitet.“
Tabanelli holt jetzt die OP nach
Mit 178,25 Punkten schob sie sich nach dem dritten Run auf Rang drei. Nur Kirsty Muir hätte ihr noch die Medaille entreißen können, sie stürzte jedoch im letzten Durchgang. Und somit war Bronze für Tabanelli sicher. Gold gewann die Kanadierin Megan Oldham, Silber ging an Eileen Gu.
Nach den Spielen will Tabanelli nun die zunächst abgeblasene Operation nachholen. „Das war mein einziger Wettkampf im Jahr 2026. Ich war zuvor verletzt und habe daher an keinen anderen Wettkämpfen teilgenommen. Nach diesen Spielen werde ich mich einer Operation unterziehen, damit ich in der nächsten Saison stärker zurückkommen kann“, kündigte die 18-Jährige an.