Wladyslaw Heraskewytsch ist zurück in Kiew - und teilt nach seinem Olympia-Ausschluss heftig gegen das IOC aus. Der ukrainische Skeleton-Pilot war in Cortina nur Minuten vor dem ersten Lauf disqualifiziert worden, weil er mit einem Helm starten wollte, der getötete ukrainische Athleten zeigt.
Olympia: Ukrainer teilt gegen IOC aus
Ukrainer teilt gegen IOC aus
Das IOC wertete das als Verstoß gegen Regel 50 der Olympischen Charta und disqualifizierte Heraskewytsch.
Der 27-Jährige hatte den sogenannten „Helmet of Remembrance“ in allen offiziellen Trainingsläufen getragen. Der Helm zeigt mehr als 20 im russischen Angriffskrieg getötete Sportler und Trainer. Einen angebotenen Kompromiss - schwarzes Armband im Wettkampf, Präsentation des Helms außerhalb der Bahn - lehnte Heraskewytsch ab. „Ich werde sie nicht verraten“, sagte er nach seiner Disqualifikation.
In einem Video aus Kiew erneuerte er nun seine Kritik. Wenn russische Athleten Woche für Woche auf internationale Bühnen zurückkehrten, während die Ukraine eine humanitäre Katastrophe erlebe, mache sich das IOC „in der Praxis mitschuldig“, schrieb er.
Neutrale unter neutraler Flagge
Tatsächlich starten bei diesen Spielen 13 russische und sieben belarusische Athleten als sogenannte Individual Neutral Athletes (AIN). Sie treten ohne Flagge, Hymne und nationale Symbole an. Das IOC hatte nach der Invasion 2022 zunächst alle Sportler aus Russland und Belarus ausgeschlossen, später jedoch die Teilnahme unter neutralem Status ermöglicht.
Der Fall Heraskewytsch sorgt international für Kritik. Beobachter werfen dem IOC vor, das Gedenken als politische Botschaft zu werten, obwohl keine Parolen auf dem Helm zu sehen waren. Der Weltverband IBSF stützte die Entscheidung mit Verweis auf die Richtlinien zur Athleten-Meinungsäußerung.
Für Heraskewytsch endet Olympia damit ohne Start im Wettkampf. Sein sportlicher Traum zerplatzte 21 Minuten vor dem ersten Lauf - sein Protest hallt jedoch weit über die Eisrinne von Cortina hinaus.