Für die Eiskunstlauf-Wettbewerbe der Damen bei Olympia hatte man sich beim übertragenden US-Sender NBC etwas ganz Besonderes ausgedacht. Die drei für die Vereinigten Staaten teilnehmenden Läuferinnen wurden in einem Clip vorgestellt – von Pop-Superstar Taylor Swift.
Tränen-Drama bei Olympia: Eine gefallene Eisprinzessin
Eine gefallene Eisprinzessin
Gold-Mitfavoritin Amber Glenn erschien als erste Athletin auf dem Bildschirm, untermalt von den Worten der Sängerin: „Amber wird Ihnen als Erste erzählen, wie viele Kämpfe sie ausgefochten hat und dass die verlorenen Kämpfe für sie genauso viel bedeuten wie die gewonnenen. Ihre Superkraft besteht nun darin, den Kampf anzunehmen und die Welt herauszufordern, sich selbst auf die Probe zu stellen.“
Starke Worte, von denen bereits nach dem Kurzprogramm so gut wie nichts mehr übrig sein dürfte. Denn die 26-Jährige konnte auf dem Eis nicht wie erwartet glänzen. Im Gegenteil.
Unterstützung durch Taylor Swift und Madonna
Der dreifache Rittberger misslang gänzlich, das Element wurde in der Wertung nicht anerkannt. Statt mitten im Kampf um Medaillen zu stecken, findet sich Glenn vor der Kür am Donnerstagabend (19 Uhr im Olympia-Liveticker) mit fast zehn Punkten Rückstand auf dem 13. Platz wieder.
Dabei hatte alles so gut angefangen. Denn neben der Einführung durch Swift war Glenn auch die Aufmerksamkeit einer anderen Pop-Queen sicher. So trudelte noch vor dem Kurzprogramm eine Videobotschaft von Madonna ein. Glenn hatte sich deren Mega-Hit „Like a Prayer“ als Musik ausgesucht – und die Sängerin damit begeistert.
„Ich habe dich gerade zu meinem Song ‚Like a Prayer‘ tanzen sehen und muss sagen: Ich war absolut überwältigt davon. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du nicht gewinnst, also möchte ich dir einfach viel Glück wünschen. Hol dir dieses Gold!“
Doch auch diese Worte verhallten.
Depressionen und Essstörung in der Jugend
Schon auf dem Eis hatte die Sportlerin mit Tränen zu kämpfen. Als sie nach ihrer misslungenen Kurzkür zur Punktevergabe Platz nahm, konnte sie ihre Emotionen schließlich nicht mehr kontrollieren. Die Eiskunstläuferin versank in einem Meer voller Tränen.
Schwere Momente für eine der wohl schillerndsten Persönlichkeiten bei den diesjährigen Winterspielen. Ein Persönlichkeit, die auf eine mehr als nur bewegte Vergangenheit zurückblickt.
Im Teenager-Alter hatte Glenn an vielen Fronten zu kämpfen. Angstzustände und Depressionen sorgten dafür, dass sie schon als Jugendliche in einem Krankenhaus behandelt werden musste. Später gab sie an, dass das toxische Vergleichen in der Eiskunstlaufwelt dabei eine entscheidende Rolle gespielt hätte. Dazu kam eine Essstörung.
„Ich dachte, ich komme nirgendwo hin, und rutschte in eine schwere Depression, in der ich nicht mehr weiterleben wollte – ich wollte gar nichts mehr“, erinnerte sie sich einst im einem Portrait im Time Magazine zurück.
Glenn bekommt viele Hassnachrichten
Nicht die einzige herausfordernde Zeit in ihrem Leben. Im Jahr 2019 machte die US-Amerikanerin öffentlich, sowohl bi- als auch pansexuell zu sein. Für sie spielt das Geschlecht der von ihr begehrten Person also keine Rolle.
Eine US-Eisprinzessin als Teil der „LGBTQ+“-Bewegung? Nicht bei allen Menschen kam und kommt dies gut an. Auch vor und rund um die aktuell laufenden Olympischen Spiele hat sie mit Hassnachrichten zu kämpfen, was sie eigenen Angaben zufolge aber niemals davon abhalten wird, für das einzustehen, woran sie selbst glaubt.
Glauben muss Glenn am Donnerstag nun vor allem an sich selbst. Zwar dürfte es mit einer Medaille nicht mehr klappen, sportlich und in Sachen Kampfgeist kann die einstige Mitfavoritin aber noch einmal ein Zeichen setzen.
Denn wie vermochte es Taylor Swift in ihrem Vorstellungsvideo zu sagen? Die verlorenen Kämpfe bedeuten Glenn genauso viel wie ihre Siege.