Olympia>

Erst jetzt ist klar, welche bittersüße Tragik in diesem Olympia-Moment steckte

Ein bittersüßer Olympia-Moment

Vor sechs Monaten trug die verstorbene Italien-Legende Franco Baresi noch die olympische Fackel durchs San-Siro-Stadion. Die Tragweite des bewegenden Moments wurde erst im Nachhinein klar.
Der italienische Weltmeister und AC-Milan-Legende Franco Baresi ist im Alter von 66 Jahren verstorben.
Vor sechs Monaten trug die verstorbene Italien-Legende Franco Baresi noch die olympische Fackel durchs San-Siro-Stadion. Die Tragweite des bewegenden Moments wurde erst im Nachhinein klar.

Es gibt Momente, bei denen man auf den ersten Blick erkennt, dass sie bleiben werden. Und es gibt solche, deren Tragweite man erst später versteht.

Genau sechs Monate wird die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo am Donnerstag her sein. Eine besonders bewegende Szene der Festivität ist nun im Nachhinein nochmal in den Blickpunkt geraten: der letzte Auftritt des am 31. Juli verstorbenen Fußball-Idols Franco Baresi im ehrwürdigen San-Siro-Stadion.

Franco Baresi trug bei Olympia die Fackel im San Siro

Die Abwehr-Ikone des AC Mailand trug am 6. Februar 2026 die olympische Fackel, gemeinsam mit seinem Weggefährten Giuseppe Bergomi.

Von der schweren Lungenkrankheit, an der Baresi im Alter von 66 Jahren verstarb, war er schon damals gezeichnet – wobei der Weltöffentlichkeit damals noch nicht bekannt war, wie ernst die Lage wirklich war.

Baresis Auftritt wurde deshalb nicht im gleichen Maße beachtet wie etwa die berühmte Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 1996 durch den parkinsonkranken Muhammad Ali.

Baresi überlegte wegen seines Gesundheitszustands auch, die Anfrage des italienischen Olympia-Komitees CONI abzulehnen.

„Der emotionalste Moment meines Sportlerlebens“

„Ich antwortete: ‚Sind Sie sicher? Ich bin wirklich nicht besonders gut in Form’“, schilderte Baresi der Repubblica den Anruf: Ihm sei jedoch versichert worden, dass er „nicht sehr weit gehen“ müsse: „Es war eine große Ehre, völlig unerwartet.“

Baresi war am Ende mehr als dankbar für seinen letzten großen öffentlichen Auftritt: „Es war der emotionalste Moment meines Sportlerlebens“, sagte der einstige Libero, der mit Italien 1982 Weltmeister geworden war und Milan als Kapitän zu drei Europapokalsiegen und sechs Meistertiteln geführt hatte: „So etwas habe ich noch nie gespürt.“

Was Baresi so bewegt hatte? „Man hält diese Fackel zwischen den Fingern und weiß, dass sie die Geschichte des Sports in sich trägt, auf gewisse Weise auch die der menschlichen Zivilisation. Ein unglaublich kraftvolles Symbol.“

Auch Bergomi tief bewegt

Auch Weltmeister-Kollege Bergomi, der den Moment mit Baresi zelebrierte und seinen geschwächten Freund dabei stützte und führte, war tief bewegt: „Das war wunderschön, sehr emotional, einfach unglaublich“, sagte er nach Baresis Tod bei SPORT1.

„Er wollte die Fackel unbedingt haben, deswegen habe ich alles darangesetzt, ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Schließlich gelang es mir, Franco die Fackel nach Hause zu bringen“, führte die Klublegende von Milans Stadtrivale Inter aus.

Auch in dieser Situation habe er Baresi so erlebt, wie er ihn immer kannte: zurückhaltend, aber voller Freude. „Wie immer war er ein Mann weniger Worte. Er sagte nur: ‚Ach, das ist eine schöne Sache.‘“