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Eine Ikone verlässt die Bühne

Eine Ikone verlässt die Bühne

Der olympische Massenstart ist das letzte Rennen einer Ausnahmebiathletin. Mit Dorothea Wierer beendet eine ganz Große ihre Laufbahn.
Im exklusiven SPORT1-Interview aus dem Adidas-Haus in Cortina äußert Biathlon-Legende Bö Kritik am deutschen Biathlon-Team.
Der olympische Massenstart ist das letzte Rennen einer Ausnahmebiathletin. Mit Dorothea Wierer beendet eine ganz Große ihre Laufbahn.

Biathlon-Fans müssen heute nicht nur von Franziska Preuß Abschied nehmen. Mit Dorothea Wierer tritt eine weitere ganz große Athletin ab. Nach 17 Jahren in der Loipe und am Schießstand wird „Doro“ am Samstag im abschließenden olympischen Massenstart der Frauen ihr letztes Rennen bestreiten.

Wierer ist nicht weniger als eine italienische Ikone. Vor allem durch sie hat der Biathlon in ihrer Heimat völlig neue Ausmaße erreicht. Auch wenn sie nicht mehr zu den Topfavoritinnen gehört: Ihr letzter Tanz vor heimischem Publikum wird ein emotionales Highlight der Spiele sein.

„Es wird ein bisschen anders. Auf der einen Seite wird es Erwartungen geben, auf der anderen Seite versuche ich aber auch, es ein bisschen zu genießen“, blickte Wierer bei FondoItalia voraus. Ob sie dann von ihren Emotionen überwältigt werden wird, konnte die Südtirolerin noch nicht sagen: „Ich weiß nicht, wie es sich anfühlen wird. Vielleicht werde ich weinen, vielleicht lachen.“

Olympia: Gold als krönender Abschluss?

Die größten Anwärterinnen auf die Medaillenränge sind andere, dennoch schielt die 35-Jährige auf einen krönenden Abschluss: „Jeder strebt nach der Spitze. Auch wenn es mein letztes Rennen sein wird, werde ich versuchen, alles zu geben. So wie in jedem Rennen bisher.“

Eine Goldmedaille bei Olympia wäre der krönende Abschluss ihrer ohnehin beeindruckenden Laufbahn im Biathlon-Zirkus. Denn diese fehlt in ihrem dicht bestückten Trophäenschrank noch.

Im Laufe ihrer Karriere gewann sie zwar bereits vier olympische Medaillen (einmal Silber, dreimal Bronze), ein Olympiasieg gelang ihr jedoch noch nicht. Ihre erste Silbermedaille bei Olympia gewann sie zu Beginn der Wettkämpfe in Antholz, als das italienische Quartett in der Mixed-Staffel den zweiten Platz belegte.

Dazu gesellen sich vier Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften, 17 Weltcupsiege in Einzelrennen sowie zwei Gesamt-Weltcup-Siege in den Saisons 2018/19 und 2019/20.

„Das ist ihr Verdienst“

Ihr italienischer Teamkollege Tommaso Giacomel, aktuell Zweitplatzierter im Gesamtweltcup der Männer, kann den Abschied von seiner Trainingspartnerin noch gar nicht begreifen: „Im Moment verstehe ich immer noch nicht, warum sie nicht mehr an Wettkämpfen teilnehmen wird. Wir werden sie sicherlich vermissen, denn sie hat ein besonderes Charisma und eine ganz eigene Art, mit Menschen umzugehen.“

Der 25-Jährige hob auch den Verdienst Wierers für den Biathlon in Italien hervor: „Sie hat so viel zur Bekanntheit unseres Sports beigetragen. Sie hat eine einzigartige Persönlichkeit. Wenn Biathlon heute in Italien so beliebt ist, dann ist das zu 90 Prozent ihr Verdienst – das ist eine Tatsache.“

„Ich bin mir bewusst, dass ich viel zum Wachstum einer Sportart beigetragen habe, die in Italien praktisch unbekannt war, die aber dank meiner Ergebnisse und denen des gesamten Teams langsam bekannt wird“, sagte Wierer vor ihren letzten Spielen selbst.

Giacomel blickt einem möglichen Wierer-Comeback derweil schon mit einem Augenzwinkern entgegen: „Ich weiß, dass sie, wenn sie zu Hause ist, sehr gelangweilt sein wird und uns weiterhin anrufen wird.“

Training mit den Männern

Giacomel und Wierer waren in den vergangenen Jahren Trainingspartner, auch weil „Doro“ in den letzten Jahren mit dem Männerteam und nicht mit dem Frauenteam trainierte, zu dem auch Lisa Vittozzi gehörte. Hintergrund ist das seit Jahren angespannte Verhältnis zwischen Wierer und Vittozzi.

Wie es für Wierer nun weitergeht, steht noch nicht genau fest. Einen Traum hat sie aber schon verraten, sie will Mutter werden.

Doch zuvor steht noch ein letztes Mal die Jagd nach den Medaillen im Vordergrund. „Es wird ein sehr wichtiger Tag für Doro, aber auch für den gesamten italienischen Biathlonsport“, sagte ihr Coach Fabio Cianciana.

Wenn Wierer am Samstag die Ziellinie überquert, geht eine Ära zu Ende. Die einzige Frage bleibt: Mit Tränen oder einem Lachen?