Als der Abschied Realität war, verspürte Dorothea Wierer keine Reue. „Hier, im schönsten Stadion, hat alles angefangen und nun aufgehört. Ich habe das jetzt so viele Jahre gemacht. Besser hätte dieser Augenblick nicht sein können. Dieser Moment mit all den Fans ist mehr wert als jede Medaille“, sagte die scheidende Biathlon-Queen nach dem letzten Rennen ihrer Karriere zu SPORT1.
Eine schillernde Biathlon-Ikone sagt Ciao
Eine schillernde Ikone sagt Ciao
Als Fünfte im Massenstart verpasste Wierer zwar eine weitere olympische Medaille, die Ziellinie überquerte sie trotzdem mit einem Lächeln auf den Lippen. Im Anschluss genoss die in Bruneck unweit von Antholz geborene Italienerin in ihrem „Zuhause“ zu den Klängen von „One moment in time“ gemeinsam mit Franziska Preuß die Ehrenrunde und stimmte für die Fans ein freudiges „Hip, hip, hurra“ an.
Olympia 2026: Zwei emotionale Abschiede
„Mit Franzi war es sehr cool und emotional“, sagte Wierer SPORT1 weiter, spürte aber auch die emotionale Wucht: „Ich glaube, wir sind beide froh, dass wir es nun hinter uns haben.“
Der Bedeutung des Augenblicks war sich die 35-Jährige durchaus bewusst. „Ich habe Biathlon ein bisschen größer gemacht in Italien“, erklärte Wierer.
Das klingt wenig bescheiden, trifft aber den Kern. Vor allem durch sie hat Biathlon in ihrer Heimat völlig neue Ausmaße erreicht und Italien sich als Top-Nation etabliert.
Bei diesen Winterspielen gewann sie mit Silber mit der Mixed-Staffel ihre vierte Olympia-Medaille. Anders als Preuß ist sie auch mit Edelmetall im Einzel dekoriert, nur olympisches Gold blieb ein unerreichter Traum.
Biathlon: Nachwuchs im Hause Wierer geplant
Bei den Weltmeisterschaften 2019 holte sie als erste Italienerin den Titel. Höhepunkt ihrer Karriere war die Heim-WM ein Jahr später mit Doppel-Gold und zweimal Silber. Schon damals wurde immer wieder über Wierers Rücktritt gemunkelt – doch sie zog durch bis zu den Olympischen Spielen vor ihrer Haustür.
Teamkollege Tommaso Giacomel will Wierers Abschied noch gar nicht wahrhaben. „Das ist doch kein Abschied“, sagte Giacomel: „Ich weiß jetzt schon, dass sie sich zu Hause extrem langweilen und uns weiterhin mit Anrufen und Nachrichten bombardieren wird. Doro ist jemand, die Leute um sich rum braucht.“
Zu sicher sein sollte sich Giacomel nicht. Denn im Hause Wierer, das hat sie schon erklärt, ist Nachwuchs geplant.