Bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City machte sich Ole Einar Björndalen unsterblich. Dem Norweger gelang etwas, was bis heute nur er erreicht hat: Die Legende gewann alle vier Biathlon-Wettbewerbe und düpierte damit eine ganze Sportart.
Olympia: Ein Außerirdischer mit einem kleinen Makel
Ein Außerirdischer mit kleinem Makel
Eine lautstarke Kulisse und leichter Schneefall sorgten am 19. Februar 2002 für eine fast romantische Stimmung in der Loipe von Soldier Hollow. Auf dem Plan stand die 4 x 7,5-Kilometer-Staffel der Herren.
Olympia: Björndalen wird zum Nationalhelden
Björndalen war der Schlussläufer seines Teams. Die letzten Augenblicke auf der Strecke waren wie ein Showlaufen, ehe der Norweger laute Freudenschreie von sich gab, als er die Ziellinie überquerte. Sein Sweep (amerikanischer Gesprächsgebrauch für eine makellose Bilanz, Anm. d. Red.) war perfekt, eine ganze Sportart blickte zum ihm hoch. Der damals 28-Jährige war der König der Biathleten.
Die vierte Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen war eingefahren. Seine Teamkollegen umarmten Björndalen innig und sie hievten ihn in die Höhe. Auch für sie ist ihr Landsmann ein Held.
„Ole ist ein Außerirdischer“
Zu jenem Zeitpunkt war er bereits ein Ausnahmeathlet, dennoch galt er als nervenschwacher Schütze. Davon war in Salt Lake City aber gar nichts zu sehen. „Ole ist ein Außerirdischer“, reagierte der damalige deutsche Bundestrainer Frank Ullrich auf die Goldshow.
Neben dem Staffelsieg gewann Björndalen auch die Rennen über zehn und zwanzig Kilometer. Zudem siegte er in der Verfolgung über 12,5 Kilometer. Besonders irre: Am ersten Wettkampftag der Olympischen Spiele trat der Skijäger auch über die 30 Kilometer Freistil im Langlauf an. Mit nur 13,5 Sekunden Rückstand wurde er damals Sechster.
Björndalen spielt den Rum herunter
Nach seinem großen Olympia-Erfolg wurde der Norweger in seiner Heimat zum neuen Helden erkoren – noch vor dem legendären Skilangläufer Björn Dahlie.
Von dem Rummel um seine Person wollte Björndalen gar nichts wissen. Er sagte damals: „Als Held der Spiele fühle ich mich nicht. Ich wollte einen guten Job in den vier Rennen machen, das ist mir mit den vier Goldmedaillen gelungen. An historische Dimensionen denke ich jedoch nicht.“
Biathlon: Doping-Wirbel um Legende
Im weiteren Verlauf seiner Karriere gewann der Norweger 2010 in Vancouver olympisches Gold mit der Herren-Staffel sowie 2014 in Sotschi im Sprint und der Mixed-Staffel.
Seine Karriere ist mit einem kleinen Makel befleckt. Im Jahr 2006 verpasste Björndalen zwei Dopingkontrollen. Im Oktober suchten die Kontrolleure ihn nach seinen Angaben zu Hause heim, doch er hatte kurzfristig sein Training in Oslo verlängert, weshalb er nicht anzutreffen war. „Das Ding ist, dass ich so auf mein Training konzentriert bin, dass ich die anderen Sachen vergessen habe“, beteuerte er.
Nur zwei Monate später gab der Biathlon-Star eigentlich an, in Hochfilzen zu sein. Doch als die Kontrolleure ihn besuchen wollten, war er erneut nicht anzutreffen. Aufgrund des 80. Geburtstags der Oma seiner Ex-Frau Nathalie Santer war er spontan nicht an dem eigentlich angegebenen Ort.
„Ich dachte, es wäre in Ordnung, denn ich war nur eine Autostunde entfernt“, erklärte Björndalen einst. Zu einer Strafe kam es jedoch nicht, denn die Regel besagt, dass es erst nach drei verpassten Tests binnen 18 Monaten zu einer Sperre kommt.
44 Medaillen bei Weltmeisterschaften
In der Saison 2017/18 versuchte es der Norweger vergeblich, sich für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang zu qualifizieren und absolvierte am 24. März 2018 sein letztes Rennen. Im Anschluss beendete er im Alter von 44 Jahren seine Karriere.
Neben den großen Olympia-Erfolgen gewann Björndalen 44 Medaillen bei der Biathlon-Weltmeisterschaft (20-mal Gold, 14-mal Silber und 10-mal Bronze). Hinzu kommen sechs Gesamtweltcup-Siege.