Als die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft vor zwei Tagen verkündete, dass NHL-Superstar Leon Draisaitl das Team bei Olympia als Kapitän anführt und Moritz Müller ablöst, fielen die Reaktionen der Fans unterschiedlich aus. Viele Anhänger sahen den Vorgang als logischen Schritt, andere kritisierten die Absetzung Müllers teils deutlich.
Olympia 2026: Eine Ablösung, die nicht jeder versteht
Alle Macht für Draisaitl
Bundestrainer Harold Kreis war einen Tag vor dem Auftaktspiel am Donnerstag in Mailand gegen Dänemark (21.10 Uhr im LIVETICKER) bemüht, das Thema einzufangen. Als „Kulturträger der Nationalmannschaft“ bezeichnete Kreis auf SPORT1-Nachfrage Müller demonstrativ und schob hinterher: „Es ist nicht so, dass wir in zwei, drei Minuten so eine Entscheidung treffen. Und so professionell wie er ist, akzeptiert Moritz das aus.“
Draisaitl neuer Kapitän bei Olympia! „Leon ist ein Aushängeschild“
Müller hat seine Enttäuschung aber durchaus durchblicken lassen. „Es ist ein Amt, das ich immer sehr gerne ausgeübt habe. Es hat mich immer mit sehr großem Stolz erfüllt, für Deutschland Kapitän zu sein“, sagte der langjährige Kapitän dem SID am Dienstag.
NHL-Profi Nico Sturm kann den Kapitänswechsel indes nachvollziehen. „Leon ist ein Aushängeschild in unserer Sportart. Er gehört zu den drei, vier besten Spielern in unserem Sport“, sagte Sturm auf SPORT1-Nachfrage. Es sei auch ein „Alterswechsel in die Zukunft“.
Vor Müllers Leistungen hat er dennoch größten Respekt: „Er war schon dabei, als die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft noch in den Niederungen war. Und wenn er etwas sagt, dann hören wir darauf.“
DEB setzt bei Olympia auf Draisaitl und NHL-Stars
Fest steht: Die gewachsene Hierarchie im DEB-Team wird sich definitiv verschieben. Es gilt: Alle Macht für Draisaitl und die NHL-Stars!
Draisaitl, der die deutsche Olympia-Mannschaft als Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier am vergangenen Freitag anführte, muss nun auch in der Nationalmannschaft Leader-Qualitäten unter Beweis stellen. Unterstützt wird der Stürmer der Edmonton Oilers von den beiden NHL-Spielern Moritz Seider und Tim Stützle als Co-Kapitäne.
Draisaitl sprach von einer „großen Ehre, Kapitän der Nationalmannschaft zu sein“, betonte zugleich: Müller sei „das Herz und die Seele des deutschen Eishockeys“ und für ihn „Ansprechpartner Nummer eins“.
Müller akzeptiert neue Rolle
Für Müller ist aber klar, dass sich das interne Gefüge verschiebt, ebenso wie seine eigene Rolle.
„Ich denke, zu sagen, dass sie sich nicht ändert, wäre falsch“, erklärte der 39-Jährige. Er müsse dem Kapitänstrio den Platz geben, „sich so zu entfalten und so zu führen, wie sie das meinen.“
Müllers Verdienste für das DEB-Team sind immens. 2018 gewann er mit der Nationalmannschaft sensationell Silber bei Olympia, ebenso fünf Jahre später bei der WM. Im SPORT1-Interview Anfang Januar freute er sich auf den „Olympia-Zauber“, diese Freude ist nun zumindest etwas getrübt.