Eine späte Erlösung, ein Zahnloser als Gold-Held und das Ende einer langen Wartezeit: Die Eishockey-Stars der USA haben in einem denkwürdigen Finale für Geschichtsbücher gegen den Erzrivalen Kanada den Titel bei den Olympischen Winterspielen in Mailand gewonnen.
Olympia: Ekstase pur! USA triumphieren in Overtime-Krimi
US-Held gibt Kult-Interview
46 Jahre nach dem „Miracle on Ice“ siegte das US-Team beim intensiven Aufeinandertreffen der NHL-Elite mit 2:1 (1:0, 0:1, 0:0, 1:0) nach Verlängerung und krönte sich zum dritten Mal zum Olympiasieger bei den Männern.
Die Eishockey-Großmacht Kanada um Top-Star Connor McDavid und den verletzten Kapitän Sidney Crosby verpasste ihr zehntes Olympiagold und das erste seit 2014. Letztmals im Finale gegen die USA hatte Kanada 2010 beim Heimspiel in Vancouver gestanden – damals schoss Crosby den Siegtreffer in der Overtime.
Dieses Mal hatte sich der 38-jährige Crosby nicht rechtzeitig von einer im Viertelfinale gegen Tschechien erlittenen Verletzung am Unterkörper erholt.
Hughes wird nach Zahnverlust zum Helden
Zum Helden für die USA wurde Jack Hughes, der in der Overtime nach einem Konter im Drei-gegen-drei den Treffer zum Goldgewinn besorgte. Zu diesem Zeitpunkt fehlten dem 24-Jährigen bereits zwei Schneidezähne.
Kanadas Sam Bennett hatte Hughes zuvor mit seinem Schläger versehentlich im Gesicht getroffen. Natürlich spielte Hughes, der in der NHL seit 2019 bei den New Jersey Devils aktiv ist, weiter.
Voller überschwänglicher Freude gab der erste Pick des 2019er-Drafts im Anschluss ein Interview, das natürlich direkt viral ging. „Hier geht es um unser Land. Ich liebe die USA. Ich liebe meine Teamkollegen. Ich bin so stolz, heute Amerikaner zu sein... Ein mutiger, beherzter Sieg... das ist amerikanisches Eishockey pur“, frohlockte der Center beim US-Sender NBC ins Mikrofon.
Direkt im Anschluss nutzte sogar der offizielle Account des Weißen Hauses den Clip und repostete ihn. Auch von zahlreichen Fans wurde Hughes für sein Interview gefeiert.
Olympia: US-Goalie pariert 42 Schüsse im Finale
Auch Star-Goalie Connor Hellebuyck, der 42 Schüsse parierte, war ein Garant des Erfolgs. „Es war ein unglaubliches Spiel von Hellebuyck. Er war mit einer Meile Abstand unser bester Spieler”, schwärmte Hughes. „Surreales Spiel von unserer Mannschaft. Das ist ein großartiges kanadisches Team, aber wir sind so stolz, Amerikaner zu sein.“
Cale Makar (39.) hatte Kanada nach der USA-Führung durch Matt Boldy (7.) hoffen lassen. Die USA hatten in Mailand bereits das Frauen-Finale gegen Kanada ebenfalls mit 2:1 nach Verlängerung gewonnen.
Olympia: USA jubelt nach Boldy-Solo
Die USA begannen äußerst druckvoll, der Blitzstart blieb trotz vier Schüssen in der ersten Spielminute aber zunächst aus. Kanada befreite sich spielerisch - und mit Härte: Tom Wilson schickte US-Star Dylan Larkin heftig in die Bande (6.). Kurz darauf ließ Boldy die USA nach starkem Solo jubeln. Die Kanadier und sein Ersatzkapitän McDavid, bei den Edmonton Oilers Teamkollege von Leon Draisaitl, mühten sich vergeblich um den schnellen Ausgleich. Im US-Powerplay verhinderten sie den erneuten Rückschlag.
Kanada kam wütend aus der Drittelpause, Star-Goalie Connor Hellebuyck rückte bei den USA immer stärker in den Fokus. Gegen den allein heraneilenden McDavid (30.) parierte er stark. Kurz darauf rettete der bei den Winnipeg Jets spielende Torhüter die Führung in doppelter Unterzahl. Erst Makar brach den Bann. Jake Guentzel (40.) scheiterte für die USA am Pfosten.
Hellebuyck mit Glanztaten, MacKinnon kläglich
Hellebuyck war auch im Schlussdrittel sofort gefordert. Glanztaten gegen Devon Toews (42.) und Macklin Celebrini (45.) hielten die USA im Spiel.
Nathan MacKinnon (50.) traf auf das fast komplett leere Tor nur den Außenpfosten - auch danach blieb es turbulent. Sam Bennett erhielt eine vierminütige Strafzeit, die USA schlugen jedoch kein Kapital und leisteten sich selbst ein Foul. Doch auch die Kanadier konnten ihr Powerplay nicht nutzen, es ging in die Verlängerung.
Kanadas Goalie Jordan Binnington verhinderte nach wenigen Sekunden den schnellen K.o., beim nächsten Versuch war er machtlos.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)