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Das wurde aus Ski-Ikone Katja Seizinger

Das wurde aus Katja Seizinger

Die deutsche Ausnahme-Skifahrerin Katja Seizinger holte heute vor 32 Jahren ihr erstes Olympia-Gold. Über die erfolgreichste deutsche Skifahrerin der Geschichte – und ihre ungewöhnliche zweite Karriere.
Katja Seizinger bei der Kür zu Deutschlands Sportlerin des Jahres 1998
Katja Seizinger bei der Kür zu Deutschlands Sportlerin des Jahres 1998
© IMAGO / Sven Simon
Die deutsche Ausnahme-Skifahrerin Katja Seizinger holte heute vor 32 Jahren ihr erstes Olympia-Gold. Über die erfolgreichste deutsche Skifahrerin der Geschichte – und ihre ungewöhnliche zweite Karriere.

Der 19. Februar 1994 geht wohl als Geburtsstunde der erfolgreichsten Skirennläuferin der deutschen Geschichte in die Memoiren ein. Nein, es war nicht Katja Seizingers erster Sieg im Weltcup, auch nicht ihr erster WM-Titel. Dafür die erste olympische Goldstunde in der Abfahrt von Lillehammer 1994.

Es war der Tag, an dem Seizinger sich selbst „einen Traum erfüllte“, wie sie später zu Protokoll gab. Ein Tag Ski-Geschichte, das kleine Mädchen aus Datteln in Nordrhein-Westfalen kürte sich zur Abfahrts-Olympiasiegerin. Vor allem aber ein Tag an dem der gesamte Erdball neidlos anerkannte: Sie war die beste Skifahrerin der Welt - mit nur 21 Jahren.

Olympia: Seizinger ließ selbst Konkurrentinnen staunen

„Sie ist so gut und sie hat es verdient. Hoffentlich kann ich eines Tages ebenso gut Skifahren wie sie.“ Lobende Worte, die von aufstrebenden Nachwuchsathletinnen stammen könnten. Dass jene Ausführungen aber der Silbermedaillengewinnerin Picabo Street aus den USA entsprangen, geben ihnen eine ganz andere Gewichtung. Bronze-Gewinnerin Isolde Kostner fuhr auf der anspruchsvollen Abfahrt in Kvitfjell schon fast eine Sekunde hinterher.

Seizinger schulte ihre Konkurrentinnen derart ein, die Deutsche mit dem unverkennbaren Zebraanzug, dem schwarzen und aus dem Motocross entsprungenen Visier und der grell pink umrandeten Skibrille, hatte schon im Mittelteil über eine Sekunde Vorsprung.

Olympia-Gold aus dem „Secondhandshop“

Dass sie „beinahe nicht hätte starten können“, weil sie sich ihren Anzug von Teamkollegin Ulrike Stanggassinger, den Unteranzug von Michaela Gerg-Leitner hatte leihen müssen, komplettierte nur das Bild, dass alle äußeren Umstände dem skifahrerischen Talent an diesem Tag weichen mussten. Ein Moderator betitelte sie später bei einem TV-Interview als „Secondhandshop“, Seizinger lächelte nur müde. Eine olympische Goldmedaille gäbe es dort wohl nicht.

Vielmehr schwang sich Seizinger auf, aus einem Zweitverwertungsladen eine Luxusgalerie aufzubauen: 36 Weltcup-Siege, zwei Gesamtweltcup-Siege, zwei olympische Bronzemedaillen – und dreimal Olympia-Gold. Seizinger verteidigte als erste Frau der Geschichte ihr Abfahrts-Gold vier Jahre später in Nagano, der Gipfel. Zurecht wurde sie dreimal zur deutschen Sportlerin des Jahres gewählt, später auch in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.

„Katja ist ein Jahrhunderttalent, mit dem sich selbst Heidi Biebl und Rosi Mittermaier nicht hätten messen können“, sagte der einstige Trainer Wolfgang Maier einmal.

Seizingers Laufbahn war eine, die mehr glitzern kaum konnte – und mit 26 Jahren verblasste. Denn 1999 machte die im Ruhrpott aufgewachsene Tochter einer Unternehmerfamilie Schluss, abrupt und ohne den ganz großen Schmerz.

Eine schwere Knieverletzung schien der Grund für den Rücktritt gewesen zu sein, tatsächlich offenbarte Seizinger, dass sie aber so oder so früh aufgehört hätte: „Ich habe mich entschlossen, mein Studium zu beenden und mein Glück im normalen Berufsleben zu versuchen.“

So aufgeräumt wie sie all die Jahre gegenüber der Öffentlichkeit gewirkt hatte, so selbstverständlich verlief auch das Ende: Sie hatte alles erreicht – auf sportlicher Ebene. Nun durfte die private folgen.

Von der Skipiste zur Unternehmerin im Stahlwerk

Denn Seizinger war mehr als eine Vorzeigesportlerin. Vielmehr ein strukturierter Mensch, der schon von klein auf von Papa Hans und Mama Doris angetrieben wurde, sich neben dem Sport auszubreiten. Ein Einser-Abitur, ein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens, selbst das Lernen während der olympischen Wettkämpfe – ein Abbild ihrer Person, nicht der Sportlerin.

Kaum verwunderlich also, dass Seizinger sich nach der aktiven Karriere mehr ins Private zurückzog. Kaum mehr TV-Auftritte, keine Experten-Einsätze, nur noch sporadische Ausflüge mit ehemaligen Weggefährten. Dass Seizinger, die später den Nachnamen ihres Mannes Kai-Uwe Weber annehmen sollte, auch im privat-geschäftlichen Umfeld Erfolg haben sollte, überraschte dabei niemanden mehr. So stringent sie auf der Skipiste fuhr, so arbeitete sie auch später für ihren beruflichen Erfolg.

Schon 2003 stieg sie in den familieneigenen Stahlkonzern ein, ist inzwischen mit 53 Jahren Aufsichtsratsvorsitzende für die Badische Stahlwerke GmbH und die Südweststahl AG, verantwortet Tausende Jobs. Mann Kai-Uwe sitzt bei einem der beiden im Vorstand. Laut einem ntv-Bericht sollen die Unternehmen jährliche Bilanzen im dreistelligen Millionenbereich verzeichnen.

Es scheint wie ein Leben geprägt von Ehrgeiz, Leistung und Erfolg. Egal, ob mit Gold um den Hals oder Stahl in der Hand.