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Olympia: Raimunds Gold-Sensation weckt unvermutete Emotionen

Goldene Sensation im Skisprung!

Philipp Raimund gewinnt beim olympischen Normalschanzen-Wettbewerb in Predazzo die Goldmedaille. Familie, Experten und Fans sind komplett aus dem Häuschen.
Nika Prevc galt vor den Olympischen Spielen als haushohe Favoritin im Skispringen. Am Ende musste sich die Dominatorin jedoch geschlagen geben – eine andere Athletin sicherte sich die Goldmedaille.
Philipp Raimund gewinnt beim olympischen Normalschanzen-Wettbewerb in Predazzo die Goldmedaille. Familie, Experten und Fans sind komplett aus dem Häuschen.

Philipp Raimund hat bei den Olympischen Spielen nach zwei überragenden Sprüngen sensationell Gold auf der Normalschanze geholt! Der deutsche Skispringer segelte im Finale mit Telemark-Landung auf 106,5 Meter und verteidigte seine Führung aus dem ersten Durchgang - trotz immensen Drucks der im zweiten Durchgang starken Konkurrenz.

Der 25 Jahre alte Oberstdorfer, der ohne Weltcupsieg in seiner Karriere nach Val di Fiemme gereist war, siegte vor dem Polen Kacper Tomasiak sowie dem Japaner Ren Nikaido und dem Schweizer Gregor Deschwanden, die beide Bronze holten. Sloweniens Topfavorit Domen Prevc, der auf der Normalschanze seine fliegerischen Stärken nicht voll ausspielen konnte, landete nur auf Platz sechs.

Fast auf den Tag genau acht Jahre nach dem Triumph von Andreas Wellinger in Pyeongchang hat Deutschland nun seinen fünften Skisprung-Olympiasieger im Männer-Einzel. Zuvor hatten noch die DDR-Springer Helmut Recknagel (1960), Hans-Georg Aschenbach (1976) und Jens Weißflog (1984 sowie nach der Wiedervereinigung 1994) triumphiert.

Raimund vor dem ersten Sprung extrem nervös

„Vor dem ersten Sprung war ich scheiße nervös”, erklärte Raimund: „Vor dem zweitem Sprung sind unten alle ausgerastet, das heißt, ich habe gewusst, es geht auf jeden Fall weit. Ich weiß nicht wie ich es geschafft habe, aber ich bin so stolz drauf. Das ist unglaublich.“

Der frisch gebackene Olympiasieger konnte sein Glück kaum fassen: „Es war der größte Erfolg überhaupt. Ich habe noch nie einen Weltcup gewonnen und dann auf der ganz großen Bühne ganz oben zu stehen, ist unglaublich. Ich könnte mich eigentlich überall bedanken. Es ist einfach wunderschön.“

Mit Flügen auf 102,0 und 106,5 m wurde Raimund fast auf den Tag genau acht Jahre nach dem Triumph von Andreas Wellinger in Pyeongchang zum fünften deutschen Olympiasieger im Skispringen.

Nach dem goldbringenden Sprung starrte der neue deutsche Wintersport-Held bangend und von den Kollegen umringt auf die Anzeigetafel. Er küsste seine Ski, ehe die erlösende Nachricht kam. Die Familie - angereist waren Mutter und kleiner Bruder - hatten sich bei der Landung noch die Hände vors Gesicht gehalten - dann gab es kein Halten mehr, alles lag sich in den Armen.

Hannawald kann es nicht fassen - Horngacher außer sich

„Jawoll. Ist das fantastisch, ist das Wahnsinn, sensationell“, rief ARD-Experte Sven Hannawald lautstark ins Mikrofon, während Raimund vor Freude im Auslauf kaum noch zu bremsen war.

Euphorisch wie vielleicht nie zuvor reagierte auch Bundestrainer Stefan Horngacher: „Den habe ich noch nie so gesehen“, rief ARD-Kommentator Tom Bartels.

„Ich bin aktuell ein bisschen leer, die Anspannung war schon hoch”, sagte Horngacher selbst wenig später: „Uns ist die Vierschanzentournee und das Skifliegen nicht so gelungen, dafür ist Olympia richtig gelungen. Und für Philipp zählt Olympia am meisten.“

Man habe überlegt, „sollen wir eine Luke verkürzen? Wir haben uns dann aber entschieden zu bleiben. Wenn du Olympiasieger werden willst, musst du weit springen und einen Telemark setzen.“

So lief das deutsche Olympia-Märchen ab

Die erste richtige Attacke in einem hochspannenden Finale setzte zuvor Ren Nikaido, der im Finale auf 106,5 Meter segelte. “Das ist ein Typ, der denkt nicht, der macht einfach. Sensationell“, zeigte sich Hannawald beeindruckt.

Direkt danach setzte Gregor Deschwanden 107 Meter in den Schnee und machte aus der Nikaido-Führung eine Doppelführung. Für beide reichte es für die Bronze-Medaille.

Kacper Tomasiak landete bei 107 Metern noch ein wenig sauberer als Deschwanden und sorgte nicht nur bei den polnischen Fans für Furore. “Boah, die liefern aber auch alle. Was ist denn hier los. Ach du Grüne Neune, das ist eine Medaille“, prophezeite Hannawald. Er sollte recht behalten. Für Tomasiak gab es völlig überraschend Silber.

Hoffmann verpatzt Landung: Wellinger kann nicht zaubern

Die weiteren deutschen Adler hatten mit dem Kampf um die Medaillen wenig zu tun. Felix Hoffmann verpatzte beim ersten Durchgang die Landung und konnte im Finale nicht entscheidend aufholen. „Da ist die Normalschanze gnadenlos“, litt Hannawald mit. Am Ende reichte es für Rang 13.

Andreas Wellinger zeigte eine solide Vorstellung, konnte jedoch nicht entscheidend zulegen. Der Olympiasieger aus dem Jahr 2018 belegte am Ende Platz 17.

Wellinger war wie so viele Menschen vor Ort von Raimund begeistert und lobte überschwänglich: „Ja wie geil war denn eigentlich das Ergebnis und das Ergebnis, was der Hille da abgeliefert hat! Wirklich richtig geile Show und das der den nochmal so runter hämmert.“

„Ich bin nicht ganz zufrieden, aber auch nicht unzufrieden. Ich habe die Sprünge stabilisiert und kann wieder nahe an die Hillsize springen. Heute hätte schon etwas besonderes passieren müssen, das habe ich mir vorgenommen. Mir ist es nicht ganz gelungen. Die Tendenz stimmt aber“, erklärte er in der ARD.

Pius Paschke musste sich mit Platz 22 begnügen.